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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 16. Juli 2020: Gerd Christian

Leute

Donnerstag, 16. Juli 2020 - 00:12 Uhr

von Von Gudrun Janicke, dpa

dpa Berlin. Seit fast 50 Jahren steht der Schlagersänger Gerd Christian auf der Bühne. Mit einem Lied seines Bruders Holger Biege aus DDR-Zeiten ist er bis heute berühmt in seiner Generation.

Schlagersänger Gerd Christian freut sich schon auf die Zeit nach Corona. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

„Sind Sie nicht der Sänger? Ich höre ihre Musik immer gern!“, fragt ihn ein Passant. Gerd Christian, der gerade in einem Eiscafé in Berlin sitzt, freut sich über die Frage. Eine Frau kommt noch dazu und bittet um ein Handy-Foto.

Der Schlagersänger, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, wird auf der Straße immer noch erkannt - und dankt seinen Fans für die Treue.

Mit dem Schlager „Sag ihr auch“ aus dem Jahr 1979 wurde der in Greifswald geborene Künstler zu DDR-Zeiten über Nacht berühmt. Bis heute ist der Song regelmäßig unter den drei beliebtesten Titeln, wenn Radiosender die Lieblingssongs aus DDR-Zeiten ermitteln. Der Schlager wurde bislang mehr als eine Million Mal verkauft, berichtet der Sänger stolz.

„Es ist schon toll“, sagt Christian, der sich immer noch über die Begegnung mit den Fans freut. Corona-Abstandsregelungen haben gerade noch einen herzlichen Händedruck verhindert. In dem Eiscafé schauen auch ein paar ältere Damen immer wieder an den Tisch herüber. „Ist er es oder ist er es nicht?“ wird leise getuschelt. Er schaut rüber und nickt ein wenig verschwörerisch „Ja“.

Bei Kaffee und Erdbeertorte erzählt der Künstler fröhlich - ohne die Worte all zu sehr auf die Goldwaage zu legen - über seine fast 50 Jahre auf der Bühne. „Solange mich das Publikum sehen und hören will, mache ich weiter und gebe Konzerte.“

Gerade hat er mit seinem seit Jahren verbundenen Autorenteam Andreas Goldmann (Kompositionen) und Heike Fransecky (Text) neue Titel aufgenommen. „Das Doppelalbum „Zeitlos“ erscheint in diesem Monat zum Geburtstag mit Liedern aus meinem Leben“ sagt er. Es ist das zehnte Album seit der Wende.

Erstmals singt er nun zwei Titel, die untrennbar mit seinem Bruder Holger Biege verbunden sind. Der Musiker, Komponist und Sänger starb im April 2018 an den Folgen eines Schlaganfalls. Sein Lied „Sagte mal ein Dichter“ ist heute fast eine Hymne. Das Liebeslied an das Leben ist für die Generation der zu DDR-Zeiten Aufgewachsenen ein Hit. Auch „Reichtum der Welt“ gehörte zum Repertoire von Biege.

„Die Reaktionen bei „Sagte mal ein Dichter“ sind fast immer gleich: Das Publikum ist zu Tränen gerührt, wenn ich es singe“, berichtet Christian. Jeder verbinde damit besondere Emotionen und Erinnerungen. „Viele Zuschauer kennen den Text und singen auch mit“, sagt Christian. Er bekennt, dass auch er sich seiner Gefühle oft nicht erwehren kann: Musik, Text und dann die Erinnerungen an den Bruder. „Auch mir kommen manchmal die Tränen“, bekennt er.

Seinem Bruder Holger hat er auch seinen Hit „Sag ihr auch“ zu verdanken. „Es war ein Geschenk von ihm. Dafür bin ich ihm immer noch dankbar“, sagt Christian, der nach Jahren in der Fritzens Dampferband, wo er mit Nina Hagen und Achim Mentzel sang, mit dem Lied seine Solokarriere startete. Später hatten sich die Brüder eine Zeit lang nichts mehr sagen. „Wir haben uns aber dann wieder versöhnt. Der Tod relativiert alles“, sagt Christian nachdenklich.

Seit vergangenem Jahr ist Christian mit dem Buchautor Wolfgang Martin im Osten Deutschlands unterwegs. Martin stellt seine Biografie „Holger Biege. Sagte mal ein Dichter“ vor und Christian singt dann etwa zehn Lieder aus dem Repertoire von Holger - was er nie zuvor gemacht hat. „Das sind Holgers Titel, ich bleibe weiter Gerd Christian“, betont er. Wegen der Corona-Epidemie gibt es aber derzeit keine Auftritte.

Der 70-Jährige ist ein Mensch mit ansteckender Fröhlichkeit, ohne Allüren, was sofort auffällt. Er mag Bodenständigkeit, wohnt seit Jahren in der gleichen Wohnung im Norden Berlins und meidet große Auftritte. „Ich mag ganz normale Dinge, Gemütlichkeit, habe gern nette Menschen um mich, genieße mein Privatleben“, sagt er.

Bodenhaftung hat er auch durch seine Frau Rosie, mit der er in zwei Jahren Silberhochzeit feiern wird. Sie hält ihm den Rücken frei, organisiert seine Auftritte und sein modisches Bühnenoutfit.

Seine Haare - früher dunkel - sind jetzt schneeweiß. Stolz zeigt er auf seine modische Brille. „Ich werde nun 70, das ist ein Zugeständnis an mein Alter“, lacht er. Der frühere Wasserballer geht heute lieber mit Ehefrau Rosie spazieren.

Und er freut sich schon auf die Zeit nach Corona, wenn wieder Veranstaltungen geplant werden können. Dafür hält er regelmäßig seine Stimme fit. „Auch die Plattenfirma hat bestimmt schon Ideen für eine neue CD“, ist er sich sicher. „Solange mich die Leute hören wollen, singe ich.“

© dpa-infocom, dpa:200713-99-772234/3

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