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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 12. Juni 2020: Otto Schenk

Theater

Freitag, 12. Juni 2020 - 00:12 Uhr

von Von Sandra Walder, dpa

dpa Wien. Er bringt die Menschen vor dem Fernseher zum Lachen, inszeniert an der Met und leitet Theater: Der große Unterhalter und liebevolle „Grantler“ Otto Schenk ist seit über 60 Jahren ein Fixstern der österreichischen Kultur. Leiser treten kann er auch im Alter nicht.

Otto Schenk im Theater in der Josefstadt. Foto: Roland Schlager/APA/dpa

Otto Schenk stand bis kurz vor Beginn der Corona-Krise noch auf der Bühne im Wiener Theater an der Josefstadt. Die Kritiker waren wie üblich begeistert von seinem Auftritt. „Aber man weiß in meinem Alter natürlich nicht, ob man die Mumie feiert oder den talentierten Schauspieler“, scherzte Schenk.

Der spitzbübische Spaßmacher mit Tiefgang ist mit seiner schrulligen Art des grantigen Wieners in Österreich fast zu einem nationalen Heiligtum geworden. Heute feiert der Künstler nun seinen 90. Geburtstag.

Schenk blödelt sich seit Jahrzehnten in die Herzen seines Publikums. Ob auf der Bühne, vor der Kamera oder bei Lesungen: Der Österreicher war sich nie zu schaden, sich selbst dem Gelächter preiszugeben. Dabei bescherte ihm die stillere Arbeit als Opernregisseur eine Weltkarriere: Er inszenierte an allen wichtigen Häusern der Welt - von der New Yorker Met bis zur Mailänder Scala.

An Rente will Schenk, obwohl körperlich gezeichnet, nicht denken. Bei dem Dreh für den im März erschienenen ORF-Fernsehfim „Vier Saiten“, erkrankte er schwer, doch auch das hält ihn nicht auf: „Ich kann nicht anders.“ Produzenten müssten sich nur stärker anstrengen, ihn für weitere Projekte zu überzeugen. „Es wird vielleicht immer schwieriger, mich zu verführen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur schmunzelnd.

Alle Auftritte rund um seinen Geburtstag sind von den Veranstaltern aufgrund der Corona-Pandemie vorerst nur verschoben und nicht abgesagt worden. „Die fürchten natürlich mein Ableben, das möchte ich ihnen noch nicht bieten“, sagte der Vater eines Sohnes. Seine Beliebt- und Bekanntheit bis ins hohe Alter freue ihn sehr. „Das Gespenst Schenk geistert noch herum.“

Die Corona-Zeit verbrachte er gemeinsam mit seiner Frau hauptsächlich in seinem Refugium am Irrsee, einem idyllischen Gewässer im Salzkammergut. Ausgesprochen besorgt zeigte sich der vielfach Ausgezeichnete über die aktuelle Lage der Kultur in Österreich. Die Politik vernachlässige die Branche in der Krise, so Schenk. „Ich weiß nur eines, wenn man die Kultur nicht fördert, geht alles zu Grunde. Wien verliert seinen Glanz.“

Schenk kam 1930 in Wien zur Welt. Seine Jugend war als Sohn eines Vaters jüdischer Herkunft von den Gräueltaten des Nationalsozialismus geprägt. „Der jüdische Humor, der große Überlebensversuch der jüdischen Schicksalsgemeinde, wurde mein Kinderspielzeug“, schrieb Schenk in seinen Memoiren.

Zunächst begann er seinem Vater zuliebe ein Jura-Studium, das er aber schnell wieder abbrach. Erst dann folgte er seiner Leidenschaft: Auf dem Reinhardt Seminar, der bekannten Schauspiel-Schmiede, lernte er sein Handwerk - und seine Frau kennen. Es folgten erste Rollen an Wiener Theatern, zudem trat er als Kabarettist auf. Im Laufe seiner Karriere war Schenk in mehr als 130 Rollen zu sehen. Zwischen 1990 und 2009 spielte er allein 470 Vorstellungen des Dauerbrenners „Othello darf nicht platzen“ in den Wiener Kammerspielen.

Oft arbeitete er auch in Deutschland: An den Münchner Kammerspielen inszenierte er Horváth-Stücke, am Hamburger Schauspielhaus und am Münchner Residenztheater Shakespeare. In der Titelrolle in „Der Bockerer“ trat er unter anderem im Münchner Volkstheater auf. „Die deutschen Ohren sind ganz geschärft für österreichisches Theater.“

Seinen Durchbruch in der Oper feierte er 1962 mit seiner Inszenierung von Bergs „Lulu“ an der Wiener Staatsoper. Es folgten Engagements an allen bedeutenden Häusern der Welt. Opernstar Anna Netrebko schätzt seine „lustige und unkomplizierte Art“. Bekannt wurde er mit seinem nahezu pedantischen, detailverliebten Naturalismus. Seine Inszenierungen durften nie zu modern oder gekünstelt sein.

Fast zehn Jahre lang leitete er bis 1997 das Theater in der Josefstadt. Das Publikum liebte „den Schenk“, der stets skandal- und allürenfrei lebte. „Man muss dankbar sein, dass man überschätzt wird“, so Schenk.

Schon lange tourt er, meist in schwarz gekleidet, erfolgreich mit seinen humoristischen Lesungen durch die Länder. Außerdem diktiert er regelmäßig Bücher, die es in die Bestseller-Listen schaffen.

Im letzten Lebensabschnitt wünscht sich Schenk noch viele gemeinsame Jahre mit seiner Frau Renée. Die beiden heirateten 1956 und sind innigst verbunden. „Die einfachste Aufgabe meines Lebens war es, seit über 60 Jahren in meine Frau verliebt zu sein.“

© dpa-infocom, dpa:200607-99-338302/3

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