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Boulevard

„Lieber Leben“: Authentisch, überzeugend und lebensbejahend

Film

Montag, 11. Dezember 2017 - 09:41 Uhr

von Von Sabine Glaubitz, dpa

dpa Paris. Nach einem Unfall gelähmt: „Lieber Leben“ erzählt vom Alltag junger Menschen in einer Reha-Klinik. Ein Film mit Einfühlungsvermögen, Tabubrüchen und Humor.

Im Reha-Zentrum lernt Ben (Pablo Pauly) die hübsche Samia (Nailia Harzoune) kennen. Foto: -/Neue Visionen Filmverleih

Ben ist jung, sportlich und voller Träume. Doch ein Unfall macht einen Strich durch seine Zukunftspläne: Er ist fortan vom Hals abwärts gelähmt. In einer Reha-Klinik muss er vieles wieder neu lernen, denn zu allem braucht er Hilfe, ob es dabei ums Essen, Pinkeln oder Telefonieren geht.

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„Lieber Leben“ erzählt den Alltag junger Menschen in der Rehabilitation. Trotz des schweren Themas handelt es sich um eine Komödie voller Authentizität und schwarzem Humor, denn der Film wurde von Fabien Marsaud mitgedreht, Frankreichs Poetry-Slam-Star, der selbst einmal nach einem Unfall gelähmt war.

Er habe mit dem Film keine Art Therapie machen wollen, wie Marsaud, der unter dem Künstlernamen „Grand Corps Malade“ bekannt ist, in einem Interview der Zeitung „L'Alsace“ gesagt hat. Man wisse kaum etwas über diese körperbehinderten Menschen, erklärte er weiter. Deshalb wollte er diese Welt zeigen. Eine Welt, die Angst mache, wie er meinte. Aber auch eine Welt, in der man nicht nur weine.

Und so hat der Slammer den Film mit einer Dosis Galgenhumor aufgemischt, der so manche Tabus bricht. So lassen Sätze wie „Dein Körper ist kaputt, kümmere dich wenigstens um deine Frisur.“ den Zuschauer streckenweise die schwierige Lage der jungen Menschen vergessen.

Das Leben in einer Reha bestehe auch aus Momenten, in denen man sich necke und sich amüsiere, erzählte Marsaud der Zeitung. Wie zum Beispiel mit Rollschuh-Boxen und Rollschuh-Wettrennen in den endlos langen Gängen.

Der Film beschönigt nichts. Die Schmerzen, wenn Ben aus dem Bett gehoben wird zum Waschen, die Unfähigkeit, den Telefonhörer, in der Hand zu halten oder allein zu essen. Bei allem ist er auf Hilfe angewiesen, etwa durch die ungeschickte Schwester Christiane oder den stets gut gelaunten Pfleger Jean-Marie.

Ben lernt in der Klinik auch neue Freunde kennen wie Farid, der sich mit seiner Behinderung abgefunden hat, oder die hübsche Samia, in die sich Ben auf Anhieb verliebt. Der Film schwankt so stets zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Lachen und Weinen.

„Lieber Leben“ basiert auf dem stark autobiografischen Roman von Marsaud, der sich nach seinem Unfall im Jahr 1997 den Künstlernamen „Grand Corps Malade“, übersetzt großer kranker Körper, gegeben hat. Man merkt dem Film an, dass er die Welt und die Gefühle der Protagonisten kennt.

Marsaud hat die schwarzhumoriger Komödie zusammen mit dem ehemaligen Hip-Hop-Tänzer und Musikvideoregisseur Mehdi Idir gedreht. Beide haben die Geschichte in ein einfühlsames und emotionales Filmdebüt verwandelt, zu dem auch die schauspielerische Leistung von Pablo Pauly als Ben beiträgt.

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