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Boulevard

Mit Emma Thompson: „Late Night - Die Show ihres Lebens“

Film

Montag, 26. August 2019 - 11:43 Uhr

von Von Barbara Munker, dpa

dpa Los Angeles. Die Showbiz-Komödie „Late Night - Die Show ihres Lebens“ trumpft mit zwei Frauen auf: Emma Thompson glänzt als zickige TV-Moderatorin, die eine gründliche Veränderung braucht. Mindy Kaling mischt als Quotenfrau ihr Männerteam auf.

Emma Thompson spielt die gefürchtete, erfolgsverwöhnte Chefin Katherine Newbury, die ihre getreuen Untergebenen nicht einmal beim Namen kennt. Foto: eOne Germany

Als vornehme Lady in romantischen Kostümdramen wurde die britische Oscar-Preisträgerin Emma Thompson bekannt. Doch in „Late Night - Die Show ihres Lebens“ darf sie zickig und cool sein.

Mit platinblondem Kurzhaarschnitt macht es die 60-Jährige als despotischer Boss Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“ nach: Thompson verwandelt sich in eine gefürchtete, erfolgsverwöhnte Chefin, die ihre getreuen Untergebenen nicht einmal beim Namen kennt, sie haben Nummern.

Als Moderatorin gibt sie in der nächtlichen Talkshow „Tonight with Katherine Newbury“ seit Jahrzehnten den Ton an. Sie hat den Ruf als Frauenhasserin weg. Die Schreiber ihrer Show sind allesamt männlich. Doch Katherine ist unter Druck. Die Quoten ihrer Show sind gesunken, ein männlicher Konkurrent steht in den Startlöchern. Sie muss ihr Team von Witzeschreibern neu aufmischen. „Reicht auch ein Schwuler?“, fragt ihr engster Berater Brad (Denis O'Hare). Nein, eine Quotenfrau muss her, befiehlt die TV-Powerfrau, eher widerwillig.

So kommt die unerfahrene Molly (Mindy Kaling) unverhofft an ihren Traumjob. Die Freizeit-Komödiantin, die in einer Chemiefabrik arbeitet, stößt zum Autorenteam. Ein Dutzend Männer und Katherine starren die nervöse Newcomerin am ersten Arbeitstag feindselig an. Kaling, die in der Gaunerinnenkomödie „Ocean's 8“ von einer reinen Frauentruppe um Sandra Bullock umgeben war, schlägt sich mit Bravour. Sie muss sich nicht nur als Frau, sondern auch mit dunkler Hautfarbe in der weißen Männerwelt behaupten. „Ich lasse mich nicht ausgrenzen, nur weil keiner hier so aussieht wie ich“, macht sich Molly selbst Mut.

Ihre indische Herkunft sieht man der 40-jährigen Comedy-Schauspielerin („Das Büro“), die auch das Drehbuch für „Late Night - Die Show ihres Lebens“ schrieb, an. Der Film lebt von dem witzigen Gegensatz der beiden Hauptdarstellerinnen. „Sie sind ein bisschen alt und ein bisschen weiß“, sagt Molly ihrer frostigen Chefin mit einem netten Lächeln ins Gesicht.

Sie hat ausgefallene Ideen für dem Image-Wechsel der steifen Katherine Newbury, die nun etwa als „weiße Retterin“ mit einer Kamera auf die Straße zieht und witzige Videos dreht. Vieles ist zum Lachen, aber die Showbiz-Komödie regt zumindest oberflächlich auch zum Nachdenken an. Geschlechterrollen, Mobbing, die #MeToo-Bewegung und Altersdiskriminierung kommen auf den Tisch. Auch Sex am Arbeitsplatz hat die Komödie zu bieten, mit einem umgekehrten Machtspiel. Leinwandveteran John Lithgow (73, „Zeit der Zärtlichkeit“) meistert dabei die (Neben)-Rolle als Katherines Ehemann.

Die Kanadierin Nisha Ganatra, die zuvor an TV-Serien wie „Transparent“ und „Mr. Robot“ mitwirkte, führt mit sicherer Hand Regie. Bei allen Lachern verfällt „Late Night - Die Show ihres Lebens“ nie in derbe Witze, am Ende bleiben die klügeren Dialoge hängen. Das liegt vor allem auch an Thompson und Kaling. Man glaubt es Katherine auf's Wort, wenn sie über Menopause lamentiert und sich fragt, welchen Job sie mit 56 Jahren in Hollywood noch kriegen könnte. Und wenn Molly wieder einmal von einem männlichen Kollegen untergebuttert wird, sieht man Kaling den Frust und die Wut sofort an - als hätte sie das selbst schon einmal in Hollywood erlebt.

Late Night - Die Show ihres Lebens, USA 2019, 100 Min., FSK ab 0, von Nisha Ganatra, mit Emma Thompson, Mindy Kaling, John Lithgow

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