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Michael Bully Herbig erzählt von Joseph Vilsmaier

Medien

Mittwoch, 19. Mai 2021 - 16:12 Uhr

von Interview: Cordula Dieckmann, dpa

dpa München. Der Tod als arme Seele, der sich auch mal nach Gesellschaft sehnt - so sieht Michael Bully Herbig seine Rolle in der Komödie „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“.

Michael (Bully) Herbig spielte für Joseph Vilsmaier den Tod. Foto: Tobias Hase/dpa

Die Komödie „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ war das letzte gemeinsame Projekt von Joseph Vilsmaier und Michael Bully Herbig. Dass Vilsmaier während der Dreharbeiten sterbenskrank war, wusste während des Drehs fast niemand.

Umso größer der Schock, als die Schwere seiner Krankheit bekannt wurde und Vilsmaier Anfang 2020 starb, nachdem er bis zuletzt am Film gearbeitet hatte. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erinnert sich Herbig an diese besonderen Dreharbeiten. Er erzählt, warum er seinen guten Freund so vermisst und was ein Eisbecher damit zu tun hat. Zu sehen ist der Film seit Freitag (14. Mai) bei Amazon Prime.

Frage: Wussten Sie während des Drehs, dass Joseph Vilsmaier schwer krank war und bald sterben würde?

Antwort: Wenn wir das gewusst hätten, wären wir befangener gewesen. Diese Leichtigkeit, mit der wir durch diesen Dreh gegangen sind, der Spaß und diese Freude daran, mit dem Thema Tod umzugehen - das wäre ganz anders gewesen, wenn Joseph uns gesagt hätte, dass es ihm nicht so gut geht und dass er nicht mehr so viel Zeit hat. Es war eine wunderbare Zeit, er hat das durchgerockt.

Frage: Hat er sich nie etwas anmerken lassen?

Antwort: Es gab einen Moment in der Vorbereitung, bei dem ich stutzig wurde. Er wurde einmal kurz wehmütig und hat unter vier Augen gesagt, „Bully, du musst mir versprechen, wenn mit mir was sein sollte beim Dreh, dann musst du den Film fertig machen“. Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen soll, hab' ihn dann einfach in den Arm genommen und gesagt, „Hör auf, das machst du schon!“. Ich habe es gedanklich so verortet: Er ist 80 und es kann ja immer irgendwas sein.

Frage: Was bedeutet Ihnen dieser Film?

Antwort: Der Film wird für den Rest meines Lebens unvergesslich bleiben, weil das was ganz Außergewöhnliches war. Die Konstellation, das Emotionale, das Zusammenwachsen mit Joseph - das hat sich in den letzten anderthalb, zwei Jahren massiv gefestigt und es wurde sehr familiär.

Frage: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Vilsmaier beschreiben?

Antwort: Das war eine tolle Zweisamkeit, eine Herzlichkeit, das hatte etwas total Familiäres. Es hätte mich nicht gewundert, wenn mir irgendwann ein „Papa“ rausgerutscht wäre, insofern kriegt dieser Film einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.

Frage: Was vermissen Sie?

Antwort: Ich habe mit dem Joseph gerne eine Zigarre gepooft oder wir haben Eis gegessen. Ich war so froh, dass ich jemanden gefunden habe, der mit mir abends ein Eis isst. Es gab „Birne Helene“ oder „Heiße Liebe“. Ich war auch schon an seinem Grab mit einer Zigarre und habe mich mit ihm unterhalten. Er hat einen Platz in meinem Herzen. Ich habe bewundert, mit welcher Energie er mit seinen 80 Jahren Filme gemacht hat. Und er konnte so herrlich schimpfen. Ich vermisse ihn als Freund und als Filmemacher. Trotzdem habe ich immer noch so ein Gefühl, als ob er noch da wäre, das ist auch schön.

Frage: Inwieweit hat bei Vilsmaier sein eigener, nahender Tod eine Rolle gespielt, als er den Film gedreht hat?

Antwort: Ich glaube, dass er sich natürlich mit dem Thema beschäftigt hat. Er hat immer gesagt, wenn er nicht mehr drehen kann, dann will er nicht mehr. Letztendlich wollte er die Premiere noch erleben. Das hat er nicht geschafft. Aber er hat zumindest den fertigen Film im Feinschnitt gesehen. Das war auch der Moment, wo er losgelassen hat, weil er wusste, das ist sein letztes Baby und damit ist er happy.

Frage: Der Film hat eine tröstliche Botschaft - immerhin führt der Weg in den Himmel über die Berge, im Paradies gibt es barocke Kirchen und es wird bairisch gesprochen. Wie gefällt Ihnen dieses Bild?

Antwort: Ich mag die Vorstellung, dass es so ist. Ich habe durch meine Rolle als Boandlkramer in „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ schon vor Jahren die Möglichkeit gehabt, mich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Ich parodiere den Tod nicht, ich interpretiere ihn. So stelle ich ihn mir vor. Das Schöne ist, dass mir keiner sagen kann, so ist es nicht. Das soll mir erst mal einer beweisen.

Frage: Und wie sehen Sie den Tod?

Antwort: In meinen Augen ist der Boandlkramer eine arme Seele, die sich auch mal nach Gesellschaft sehnt. So eine Rolle zu spielen, macht auch Spaß. Da vergisst man, dass man den Tod darstellt, denn die Figur ist auch ein Sympathieträger. Ich glaube, dass Humor ganz stark dabei hilft, mit schwierigen Situationen klarzukommen. Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist schon ein Stück weit die Königsdisziplin - wenn man ein Thema, das jeder gerne verdrängt, in den Mittelpunkt stellt und die Leute damit zum Lachen bringt.

Frage: Können Sie sich vorstellen, dem Boandlkramer noch einen dritten Film zu widmen?

Antwort: Ich war nie ein großer Fan von Fortsetzungen. Aber der Boandlkramer, das ist eine endlose Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes. Das kann man schon noch weitertreiben. Ich mein, der Boandlkramer ist ja nur die bayerische Variante. Es gibt bestimmt eine Variante für den Sachsenhimmel oder den Schwabenhimmel. Vielleicht muss man die alle mal zusammenpacken, dann hat man sowas wie die Avengers!

ZUR PERSON: Mit den Filmparodien „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise - Periode 1“ begeisterte Michael Bully Herbig Millionen Menschen. Auch Filme wie die Fluchtgeschichte „Ballon“ und den Kinderfilm „Wickie und die starken Männer“ hat er inszeniert. Für Joseph Vilsmaier stand er zwei Mal als personifizierter Tod vor der Kamera, für „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ und für „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“. Privat ist über den 53-Jährigen wenig bekannt. Er hat einen Sohn und lebt im Raum München.

© dpa-infocom, dpa:210513-99-582062/2

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