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Boulevard

„Magnolia“: 180 bewegende Minuten mit einem Starensemble

Film

Freitag, 29. Mai 2020 - 07:51 Uhr

von Von Matthias von Viereck, dpa

dpa Berlin. Die derzeitige Situation kann auch etwas Gutes haben. Denn so finden einige von uns die Zeit, endlich ein paar Kinoklassiker nachzuholen. Heute: P.T. Andersons Ensemblestück aus dem Jahr 1999.

Eine verzweifelte Frau: Julianne Moore als Linda Partridge. Foto: StudioCanal/dpa

Beinah auf den Monat genau vor zwanzig Jahren kam ein Film in die deutschen Kinos, der Furore machte. Bei der Berlinale wurde er mit dem Goldenen Bären bedacht. Titel des ausgezeichneten Films: „Magnolia“.

Ein so langes, wie dunkles, wie bewegendes, wie außergewöhnliches Stück Kino. Außergewöhnlich auch, weil dies erst der dritte Film des erst knapp 30-jährigen Amerikaners Paul Thomas Anderson war. Drei Stunden lang ist „Magnolia“ - 180 Minuten, in denen man Größen wie Tom Cruise, Philip Seymour Hoffman und Julianne Moore bei starkem Schauspiel zusehen darf.

Es geht um eine Gruppe von, auf die eine oder andere Art verzweifelten Menschen im südkalifornischen San Fernando Valley. Von Westküstenleichtigkeit ist wenig zu spüren bei der stets am Rande des Wahnsinns entlangschrammenden jungen Frau eines im Sterben liegenden alten Mannes; wenig zu spüren bei dem Wunderkind einer TV-Rateshow; wenig zu spüren bei der, vom wunderbaren William H. Macy verkörperten Figur; wenig zu spüren bei der sex- und drogenabhängigen Tochter eines nicht minder desolaten TV-Masters. Und auch hinter Tom Cruises selbstbewusster Visage (er spielt einen frauenhassenden Verführungs-Guru) steckt eine große Portion an Verzweiflung, an Trauer. Es geht in diesem Film um Schuld und Sühne, um Verzweiflung und Vergebung. Um die große Frage: Ist das alles nur Zufall?

Es ist die wunderbare Musik von vor allem Aimee Mann, die „Magnolia“ strukturiert und rhythmisiert. Aber auch Supertramp sind mit dabei. Einmal (eine der schönsten Szenen) stimmen all die Hoffnungslosen, all die famosen Figuren dieses Films plötzlich ein in dasselbe Lied von Aimee Mann. Spätestens da wird klar, wie sehr sie alle miteinander verbunden sind in diesem Film, in dem alles irgendwie, wie in einem Yin-Yang-Symbol, ineinanderfließt.

„Magnolia“ ist kein Film, der einen mit leichtem Herzen zurücklässt. Auch wenn uns Regisseur Anderson in der letzten Einstellung mit einem wunderbaren Lächeln belohnt (eins der schönsten der Filmgeschichte). Vor allem zu seiner Mitte hin entwickelt das Werk einen faszinierenden, einen schrecklichen Sog. Hier lässt uns Anderson, die Einsamkeit, die Leere seiner Figuren (auch das Drehbuch kommt von ihm) mit voller Wucht und auf doch ganz subtile Art spüren.

„Magnolia“ ist der vielleicht wichtigste Film eines Filmemachers, der am 26. Juni 50 wird; der uns noch ein paar wenige Meisterstücke mehr geschenkt hat in den zurückliegenden 20 Jahren: ob „Punch-Drunk Love“, „The Master“ oder „There Will Be Blood“.

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