„Mellow Yellow“-Sänger Donovan wird 75

Von Von Philip Dethlefs, dpa

dpa London. In den 60er Jahren war der Sänger und Songwriter Donovan einer der ersten britischen Vertreter der Flower-Power-Bewegung. Mehr als 50 Jahre später wirkt der Alt-Hippie, als wäre die Zeit für ihn stehengeblieben.

„Mellow Yellow“-Sänger Donovan wird 75

Donovan beim Isle of Wight Festival 2007. Foto: Yui Mok/PA Archive/dpa

Mit seinem leicht gelockten grauen Haar und der etwas schrulligen Art ist Donovan der perfekte Typus des Althippies. Als er vor einigen Monaten sein neues Album „Lunarian“, eine Sammlung von Liebesliedern für seine Ehefrau Linda, vorstellte, erklärte er den Pressetermin zu einer „privaten spirituellen Enthüllung“.

Bei dieser zumindest für Außenstehende unfreiwillig komischen Veranstaltung sang der britische Sänger und Songwriter in einem Gartenpavillon zwischen rauchenden Feuerstellen Playback, während er Lindas Hand streichelte. Der skurrile Auftritt wirkte wie aus einer anderen Zeit.

Manchmal bekommt man den Eindruck, der eigenwillige Musiker, der jetzt 75 Jahre alt wird, sehnt sich nach den 60er Jahren und der Hippie-Ära zurück. Damals hatte Donovan Phillips Leitch, der am 10. Mai 1946 im schottischen Glasgow geboren wurde, den größten Erfolg. „Sunshine Superman“, „Mellow Yellow“ und „Hurdy Gurdy Man“ hießen seine Hits, die perfekt in den Zeitgeist und zur Hippie-Bewegung passten.

Mit nicht mal 20 war Donovan einer der ersten Musiker in Großbritannien, die sich das Flower-Power-Motto zu eigen machten. Künstlerisch setzte sich der junge Songwriter keine Grenzen. „Jazz, Blues, Folk, Popmusik, Literatur, Feminismus, Ökologie - ich hab alles wie ein Schwamm aufgesogen“, sagte er im vergangenen Jahr im Interview der britischen Zeitung „Guardian“.

Noch bevor er überhaupt eine Platte veröffentlicht hatte, durfte Donovan 1964 in der TV-Sendung „Ready, Steady, Go“ auftreten. Zu verdanken hatte er das dem damaligen Rolling-Stones-Gitarristen Brian Jones, der ein Demo von ihm gehört hatte und sich für ihn einsetzte. Mit diesem Auftritt habe er auf einmal Millionen von Menschen erreicht, erinnerte sich Donovan, der sich zuvor als Straßenmusiker und mit Auftritten in kleinen Clubs und Kneipen verdingt hatte.

Der Auftritt war noch in anderer Hinsicht schicksalhaft, denn hinter den Kulissen der Show lernte er die Ex-Freundin von Jones kennen - Linda Lawrence. Ein Paar wurden die beiden allerdings erst Jahre später, nachdem Donovan zwei Kinder mit dem Model Enid Karl hatte. 1970 heiratete er Linda und adoptierte ihren Sohn mit dem inzwischen verstorbenen Jones. Aus der Ehe gingen noch zwei weitere Kinder hervor. Auf Twitter teilt Donovan seiner Linda - und seinen rund 13 000 Followern - regelmäßig seine Liebe mit.

Er war mit Joan Baez und den Beatles befreundet, brachte John Lennon das Fingerpicking auf der Gitarre bei und ließ sich im Studio von den späteren Led-Zeppelin-Musikern John Bonham und John Paul Jones begleiten. Er hatte Hits in Europa und Amerika. Gelegentlich wurde ihm allerdings auch unterstellt, eine Bob-Dylan-Kopie zu sein. Tatsächlich erinnert beispielsweise seine oft gecoverte Single „Catch The Wind“ verdächtig an Dylans „Blowing In The Wind“.

Spekulationen rankten sich immer wieder um Bezüge zu Marihuana- und LSD-Gebrauch. Beidem soll Donovan nicht abgeneigt gewesen sein. 1966 wurde er - wie viele seiner Musikerkollegen - wegen Cannabis-Besitzes festgenommen. Gerüchte, bei „Mellow Yellow“ gehe es darum, durch Bananenschalen high zu werden, wies er 2011 im „NME“-Interview zurück und verwies auf die Strophe über „Electrical Bananas“ (elektrische Bananen). „Das sind Damenvibratoren“, stellte Donovan klar.

Nach gut einem Dutzend Studioalben begann sein Stern Mitte der 70er Jahre zu sinken. Die Hippie-Bewegung war längst am Ende, und neue Musikrichtungen wie New Wave und Punk ließen die Musik des Schotten altmodisch und überholt wirken. In den 80er Jahren veröffentlichte er nur noch sporadisch und mit mäßigem Erfolg neue Musik. Seine alten Hits erwiesen sich hingegen als zeitlos und werden bis heute in Filmen und Fernsehserien genutzt.

1996 nahm Donovan mit Erfolgsproduzent Rick Rubin (Red Hot Chili Peppers, Johnny Cash) das meditative Album „Sutra“ auf. Kommerziell war es ein Misserfolg, bei seinen Fans kam es gut an. Und zu Beginn des neuen Jahrtausends erlebte der Sänger und Songwriter auch in der öffentlichen Wahrnehmung eine Renaissance. Für den deutschen Markt nahm er 2002 seinen Song „Atlantis“ mit der Girlgroup No Angels neu auf. 2012 wurde er in die „Rock And Roll Hall Of Fame“ aufgenommen.

Die CD „Lunarian“ ist übrigens zusammen mit einem Fotobuch wahlweise für 150 Euro oder in einer handgemachten Box für stattliche 3500 Euro auf Donovans Website erhältlich. Für deutlich weniger Geld kann man sich 21 sogenannte „Klimawandel-Songs“ runterladen. 2019 hatte der Sänger mit Linda das Werk „Eco-Song - Tribute Album To Greta“ zur Unterstützung der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg veröffentlicht. „Rebellionen und Bewegungen brauchen Lieder“, sagte Donovan dazu im „Guardian“-Interview. Ob seine Songs bei den Protesten von Fridays For Future gespielt wurden, ist allerdings nicht bekannt.

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