Mit persönlicher Note: „Das weisse Album“ von Haftbefehl

dpa Berlin. Den deutschen Rap und die deutsche Sprache hat er verändert. Das wird Haftbefehl nicht müde zu betonen. Auch sonst ist vieles gleich geblieben auf „Das weisse Album“.

Mit persönlicher Note: „Das weisse Album“ von Haftbefehl

Haftbefehl ist wieder solo unterwegs. Foto: check your head/Universal Music

„Gib mir eine Tonne weiße Ziegelsteine und ich bau ein Iglu. Ich hab‘ mehr Weiß gesehen als ein Eskimo.“ Jeder, der die ersten Zeilen von „Das weisse Album“ hört, wird vom Interpreten gleich in dessen Welt gezogen.

Haftbefehl, der mit bürgerlichem Namen Aykut Anhan heißt, beendet mit seinem fünften Studioalbum eine fünfjährige Schaffenspause, in der kein Solo-Projekt des Rappers erschienen ist.

Die Welt des 34-jährigen Rappers aus Offenbach am Main hat sich gewiss in den vergangenen Jahren stark verändert. Statt selbst mit Drogen zu dealen oder vor der Polizei zu flüchten, geht es in Haftbefehls Texten mittlerweile mehr um teure Uhren und Drogenkonsum.

Das Selbstbewusstsein von „Babo H“ ist jedoch groß geblieben. Wie schon auf seinen vergangenen Werken rühmt sich Haftbefehl damit, dass er seit seinem ersten Studioalbum „Azzlack Stereotyp“ mehr als nur die Deutschrap-Szene verändert hat („Ich hab die Sprache verändert in diesem Land - Mann, f*** Hip-Hop!“). Nicht nur die Tatsache, dass das von ihm oft benutzte Wort „Babo“ (für Vater oder Chef) es 2013 sogar zum Jugendwort des Jahres geschafft hatte, gibt ihm recht.

Mit „Das weisse Album“ hat Deutschrap sein Pendant zu „The Black Album“ von US-Rapper Jay-Z, einem der wohl Größten seiner Zunft. Auf den 14 Tracks zeigt sich Haftbefehl gewohnt aggressiv mit Beats, die einem um die Ohren fliegen. Die Features mit einigen der aktuell angesagtesten deutschen Rappern wie UFO361, Shindy oder Shirin David verdeutlichen, dass hier ganz klar ein hoher Charterfolg einkalkuliert ist.

Mit Part IV, V und VI der 1999-Reihe arbeitet Haftbefehl aber auch weiter Teile seiner kriminellen Vergangenheit auf, die laut eigener Aussage 1999 im Alter von 14 Jahren begonnen hatte. Die persönliche Note der drei Songs sticht aus dem ansonsten weitestgehend auf Krawall gebürsteten Album ebenso heraus wie „Papa war ein Rolling Stone“ (Herumtreiber), für das sich „Hafti“ wiederholt Rapperkumpel Marteria ins Boot geholt hat. Beide verarbeiten darin ihre schwere Jugend und wenden sich dabei direkt an ihren jeweiligen Sohn.

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