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Keith Richards: „Was ich mache, mache ich, bis ich umfalle“

Musik

Dienstag, 15. März 2022 - 15:44 Uhr

von Interview: Philip Dethlefs, dpa

dpa London. Er gilt als Rocklegende. Aber Keith Richards hat auch ohne seinen Partner Mick Jagger gute Musik gemacht. Zum 30. Jubiläum erscheint sein Soloalbum „Main Offender“ in einer Neuauflage.

Keith Richards mag kleine Clubs und ist auch gern mal Leadsänger. Foto: Warren Toda/EPA/dpa

Die Neuauflage von Keith Richards' zweitem Soloablum „Main Offender“ enthält ein bisher unveröffentlichtes Konzert des Kultgitarristen von 1992.

Seine Band, die X-Pensive Winos, spielte damals im Londoner Town & Country Club, der relativ klein ist im Vergleich zu den Hallen und Stadien, die Richards mit den Rolling Stones füllt. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur verrät der 78-Jährige, warum er solche Clubs bevorzugt und warum er bis an sein Lebensende neue Songs schreiben wird.

Frage: Sie sind es gewohnt, in großen Stadien und Hallen zu spielen. Wie ist das für Sie, wenn Sie in kleineren Club auftreten, wo man so nah am Publikum dran ist?

Antwort: Man ist einfach näher dran. Wenn man die ganze Zeit in Stadien spielt, kann man sehr in einen Trott geraten. Denn je größer die Dinge werden, desto schwieriger ist es, etwas zu ändern. Außerdem klingt Rock 'n' Roll sehr viel besser in kleineren Räumen. Und ich habe immer sehr gern in Clubs gespielt. Das war tatsächlich immer eine Chance, mal Dinge zu tun, die ich sonst nicht machen konnte, weil die Stones so schnell so groß geworden sind.

Frage: Bei den X-Pensive Winos sind sie nicht nur Gitarrist, sondern auch Leadsänger. Genießen Sie das? Gab es vielleicht mal einen Punkt, an dem Sie überlegt haben, hauptberuflich Sänger zu werden?

Antwort: Ich genieße das Singen sehr. Es macht Spaß, und je mehr ich das mache, desto mehr gefällt es mir. Aber gleichzeitig habe ich schon einen unglaublichen Sänger, und ich muss dafür sorgen, dass er Arbeit hat. Es macht mir wirklich Spaß zu singen, wenn das Lied passt. Ich mache das so oft wie möglich. Aber mein Hauptjob ist es wirklich und war es schon immer, dass ich Songs schreibe, die Mick Jagger singt. Das ist mein Job.

Frage: Mal ganz unabhängig davon, ob es für Ihre Solokarriere oder für die Rolling Stones ist, schreiben Sie fortwährend neue Songs?

Antwort: Als Songwriter neigt man dazu, ständig zu schreiben, ohne es überhaupt zu wollen. Man hält seine Ohren offen und schreibt sich immer kleine Zeilen und Notizen auf. Das ist nicht wirklich bewusstes Songwriting, aber irgendwann hat man genug von diesen kleinen Bruchstücken von Phrasen und Informationen gesammelt, so dass sich von selbst Songs daraus zu formen beginnen. Ich glaube nicht, dass man sich als Songwriter zur Ruhe setzen kann. Die Songs tauchen einfach immer wieder auf, und das ist ein faszinierender Prozess.

Frage: Für viele Menschen sind Sie die Personifizierung des Rock 'n' Roll. Was bedeutet Ihnen das?

Antwort: Ich finde das unglaublich. Keine einzelne Person kann diese Position ausfüllen. Ich finde es umwerfend, dass die Menschen meine Arbeit akzeptieren. Ich bin manchmal richtig überwältigt. Aber ich will ihnen auch nicht widersprechen. (lacht)

Frage: Sie haben gesagt, als Songwriter kann man sich nicht zur Ruhe setzen. Aber auch sonst scheint Ruhestand keine Option zu sein?

Antwort: Nein. Absolut richtig. Es gibt keinen Stichtag. Ich glaube, was ich mache, mache ich, bis ich umfalle.

ZUR PERSON: Keith Richards wurde am 18. Dezember 1943 in Dartford geboren. Er ist Mitgründer der Rolling Stones, die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiern. Gemeinsam mit Frontmann Mick Jagger schrieb der Gitarrist unzählige Hits für die Band, darunter „(I Can't Get No) Satisfaction“, „Start Me Up“ und „Angie“. Außerdem hat er zwei Soloalben veröffentlicht.

© dpa-infocom, dpa:220315-99-525898/3

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