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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 10. Februar 2018: Thomas Ruff

Leute

Samstag, 10. Februar 2018 - 00:11 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Eine Kamera nimmt der weltberühmte Fotograf schon lange nicht mehr in die Hand. Seine Bilder findet Thomas Ruff im Internet - und verfremdet sie.

Thomas Ruff ist einer der zentralen Vertreter der Düsseldorfer Fotoschule. Foto: Federico Gambarini

Seit denr 80er Jahren ist Düsseldorf eines der wichtigsten Zentren für künstlerische Fotografie. Das liegt vor allem an Bernd und Hilla Becher, die an der örtlichen Kunstakademie ganze Künstlergenerationen geprägt haben.

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Zu ihren Schülern gehörte auch Thomas Ruff, der heute 60 Jahre alt wird und dessen Werke auf Auktionen schon lange hohe Preise erzielen. So zahlte 2002 ein belgischer Sammler bereits 66.000 Euro für ein 1992 entstandenes Sternenbild von Ruff - damals ein deutscher Auktionsrekord für ein Foto. Inzwischen haben sich die Preise leicht verdreifacht.

Was hat Thomas Ruff von Bernd und Hilla Becher, die für ihre schwarz-weißen, dokumentarischen „Typographien“ von Fördertürmen oder Hochöfen berühmt sind, mitgenommen? Sicherlich das Arbeiten in Werkgruppen - und anfänglich auch den konkret-dokumentarischen Stil, wie er in den zwischen 1979 und 1983 entstandenen „Interieurs“ zum Tragen kommt.

Das sind in engen Ausschnitten dokumentierte Wohn- und Schlafräume, menschenleer und penibel aufgeräumt: Schwellende Kunstledersessel, Korbmöbel, Kachelöfen, Waschbecken, bunter Teppichboden und der Knick im Sofakissen werden zur überpersönlichen Darstellung eines Menschentyps. „Mir ist klar, dass diese Bilder in 100 Jahren nicht im Kunstmuseum hängen sondern in einer völkerkundlichen Sammlung“, sagt der Künstler.

International berühmt wurde er mit seinen monumentalen Porträts, die zwischen 1981 und 1991 entstanden und von atemberaubender Unmittelbarkeit sind. „Um 1980 - ich war noch Student an der Kunstakademie in Düsseldorf - kam es mir so vor, als ob das Porträt aus der zeitgenössischen Kunst verschwunden wäre, zumindest, was die Minimal und Concept Art anging, meine damaligen Präferenzen. Deshalb wollte ich versuchen, ein zeitgemäßes, minimalistisches Porträt zu entwerfen“, sagte Ruff.

Sie haben etwas Beunruhigendes, diese Porträts, die an riesige Passbilder erinnern, die aber nicht zur Identifizierung taugen und sich zudem jeglicher Psychologisierung, die einen „Blick in die Seele“ des Porträtierten erlauben, verweigern. Reine Dokumentation war noch nie sein Ding.

Schließlich sollte sich Ruff einer „anderen Wirklichkeit“ zuwenden - der Welt des Internets. Dabei dient ihm die permanente Bilderflut als Steinbruch für seine seriellen Verfremdungen. Ein Moment des Innehaltens.

Besonders hohe Wellen schlugen dabei seine „Nudes“. Thomas Ruff hat sich durch die Pornoseiten im Netz geklickt und Momentaufnahmen von Brüsten, Schenkeln und kopulierenden Paaren digital bearbeitet, bis zur Unschärfe verfremdet und monumental vergrößert. Mit Erotik haben diese Arbeiten nichts zu tun, können sie doch als Bild einer entseelten und entmenschlichten Wirklichkeit gelesen werden.

Aus dem Foto-Künstler wird der Foto-Erfinder, aus der Konkretion wird Abstraktion, aus dem Abbild wird Bild - wie in den Serien „Substrat“ (seit 2001) oder „zycles“ (seit 2008), für die Ruff keine Kamera mehr braucht. Immer mehr hat er die Grenzen der Foto-Kunst erweitert und verschoben.

Als Kind wäre Thomas Ruff auch gerne Astronaut geworden, schließlich wurde der Schwarzwälder Foto-Künstler. Aber die Faszination des Weltalls hat ihn nie verlassen.

Für die Serie „ma.r.s.“ hat er NASA-Bilder als Grundlage genommen. Er hat die hochauflösende Schwarz-Weiß-Aufnahmen koloriert und den senkrechten Blickwinkel der Sonden mit Bildbearbeitung angeschrägt. Dadurch sieht der Betrachter die Landschaft wie aus einem Flugzeugfenster. „Es ist wie die Vorwegnahme einer Reise“, sagt Ruff.

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