Promi-Geburtstag vom 18. Mai: Anita Kupsch

Von Von Julia Kilian (Text) und Jens Kalaene (Fotos),

dpa Berlin. In „Praxis Bülowbogen“ spielte sie die schlagfertige Arzthelferin und auch im echten Leben hat Anita Kupsch keine Angst vor Ehrlichkeit. Warum sie über das Ende ihrer Karriere nachdenkt - und woran sie sich gerne erinnert. Ein ziemlich amüsanter Anruf vor ihrem Geburtstag.

Promi-Geburtstag vom 18. Mai: Anita Kupsch

Die Schauspielerin Anita Kupsch feiert am 18. Mai ihren 80. Geburtstag. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Ganz kurz wird es still in der Telefonleitung. In der ARD-Serie „Praxis Bülowbogen“ spielte Anita Kupsch jahrelang die Sprechstundenhilfe Gabi Köhler - und erteilte schon in der ersten Folge Befehle. „Du, kauen is' okay“, sagte sie damals zu einem Mädchen mit Kaugummi. „Aber bitte keeeene Blase, wenn's jeht.“

Fragt man Anita Kupsch heute, wie viel Arzthelferin Gabi in ihr steckt, dann hält sie kurz inne. „Eigentlich gar keine“, sagt die Berlinerin, die am Montag (18. Mai) 80 Jahre alt wird. „Außer dass sie eine Klappe hat. Und die Klappe habe ich auch.“

Wahrscheinlich wurde deshalb lange über Kupsch geschrieben, sie sei eine kesse Berliner Göre. Heute ist sie längst im Rentenalter. Passt das also noch? „Ja, also sagen wir mal: Ich bin ehrlich“, antwortet sie im Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur. „Und manchmal sind die Leute geschockt, das kann ich auch nicht ändern.“

Sie habe mal auf der Bühne gestanden, als jemand gerufen habe: „Lauter!“ Dann habe sie eine neue Zeile in den Text eingeflochten: „Na, es gibt ja jetzt schon ganz billige Hörgeräte.“ Kupsch erinnert sich: „Das musste ich sagen.“ Sie lacht. „So frech war ich immer.“

Auf Fotos von früher sieht man sie mit langen blonden Haaren, später dann mit Kurzhaarschnitt. Sie hat Visagistin gelernt, steht aber seit Jahrzehnten selbst auf Theaterbühnen und vor der Kamera. Sie hatte Rollen in TV-Reihen wie „Okay S.I.R.“ und „Anitas Welt“. Angefangen hat sie als Tänzerin im Kinderballett. Sie ist klein und zierlich.

In der ersten Folge „Praxis Bülowbogen“ gibt es Döner zum Abendessen. Ob sie den gerne isst? „Nein, nie“, erwidert sie. Das habe sie auch damals nur gespielt. „Ich esse nur ganz wenig und einfach. Wenn mich jemand zum Essen einladen würde, würde er billig davon kommen.“

Während des Telefonats lacht Kupsch viel. Sie spricht offen über ihr Leben und eine neue Krebsdiagnose, die sie vor einer Weile bekommen hat. „Ich bin nicht geschockt. Aber warum ich zum dritten Mal?“, sagt Kupsch. Das letzte Mal habe sie nach drei Tagen wieder Theater gespielt, jetzt habe ihr die Ärztin eine Pause verordnet.

„Ich merke, dass es mir ganz gut bekommt, mal nichts zu tun“, sagt sie. Am Anfang sei ihr das schwer gefallen. „Da habe ich dann alles aufgeräumt, die Klamotten aussortiert. Aber jetzt ist mir natürlich etwas langweilig.“ Sie liest derzeit gerne und gießt die Bäume auf der Straße.

Kupsch überlegt, ob sie ganz aufhört mit ihrem Beruf. „Und ich glaube, ich mache es“, sagt sie. „Ich möchte keinen Terminzwang mehr haben.“ Sie habe wirklich viel Kraft in diesen Job investiert. „Und jetzt merke ich, dass meine Kraft langsam nachlässt.“

Geboren wurde Kupsch 1940 in Berlin. In den 1960ern begann sie ihre Schauspielkarriere. Sie arbeitete mit Kollegen wie O.E. Hasse, Helmut Käutner und Rudolf Platte. Sie spielte viel Theater und war im US-Film „Tunnel 28“ („Escape from East Berlin“) von Robert Siodmak zu sehen.

Schlagfertig ist sie bis heute. Bei einem Vorsprechen sei ihr mal gesagt worden, sie solle aufstehen, sich umdrehen und den Rock hochnehmen. „Und da hab' ich nur gesagt: "Am Arsch habe ich kein Talent"“, erzählt Kupsch am Telefon. Die Rolle habe sie bekommen. Sie erzählt auch von ihren Ehen - mit ihrem dritten Mann ist sie nun seit mehr als drei Jahrzehnten zusammen.

Wenn sie von früher erzählt, fallen viele Namen. In „Praxis Bülowbogen“ spielte sie an der Seite von Günter Pfitzmann. „Günter und ich, wir waren ein Ei und ein Klacks“, sagt Kupsch. „Wir haben beide die gleiche Schnauze. Er war auch so ein ehrlicher Mensch. Er hat nie Süßholz geraspelt oder gesagt: "Du musst das so machen."“

„Auch Harald nicht“, sagt sie und fügt dann an: „also Juhnke“. Sie haben „Ein Mann will nach oben“ zusammen gedreht. Eine Szene sei damals vorgezogen worden. „Und ich sagte: "Oh Gott. Harald, kannst Du die auswendig?" "Nee." Wir hingen beide und haben improvisiert.“ Der Regisseur habe später gesagt: „Prima, prima! Gut gespielt. Ich wusste gar nicht, dass die Szene so lang ist.“ „Ja, wir oooch nicht.“

Wer jedenfalls etwas Ablenkung in diesen Tagen sucht, könnte noch mal „Praxis Bülowbogen“ gucken. Schon der Vorspann ist ein Stück deutsche Fernsehgeschichte. Wacklige Luftaufnahmen der Stadt. Eine Frau mit großen Brüsten, ein Mann mit Turban, die Beine einer Prostituierten. Eine beige Arztpraxis. Und über allem die melancholische Titelmusik.

Zuletzt war Kupsch nicht nur viel auf Theaterbühnen, sondern zum Beispiel auch in der Quizsendung „Wer weiß denn sowas?“ zu sehen. „Ich spiele das jetzt immer mit, wenn wir essen“, sagt Kupsch. Sie gewinne immer, obwohl sie keine Ahnung habe. Gefreut hat sie sich zuletzt über die Kopfhörer, mit denen sie nun im Bett Fernsehen kann. Und einen heimlichen Wunsch hat sie noch: Sie hätte gerne wieder eine Katze. Ihr Mann sei davon nicht so begeistert. „Ich komm' einfach damit an“, sagt sie und kichert. „Ich weiß nur noch nicht, wann.“