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Boulevard

„Out of Play“: Kleiner Film mit großem Ben Affleck

Film

Montag, 20. Juli 2020 - 10:43 Uhr

von Von Christian Fahrenbach, dpa

dpa New York. „Good Will Hunting“, „Gigi“, „Argo“: Die Karriere von Ben Affleck hat genauso viele Höhepunkte wie tiefe Täler erlebt. Im Sportdrama „Out of Play - Der Weg zurück“ darf er eine Rolle spielen, die auch mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun hat.

Ben Affleck spielt einen Basketball-Trainer, der sich selbst im Weg steht. Foto: Richard Foreman/Warner Bros./dpa

Wer einen Film darüber anschaut, wie es ein heruntergekommenes Sportteam an die Spitze schafft, hat bestimmte Erwartungen: Da gibt es den übermütigen Starspieler, der sein Temperament zügeln lernen muss und das unterschätzte Talent, das erst langsam versteht, was Großartiges in ihm steckt.

Da gibt es den entscheidenden Spielzug, verwandelt in Zeitlupe, zu anschwellender Orchestermusik. Und da gibt es die große Motivationsrede während des Spiels, die mitten ins Herz der Spieler und Zuschauer zielt und alles verändert. Auch „Out of Play - Der Weg zurück“ greift einige dieser Elemente auf. Doch eine ungewöhnliche Reihenfolge, überraschende Wendungen und eine deutlich düstere Stimmung brechen mit Erwartungen und versuchen, den Film zu etwas Besonderem zu machen.

Im Mittelpunkt steht Jack Cunningham, einst der Basketball-Starspieler seiner Highschool, der inzwischen ein heruntergekommenes Leben als Malocher auf einer Baustelle führt. Er ist einer, der sich auf dem Weg zur Arbeit den harten Alkohol in den Kaffee mischt, der nach dem Job schon unter der Dusche Dosenbier trinkt und der sich beinahe jeden Abend aus der Kneipe nach Hause helfen lassen muss.

Gespielt wird er von Ben Affleck - und das ist trotz eines manchmal simplen Umgangs mit dem Thema Sucht vielleicht der klügste Spielzug dieses Dramas: Affleck („Good Will Hunting“, „Argo“) verschwindet hier als bulliger Klotz mit traurigen Augen und gerötetem Gesicht in Jacks Leben; seine eigene Vergangenheit als Alkoholsüchtiger geben der Rolle zusätzlich Tiefe.

Eines Tages bittet der ältliche Schulleiter seinen früheren Star, wieder in die Turnhalle zurückzukehren und als Trainer die aktuelle Basketballmannschaft der Schule zu coachen - ein Team, das kaum noch genug Spieler hat, um alle nötigen Positionen zu besetzen. Nach einer erneut durchgesoffenen Nacht nimmt Jack das Angebot an.

Rund um den Court zeigt sich dann die zweite große Stärke des Films von Gavin O'Connor, der schon durch „Warrior“ mit Nick Nolte und Tom Hardy und zwei weiteren Sportfilmen Erfahrungen im Genre gesammelt hat: Die Szenen sind dynamisch und nachvollziehbar, ohne diejenigen Zuschauer zu langweilen, die sich nicht für den Sport interessieren. O'Connor und Drehbuchautor Brad Inglesby sind auch klug genug, es Jack nicht allzu einfach zu machen, beispielsweise wenn dessen Methoden ernüchternd lange nicht bei den Spielern ankommen und wenn er durch seine destruktive Art realistisch oft die Schüler im Stich lässt.

Jack steht sich frustrierend selbst im Weg, aber am Ende ist das dann auch das Besondere an diesem Film. Spannung und Erlösung kommen hier nicht wegen der üblichen Drehbuch-Notwendigkeiten nach 25 und 75 Minuten. Eine kluge Entscheidung ist dabei auch, dass es für Jacks Wut letztlich keine Wiedergutmachung gibt. Der Film verbietet sich die übliche großangelegte Hollywood-Lösung, selbst wenn die letzte Einstellung einen frustrierend kitschigen Sonnenuntergang am Strand Out of Play - Der Weg zurück, USA 2020, 109 Min., FSK ab 12, von Gavin O'Connor, mit Ben Affleck, Janina Gavankar, Brandon Wilson

© dpa-infocom, dpa:200716-99-811467/3

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