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Boulevard

Miley Cyrus: Cowboyboots statt Abrissbirne

Musik

Freitag, 29. September 2017 - 06:12 Uhr

von Von Lisa Forster, dpa

dpa München. Auf Miley Cyrus' sechstem Album verabschiedet sich die 24-Jährige von ihrem Skandalimage. Doch ganz so harmlos, wie die eingängigen Pop- und Countrystücke beim ersten Hören klingen, sind sie am Ende glücklicherweise doch nicht.

Ganz verträumt: Miley Cyrus auf der Blumenwiese. Foto: Liam Hemsworth

Als Miley Cyrus im Mai die erste Single ihres neuen Albums „Younger Now“ veröffentlichte, atmeten viele Fans der ersten Stunde auf.

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Auf „Malibu“ waren keine elektronischen Experimente mehr zu hören, sondern luftige Gitarrenmelodien und eine schwelgerische Sängerin, die von ihrer neu gefundenen Liebe zu ihrem (Ex-)Freund singt.

„I never would've believed you if three years ago you told me I'd be here writing this song“, singt sie. Im dazugehörigen Video gibt es auch keine Nacktaufnahmen, Einhorn-Kostüme, oder obszönen Gesten mehr, wie man sie in den letzten Jahren von ihr gewöhnt war. Stattdessen tanzt Cyrus am Strand entlang und schließt verträumt die Augen, während eine Meeresbrise ihr Gesicht streichelt.

„Die alte Miley ist wieder da!“, kann man in vielen Kommentaren unter dem neuen Video lesen. Jene alte Miley, die als „Hannah Montana“ formelhafte Popstückchen sang. Sie war die dauergrinsende Disney-Prinzessin - bis sie sich 2013 in einem Befreiungsschlag komplett neu inszenierte, exemplarisch nachzuvollziehen in der Single „Wrecking Ball“, in der sie nackt auf einer Abrissbirne ritt.

Im Vergleich zu solchen Bildern oder Cyrus' letzter Veröffentlichung von 2015 - dem experimentellen Popalbum „Miley Cyrus & Her Dead Petz“, das sie zusammen mit Wayne Coyne von der Rockband The Flaming Lips produzierte und kostenlos ins Internet stellte - wirkt „Younger Now“ geradezu bieder.

Größtenteils handelt es sich um harmlose Popstücke mit Country-Einfluss. Doch die aus Nashville stammende Cyrus zeigt auf „Younger Now“, dass das nichts Schlechtes sein muss: Die Melodien sind nicht nur in „Malibu“, sondern auch der zweiten Single „Younger Now“ und einigen anderen Stücken bezwingend eingängig.

Im Vordergrund steht Cyrus' unverkennbare, leicht näselnde Stimme, die vier Oktaven umfasst. Vor allem in den Tiefen ist sie schön anzuhören. Ansonsten bestimmt das Gitarrenspiel von Produzent und Co-Writer Oren Yoel die Lieder. Dessen Akkorde flirren mal losgelöst durch die Strophen („Malibu“) oder verleihen den Songs eine angenehm erdige Note („Week Without You“, „Thinkin'“).

Musikalisch grenzwertig ist das Duett mit Cyrus' Patentante Dolly Parton, eine nölige Countrynummer („Rainbowland“). Erfreulich aber ist der Text, in dem die Duettpartnerinnen einen Ort besingen, wo alle Menschen ungeachtet ihrer Vorlieben in Frieden zusammenleben können.

Cyrus, die sich in der Vergangenheit als „gender-fluid“ bezeichnete, also sich nicht mit einer geschlechtlichen Identität identifizieren will, zeigt abseits der Musik immer wieder soziales Engagement. Sie gründete Stiftungen, die sozial benachteiligte oder gesellschaftlich ausgegrenzte Menschen unterstützen.

Bei ihrem jüngsten Auftritt bei den „MTV Video Music Awards“ bestanden ihre Background-Tänzer aus einer Gruppe weißhaariger Rentner, die sich in Zeitlupe zur Musik bewegten. Ein bisschen kantig ist Cyrus zum Glück immer noch.

Das bestätigt auch ein zweiter Blick auf ihr Video zu „Malibu“. Das ganze „Zurück-zu-den-Wurzeln“-Gefühl treibt sie dort ein bisschen zu sehr an die Spitze. Etwa, wenn sie sich in einem Wasserfall aalt oder ihr Gesicht mit einem kitschigen Sonnenuntergang doppelbelichtet wird. Auf „Younger Now“ mag Cyrus zu ihren Wurzeln zurückgefunden haben - doch ein ironisches Augenzwinkern für ihr altes Ich hat sie trotzdem noch übrig.


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