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Boulevard

Premiere für Rufus Wainwrights Oper „Hadrian“

Musik

Sonntag, 14. Oktober 2018 - 13:21 Uhr

von Von Manuela Imre, dpa

dpa Toronto. Eine große Liebe zwischen zwei Männern – das ist seltener Stoff für die Opernbühne. Mit viel Freizügigkeit und emotionalen Monologen hat Rufus Wainwrights Oper „Hadrian“ in Toronto Weltpremiere gefeiert.

Rufus Wainwrights Oper „Hadrian“ feierte in Toronto Weltpremiere“. Foto: Andres Kudacki

Verbotene Liebe, Sex, Verrat, Mord – das von Rufus Wainwright komponierte Bühnenwerk „Hadrian“ hat alles, was den Kanon klassischer Opern ausmacht. Und noch ein bisschen mehr: viel nackte Haut und gleichgeschlechtliche Liebesszenen. Mit emotionalen Monologen und expressiver Freizügigkeit behandelt „Hadrian“ ein für die Oper seltenes Thema: Homosexualität. Das Werk des Popmusikers, mit einem Libretto von Daniel MacIvor, hat am späten Samstagabend (Ortszeit) in Torontos Four Seasons Center for Performing Arts Weltpremiere gefeiert.

Die homosexuelle Liebe zwischen einem der mächtigsten Führer der Welt, dem römischen Titularmeister Hadrian (Thomas Hampson), und seinem jüngeren Liebhaber, dem Griechen Antinous (Isaiah Bell), wird von Wainwrights Musik in dramatischen Akten begleitet. Hadrian, der das Römische Reich von 117 bis 138 regierte, vermischt im Bühnenwerk nach dem plötzlichen Tod seines Geliebten Vision und Realität, während er verzweifelt versucht, Sinn in dessen Ertrinken zu finden.

Die Oper, die auf Englisch und auf Latein gesungen wird, sei in vieler Hinsicht ein Novum für die Opernwelt, sagte der aus Deutschland stammende Leiter der Canadian Opera Company (COC), Alexander Neef, vor der Weltpremiere der Deutschen Presseagentur. Für die Operngesellschaft ist „Hadrian“ die erste in Auftrag gegebene Eigen-Inszenierung seit 1999. „Es geht um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern. Das allein ist bereits ungewöhnlich. Auch die Tatsache, dass Libretto und Musik von zwei Männern kreiert wurden, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, ist eine Seltenheit. Aber es ist 2018, und es ist unsere Aufgabe, diese Geschichten zu erzählen“, sagt Neef, der die COC in Toronto seit zehn Jahren leitet.

Die Zuschauer in Toronto – vor dem Kauf der Karten mehrfach auf die sexuelle Freizügigkeit der Inszenierung hingewiesen – schienen bei der Premiere letztendlich stärker von den tiefen Emotionen bewegt, als von den expliziten homoerotischen Liebesszenen schockiert zu sein. Musikalisch untermalte Wainwrights Komposition zwar die emotionale Beziehung der Protagonisten, sprang stilistisch aber stellenweise chaotisch von einem Genre zum nächsten. Neben klassischen Opernmerkmalen flocht der Musiker Elemente aus Jazz oder romantischem Balladen ein, was ansatzweise innovativ klang, grundsätzlich aber die Balance aus der Ruhe brachte.

Hampson und Bell überzeugten bei der gut zweieinhalb stündigen Oper unterdessen als stimmgewaltige und emotionale Liebhaber. Die heimlichen Favoriten des Abends waren aber die weiblichen Nebenrollen Karita Mattila als Plotina und Ambur Braid als Sabina, Hadrians Ehefrau. Sabinas Arien – eine tiefgehende, vielschichtige Darstellung von verletzten Gefühlen einer betrogenen Frau und einer trotzem ungebrochenen Liebe zu Hadrian – sind ein Höhepunkt in Wainwrights Werk.

Für Wainwright ist „Hadrian“ die zweite abendfüllende Oper. Sein erstes Werk „Prima Donna“ wurde 2009 beim Manchester International Festival uraufgeführt. Inspiriert von Marguerite Yourcenars Roman „Memoirs of Hadrian“ hat der Popmusiker die Liebesgeschichte seit gut 20 Jahren als Opernprojekt im Visier, erst durch Neefs Nachhaken sei es zur Verwirklichung gekommen. Einfach sei die über fünf Jahre lange Arbeit an „Hadrian“ nicht gewesen, gab Wainwright zu.

Das bestätigte auch Librettist MacIvor, der sein ursprüngliches Skript so viele Male umgeschrieben hat, „dass ich mich an keine Zahl erinnern kann“. „Aber ähnlich wie für Rufus ist dieses Stück für mich als schwuler Künstler ein Herzenswerk.“ Die Monate vor der Weltaufführung seien für alle intensiv gewesen. „Es gab Tränen. Es gab Geschrei. Es knallten Türen. Es war sehr emotional. Aber ich denke, dass war notwendig, um unser Werk auf eine andere Ebene – und die Opernbühne – zu bringen.“

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