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Boulevard

Max Raabe „unplugged“ mit vielen Popstars

Musik

Dienstag, 26. November 2019 - 08:48 Uhr

von Von Esteban Engel, dpa

dpa Berlin. Seine weiche Stimme und der Zwanzigerjahre-Sound sind sein Markenzeichen: Jetzt hat sich Max Raabe musikalische Freunde aus der Pop-Gegenwart dazugeholt.

Max Raabe in „Clärchens Ballhaus“. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Max Raabe unplugged? Der Entertainer hat doch schon immer seine geschmeidige Stimme und den Sound des Palast Orchesters den Mikrofonen anvertraut. Mehr Elektrik braucht Raabe im Prinzip nicht.

Bei seinem neuen Album, das er in „Clärchens Ballhaus“ in Berlin als „MTV Unplugged“-Konzert aufgezeichnet hat, macht Raabe keine Ausnahme. Noch immer schwingen - ganz analog - die künstliche Naivität, die Sehnsucht nach den Goldenen Zwanzigern und der Humor mit, wie schon seit Jahrzehnten bei ihm.

Nach legendären „Unplugged“-Auftritten von Paul McCartney, Mariah Carey, Herbert Grönemeyer oder Udo Lindenberg - nun also Max Raabe. Dem Angebot wollte der Künstler zunächst nicht ganz trauen. Doch es stimmte. Raabe ließ sich anstecken von dem Gedanken.

Für die Neuproduktion mit mehr als zwei Dutzend Songs, die als CD und DVD erschienen sind, hat der 56-Jährige berühmte Mitstreiter in den verwitterten Spiegelsaal gelockt. „Ich fand die Idee reizvoll, Leute einzuladen, auf die man nie käme, wenn man an Max Raabe denkt“, sagt Max Raabe. „Ungewöhnliche und wilde Gäste“, charmant und klug, Leute, „die irgendwie etwas ganz anderes machen, aber sich dann auf uns einlassen und sich sozusagen in unsere Welt begeben“.

Die bunte Musikgesellschaft, die dem Ruf in das Tanzlokal folgte, reicht vom Schauspieler und Vielfach-Talent Lars Eidinger über den Stimmungsmacher Pawel Popolski bis zum finnischen Metal-Sänger Lordi.

Vorab habe er mit niemandem über das Projekt gesprochen und die Künstler einzeln in das Ballhaus eingeladen. „Wir haben natürlich verschiedene Leute gefragt, und die konnten - und das war natürlich großartig.“ Der Konzertverlauf an den beiden Nachmittagen im Mai sollte eine Überraschung sein.

Von Kurt Weills „Mackie Messer“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“, das Raabe mit Eidinger anstimmt, bis zum Auftritt mit Lordi - die Lust am Musizieren ist bei allen Beteiligten zu spüren. Er sei sehr aufgeregt gewesen vor seinem Auftritt, berichtete Eidinger. Vor Jahren habe er sich nämlich einen Song von Max Raabe für das Vorsingen an der Schauspielschule ausgesucht. Und jetzt der Auftritt mit dem Meister.

Raabe-Hits wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Wochenend’ und Sonnenschein“ klingen so, wie man sie von jeher kennt. Doch wenn dann „Kein Schwein ruft mich an“ mit Achim Hagemann alias Pawel Popolski zur Polka mutiert oder „Just a Gigolo“ mit Lordis knarzender Stimme erklingt, ist die Überraschung perfekt. Auch Herbert Grönemeyer, Lea und Namika sind mit von der Partie.

Da trägt Raabe zunächst gut gelaunt „Der perfekte Moment“ vor, und dann stürmt Sammy Deluxe auf die Bühne und verpasst dem Song im Rap-Staccato eine Rauheitskur. Den verträumten Song „Du weißt nichts von Liebe“ verwandelt Herbert Grönemeyer in ein Chanson.

Im Repertoire aus den Zwanzigerjahren und den Raabe-Texten kommt die Freude an Wortspiel und zweideutigen Formulierungen durch, auch diese große Melancholie und Ernsthaftigkeit. Diese Haltung in die Gegenwart mit Künstlern zu tragen, die viel von Popmusik verstehen, habe er als sehr reizvoll empfunden.

„Letztendlich hat sich doch wenig verändert in der Popmusik“, sagt Raabe. „Lady Gaga erzählt auch über Liebe und über Schmerz, den sie empfunden hat durch eine Kränkung - und das finden Sie zu allen Zeiten.“ Allerdings: „In der Popmusik verwendet man eigentlich kaum Ironie.“

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