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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 23. April 2018: Friedrich von Metzler

Banken

Montag, 23. April 2018 - 00:11 Uhr

von Von Jörn Bender, dpa

dpa Frankfurt/Main. Das Geschäft lernte er früh kennen, heute ist er das Gesicht eines jahrhundertealten Bankhauses: Friedrich von Metzler ist weit über Frankfurt hinaus bekannt. Ein „hoffnungsloser Optimist“ wird 75.

Friedrich von Metzler wird 75 Jahre alt. Foto: Fabian Sommer

Als Mäzen will sich Friedrich von Metzler nicht verstanden wissen. Doch die Stadt Frankfurt weiß, was sie an dem Bankier und seinem gleichnamigen Bankhaus hat: Städel, Senckenberg, Universität - sie und viele andere profitieren von großzügigen Spenden.

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„Wir sind Gestalter. Wir gestalten gerne. Wenn wir sehen, dass etwas nötig ist oder etwas prima wäre, dann machen wir gerne mit“, sagte von Metzler, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, der Deutschen Presse-Agentur.

Schon früh ließ Frankfurt dem gebürtigen Dresdner („Ich habe mich immer als waschechter Frankfurter gefühlt“) eine besondere Ehre zuteil werden: „Ich bin bescheiden stolz auf den Ehrenbürger-Titel“, gibt der Jubilar zu. „Als ich mit 61 Jahren Ehrenbürger wurde, fragten mich die Leute: 'Ach, bist Du schon 80?' Das hat mich natürlich gefreut, dass die Stadt so klug ist, mich noch relativ jung in die Pflicht zu nehmen, noch viel für Frankfurt zu tun.“

Die große Bühne sucht von Metzler, den sie in der Bank schlicht „FM“ nennen, allerdings nicht: „Wir wollen nicht angeben mit unserem Geld. Ich bin gemeinsam mit meiner älteren Schwester absolut normal und bescheiden aufgewachsen. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, für Gegenstände wie eine Uhr oder ein Auto viel Geld auszugeben.“

Bürger aus Überzeugung, Bankier aus Tradition: Seit 1674 ist die Familie im Geschäft, das Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. ist die älteste Privatbank in Deutschland in ununterbrochenem Familienbesitz. Beim Mittagessen habe sein Vater oft von der Bank erzählt, erinnert sich der Jubilar. „Besonders aufschlussreich war es, wenn er sich über etwas geärgert hatte, da hat man besonders viel gelernt.“

Nach der Schule huschte der junge Friedrich von Metzler über die mit dicken Teppichen bedeckten Flure, vorbei an Biedermeiermöbeln und Ölgemälden mit den Porträts seiner Vorfahren. „Wir haben ja im 6. Stock der Bank gewohnt, und wenn ich aus der Schule kam, bin ich oft in die Büros gegangen. Da bin ich zu meinem Onkel, meiner Tante, meinem Vater gegangen, aber auch zu den Nicht-Familienmitgliedern, und habe mir erklären lassen, was sie machen“, erinnert er sich.

Auch den Wirtschaftsteil der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ habe er schon als Gymnasiast „mit großer Freude und großem Interesse“ gelesen. „Ich wusste deswegen schon in der Schule, dass ich eine große Freude haben würde, später mal in der Bank zu arbeiten.“ Heute sagt von Metzler über sich selbst: „Ich bin einseitig. Mein Hobby ist die Wirtschaft, ganz generell die Wirtschaft.“

Ausgebildet in den 1960er Jahren überwiegend bei Investment- und Kreditbanken in Großbritannien, den USA und Frankreich, tritt von Metzler 1969 in das Bankhaus Metzler ein und wird 1971 persönlich haftender Gesellschafter des Instituts, das sein Geschäft unter anderem in der privaten Vermögensverwaltung und dem Pensionsmanagement für Unternehmen macht.

Ebenso leidenschaftlich wie Kultur und soziale Projekte - etwa Stipendien für arbeitsuchende Akademiker aus Südeuropa über die Metzler-Stiftung - fördert die Familie den Finanzplatz Frankfurt. In den 1980er und 1990er Jahren ist Friedrich von Metzler maßgeblich beteiligt an der Umwandlung der Frankfurter Wertpapierbörse in die Deutsche Börse AG, später sitzt er lange im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns.

Abgeschottet haben sich von Metzler und seine Frau Sylvia auch nicht nach der Entführung und Ermordung ihres jüngsten Sohnes Jakob (11) im Herbst 2002. Viele bewundern die Würde, mit der die Bankiersfamilie das durch diverse Klagen des Kindermörders immer wieder aufgewühlte Leid erträgt. Öffentlich äußert sich die Familie bis heute nicht zu dem Verbrechen. Ein persönliches Anliegen jedoch war ihr die zum zehnten Jahrestag ausgestrahlte ZDF-Verfilmung „Der Fall Jakob von Metzler“: Um zu zeigen, wie sehr sich die Polizei eingesetzt hat - auch mit einer umstrittenen Folterdrohung gegen den Mörder.

Wo immer er heute auftritt, sieht man Friedrich von Metzler fröhlich lächeln. Ein Kaufmann, der sich als „Menschenfreund“ beschreibt, gut zuhören kann, gerne lacht und genießt - zum Beispiel den hauseigenen „Metzler-Rauchtee“ aus einer Goldrandtasse mit aufgeprägtem „M“.

Woher er seine Lebensenergie nimmt, ist für ihn leicht zu beantworten: „Das Wichtigste im Leben sind Frau, Kinder und Beruf. Wenn das alles stimmt, dann ergibt sich auch die Kraft.“ Verheiratet ist das Paar seit 1984. „Unsere Ehe ist sehr glücklich, weil wir so unterschiedlich sind“, analysiert von Metzler, der sich als „völlig unsportlich“ bezeichnet. „Meine Frau Sylvia ist sehr sportlich und ein großer Eintracht-Frankfurt-Fan. Ich sage: Es ist gut für Frankfurt und auch für mich, dass die Eintracht erfolgreich ist. Aber ich sehe mir nicht die Spiele an, ich will nur das Ergebnis wissen.“

Aus dem Tagesgeschäft in der Bank hat er sich bereits vor Jahren zurückgezogen, auch Sohn und Tochter arbeiten mittlerweile im Bankhaus Metzler. „Wenn ich morgen nicht mehr da bin, läuft die Bank normal weiter“, sagt der Jubilar. An Ruhestand mag er dennoch nicht denken: „Dafür fehlt mir die Phantasie.“

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