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Midnight Oil: Neue Songs im Kampf für Australiens Indigene

Musik

Donnerstag, 5. November 2020 - 06:13 Uhr

von Von Günther Chalupa, dpa

dpa Sydney. Midnight Oil melden sich wieder lautstark zu Wort. Zu ihren besten Zeiten waren sie vor allem für ihre sozialkritischen Texte bekannt, sangen gegen aktuelle politische Strömungen an. Jetzt haben sie dafür sogar einen Ex-Minister am Mikro.

Versöhnung und eine bessere Zukunft: Midnight Oil legen den Finger auf die Wunden der australischen Geschichte. Foto: Tony Mott/dpa

Eine der bekanntesten Rockbands Australiens ist wieder da. Ein Vierteljahrhundert wurden Midnight Oil („Beds Are Burning“) von ihren Fans gefeiert, ehe sich die Band 2002 offiziell auflöste. Doch die Musik-Rentner fanden 2017 wieder zusammen und gingen erneut auf Tournee. Und jetzt, 18 Jahre nach ihrem bisher letzten Album „Capricornia“, ist im Studio ein neues Werk entstanden.

Eigentlich ist „The Makarrata Project“ ein Mini-Album mit nur sieben Songs, doch das tut der Freude über die Wiederkehr der Down-Under-Rocker keinen Abbruch. Schon der Name der Platte verrät, dass es hochpolitisch wird: „Makarrata“ ist der Sprache der indigenen Bevölkerung Australiens entnommen, gleichbedeutend etwa mit Versöhnung oder Heilung, auch Friedensprozess.

Konkret geht es um Wiedergutmachung, die Australien den Aborigines nach Jahrhunderten der Unterdrückung und Enteignung schuldet. Dazu wurde 2017 die „Uluru-Erklärung der Herzen“ („Uluru Statement From The Heart“) von einer Verfassungskommission unterzeichnet - mit dem Ziel, die Indigenen verfassungsmäßig anzuerkennen.

„Als James Cook vor 250 Jahren landete, begann auch der Raub an Aborigines und Insulanern“, erklärt Midnight-Oil-Frontmann Peter Garrett. „Wir müssen im Versöhnungsprozess den Einsatz erhöhen und die im wegweisenden Uluru-Statement festgehaltenen Ziele weiter verfolgen. Unsere Songs handeln davon, dass wir mit unserer gemeinsamen Geschichte ins Reine kommen und zusammen eine bessere Zukunft schaffen müssen.“

Garrett ist genau der richtige Mann, dieses Anliegen mit Nachdruck zu vertreten. Schließlich ist er nicht nur Sänger, sondern auch Politiker, sogar Ex-Minister - zunächst für Umwelt, Kulturerbe und Kunst (2007-2010), danach für schulische Bildung, Kinder und Jugend (2010-2013).

Einen singenden Ex-Minister - so etwas kann sicherlich nicht jede Band vorweisen. Doch nicht nur der Politiker, auch die Urbevölkerung selbst kommt auf dem Album zu Wort. Neben in Australien bekannten indigenen Musikern der jüngeren Generation wie Jessica Mauboy, Alice Skye oder Troy Cassar-Daley waren auch Altstars wie Kev Carmody, Sammy Butcher und Frank Yamma an der Entstehung des Werks beteiligt.

Auf einem der Songs ist sogar die Stimme des legendären, früh gestorbenen Songwriters und Musikers Gurrumul zu hören, dessen Vornamen traditionsgemäß nach seinem Tod nicht mehr genannt werden soll. Am Ende des Mini-Albums verlesen verschiedene Stars des fünften Kontinents gemeinsam das sogenannte „Uluru Statement From The Heart“.

„Jeder dieser brillanten Musiker, die mit uns zusammengearbeitet haben, hat seine ganz persönliche Interpretation der Songs abgeliefert und mit seinen Ideen zur Entstehung des Albums beigetragen“, sagt Drummer Rob Hirst. Midnight Oil seien vor allem „tief bewegt“ gewesen, als Gurrumuls Familie bis dahin ungehörte Aufnahmen dieses Musikers zur Verfügung stellten. „Ein wahres Highlight“, resümiert Hirst.

© dpa-infocom, dpa:201027-99-100885/3

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