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Boulevard

„Love, Simon“: Romanverfilmung um schwulen Teenager

Film

Montag, 25. Juni 2018 - 10:51 Uhr

von Von Matthias von Viereck, dpa

dpa Berlin. In seiner, mit einem famosen Hauptdarsteller aufwartenden Komödie berichtet Regisseur Greg Berlanti davon, wie schwer es auch heute für manch Siebzehnjährigen ist, zur eigenen Homosexualität zu stehen.

Simon Spier (Nick Robinson, l-r), Nora Spier (Talitha Eliana Bateman), Emily Spier (Jennifer Garner) und Jack Spier (Josh Duhamel) geben eine ziemlich entspannte Familie ab. Foto: Twentieth Century Fox

Längst zwar ist Homosexualität auch im mittelgroßen und großen US-Kino angelangt. Man denke an gepriesene Filmwerke wie „Milk“, „Brokeback Mountain“ oder „Moonlight“.

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Im Bereich aber der vor allem auf Unterhaltung abzielenden amerikanischen Jugendkomödie sieht es - von mancher Nebenfigur abgesehen - eher mau aus. Das soll sich nun ändern: „Love, Simon“ stellt das Coming-out eines Heranwachsenden in den Mittelpunkt einer so eingängigen wie dennoch ernsten Komödie. Bei der Regiearbeit des Amerikaners Greg Berlanti handelt es sich um die Adaption eines Romans von Autorin und Psychologin Becky Albertalli. Neben Hauptakteur Nick Robinson spielen Jennifer Garner und Josh Duhamel.

„I’m just like you“, ich bin genau wie du, erklärt der von Robinson verkörperte Protagonist Simon zu Beginn dieser, vor allem ein junges Publikum adressierenden Dramödie. Tatsächlich mutet Simons Leben durchschnittlich, ja behütet an: Mit ziemlich entspannten Eltern und seiner Schwester wohnt der Siebzehnjährige in einem wohl situierten Vorort von Atlanta; sein privates wie auch schulisches Umfeld macht einen höchst zivilisierten Eindruck. Alles scheint gut - nur, dass er schwul ist, das hat Simon bisher lieber für sich behalten. So liberal seine Eltern auch sind, das Coming-out fällt ihm schwer. Da kommt ihm ein Mitschüler zuvor, der in einem sozialen Netzwerk von seiner eigenen Homosexualität berichtet.

Inmitten der Stärken, die den Film auszeichnen, überzeugt vor allem das gleichermaßen zurückgenommene wie bewegende Spiel von Hauptdarsteller Robinson. Der bisher im Kino kaum spürbar in Erscheinung getretene, 1995 in Seattle geborene Schauspieler, versteht es von Minute Eins an, für sich einzunehmen. Dass Simon - den guten äußeren Rahmenbedingungen seines Lebens zum Trotz - im Inneren manch Kampf austrägt, macht Robinson mit spärlichen Gesten spürbar. Simons Aufregung etwa vor seinem Coming-out (unter dem Weihnachtsbaum der Familie!) ist gleichsam mit Händen zu greifen. Nicht ganz so viel Glück hatte Berlanti bei der Auswahl von Simons Eltern. So trifft Garner als Simons Mutter nicht stets den rechten Ton.

Wunderbar der Humor des Films: In einer so kurzen wie genialen Sequenz fragt sich Simon zunächst, warum es eigentlich nur die Homosexuellen sind, die sich erklären müssen (Stichwort: Coming-out). Um sich daraufhin vorzustellen, wie es wäre, wenn nicht der homo-, sondern der heterosexuelle Teenager den Sonderfall darstellen würde. Zuweilen muss man an die großartigen Komödien von Judd Apatow denken (etwa an die Familie aus Apatows „Immer Ärger mit 40“); einmal gar wird Apatow namentlich erwähnt, fast so, als wolle sich Regisseur Berlanti vor dem Komödien-Experten verneigen. Wie Apatow jedenfalls regt auch Berlanti mit „Love, Simon“ zum Lachen und Weinen an.

Dass es Berlanti zugleich gelingt, en passant ein weiteres großes Thema anzureißen, beeindruckt: Immer wieder geht es um die Herausforderungen, die einhergehen mit dem besonderen Stellenwert, den soziale Netzwerke bei Teenagern haben. Gleich in einer frühen Szene bringt der Regisseur die Allmacht des Digitalen höchst trefflich auf den Punkt: Ein ganz alltäglicher Schulmorgen, und alle, wirklich alle Schüler starren, während sie ins Foyer ihrer Lehranstalt schlendern, auf ihr Handy. Da wirkt es fast wie ein politisches Statement, dass Berlanti nachfolgend einige der Digital-Geräte vom skurrilen Ko-Rektor der Schule einsammeln lässt.

Obgleich der 110-Minüter von seiner Anmutung her im Mainstream-Kino verankert zu sein scheint, erinnert die Grundstimmung doch eher an kleine amerikanische Independent-Produktionen. Auch die das Leinwandgeschehen stets hübsch flankierende, derweil nie erwartbare oder gefällige Musikauswahl trägt zu dieser Stimmung bei.

Kaum zu glauben, dass „Love, Simon“ eine der ersten Mainstream-Teenie-Komödien eines großen amerikanischen Studios ist, die sich in dieser Form einer schwulen Hauptfigur annimmt. Einer Hauptfigur, die man so schnell nicht vergisst. „Love, Simon“ gehört zu den Überraschungen des Filmjahres 2018.

Love, Simon, USA 2018, 110 Min., FSK ab 0, von Greg Berlanti, mit Nick Robinson, Jennifer Garner, Katherine Langford

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