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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 20. April 2018: John Eliot Gardiner

Musik

Freitag, 20. April 2018 - 00:11 Uhr

von Von Uli Hesse, dpa

dpa London. Vor mehr als 50 Jahren veränderte der Bach-Kenner grundlegend die Art und Weise, wie Alte Musik heute interpretiert wird. Nun wird Sir John Eliot Gardiner 75.

Für John Eliot Gardiner ist Bach der Größte. Foto: Pedro Puente Hoyos/EFE

Seinen 75. Geburtstag feiert der britische Star-Dirigent Sir John Eliot Gardiner natürlich mit einem Bach-Wochenende in Londons Kulturzentrum Barbican - er gilt weltweit als der Experte für den berühmten Thomaskantor Johann Sebastian Bach.

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Eine allerdings etwas verspätete Party: Der von ihm gegründete Monteverdi Choir führt erst vom 15. bis 17. Juni unter seiner Leitung mehrere Kantaten auf.

Geboren am 20. April 1943 in Dorset, wuchs John Eliot Gardiner in der Nähe seines heutigen Bauernhofs auf. „Mein Vater war ein begeisterter Tenor, der auf seinem Pferd und Traktor mit voller Stimme sang“, erinnerte er sich im „Telegraph“. Seine Mutter führte Märchen im Garten auf. Mit 15 begann der Teenager Partituren zu studieren.

Doch erst der 5. März 1964 machte ihn zum leidenschaftlichen Dirigenten: An jenem Donnerstag leitete er Monteverdis Marienvespern von 1610 in der Kapelle des King’s College in Cambridge, wo er Geschichte, Arabisch und mittelalterliches Spanisch studierte. „Ich stellte meinen eigenen Chor zusammen und lehrte ihn, in einer mehrfarbigen, fast opernhaften Weise zu singen“, schilderte er. „Wir haben auch Original-Instrumente verwendet, was damals ungewöhnlich war.“

Der Beginn des Monteverdi Choirs. Und eine Aufführung, die im damals recht eingefahrenen und selbstgefälligen britischen Musikbetrieb einschlug. Denn in den 50ern und 60ern stand die Idee im Vordergrund - so Gardiner im „Guardian“ - „dass man jede Musik im selben Stil singen könnte, vorausgesetzt, es war alles nett und wohlklingend und schön. Als ob das alles wäre, worum es in der Musik geht!“

Seither gilt er als Pionier, der zunächst Bach und Monteverdi, später Mozart, Brahms, Beethoven zu ihrem historisch korrekten Klangbild zurückgeführt hat. Außerdem gründete er mehrere Orchester, war künstlerischer Leiter der Göttinger Händel-Festspiele und ist Präsident des Leipziger Bach-Archivs. Er arbeitet mit weltweit bekannten Orchestern wie dem Londoner Symphonieorchester und dem Bayerischen Rundfunkorchester.

Sein größtes Konzertprojekt war 2000 eine Pilgerreise durch Europa und die USA, auf der er Bachs sämtliche erhaltenen Kantaten in 52 Wochen aufführte, jede Woche in einer anderen Kirche. „Wenn es einen einzigen Komponisten gibt, der über allen anderen steht, ist es Bach“, sagte er danach. Aus dieser intensiven Erfahrung entstand seine Reflexion „Bach. Musik für die Himmelsburg“ (dt. 2016).

Mit seiner manchmal unbeherrschten, arroganten Art am Dirigentenpult eckt er allerdings bei Orchestermusikern leicht an - er selbst gibt zu, dass er eine „Nervensäge“ sein kann, aber verteidigt sich in der „Financial Times“: „Die Art und Weise, wie ein Orchester aufgebaut wird, ist undemokratisch. Jemand muss verantwortlich sein.“ Und wenn die Chemie zwischen Dirigent und Orchester stimme, dann sei das berauschend, verriet er dem „Guardian“. „Wie der beste One-Night-Stand, den Sie je hatten. Aber Sie wissen es nicht, bis Sie anfangen.“

Wenn der Experte für Alte Musik nicht gerade den Taktstock schwingt, kümmert er sich um 130 Rinder und 200 Hektar Acker und Wald im Südwesten Englands in Dorset. „Musik und Landwirtschaft sind gleich große Stützen - ich könnte das eine nicht ohne das andere tun“, sagt er. Gardiner ist überzeugter Biobauer und mit Prinz Charles befreundet, dessen Farm in der Nähe liegt.

Auch mit über 70 trainiert er noch jeden Tag: „Heben Sie einfach Ihre Arme, so dass sie horizontal mit Ihren Schultern sind und halten Sie sie für drei Stunden in der Stellung - das ist die Länge einer Oper.“ Doch für weniger begabte Musikliebhaber hat er ein Wort des Trostes: „Nicht jeder kann ein Instrument spielen, das ist die traurige Wahrheit. Aber wir können alle mal versuchen, Schlagzeug zu spielen. Schließlich besteht es nur daraus, auf Sachen zu schlagen.“

John Eliot Gardiner: Musik für die Himmelsburg. Übersetzt aus dem Englischen von Richard Barth. 760 Seiten, Hanser Verlag, 34,00 Euro, ISBN 978-3-446-24619-5

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