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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 26. April 2018: Josef Bierbichler

Theater

Donnerstag, 26. April 2018 - 00:11 Uhr

von Von Cordula Dieckmann, dpa

dpa München. Diesen Schauspieler kennt man nicht von den Gesellschaftsseiten der Hochglanzmagazine. Er hält nichts von großen Auftritten und widmet sich lieber voll und ganz seiner Kunst. Vielleicht ein Grund, warum seine Rollen immer besonders sind.

Der Schauspieler Josef Bierbichler lässt sich nicht verbiegen. Jetzt wird er 70. Foto: Jörg Carstensen

Josef Bierbichler ist einer dieser Schauspieler, die man selten auf dem roten Teppich trifft. Dabei hätte er allen Grund, im Scheinwerferlicht zu stehen, gilt er doch als einer der besten Theater- und Filmdarsteller in Deutschland.

Eigenwillig, kantig, mit emotionaler Wucht und gleichzeitig leise, verletzlich und poetisch - seine Bandbreite ist enorm, sein Spiel oft minimalistisch und dennoch von großer Präsenz. Als Meister in der Kunst des Weglassens wirke Bierbichler wie ein Solitär unter den vielen Fremd- und Selbstdarstellern auf deutschsprachigen Bühnen, urteilte deshalb auch 2008 die Jury des Theaterpreises Berlin. Am 26. April wird der Grimme-Preisträger nun 70 Jahre alt.

Wer Bierbichler finden will, muss ins Theater gehen oder aktuell ins Kino, wo Ende März das Familiendrama „Zwei Herren im Anzug“ anlief. Er hat die literarische Vorlage, den Roman „Mittelreich“ geschrieben, Regie geführt und selbst mit seinem Sohn Simon Donatz die Hauptrollen übernommen, als Vater und Sohn. Er erzählt über mehrere Generationen das Schicksal einer Bauern- und Wirtsfamilie an einem See - eine ähnliche Konstellation wie bei Bierbichler selbst, wuchs er doch in Ambach am Starnberger See auf, wo der Familie bis heute das idyllisch gelegene beliebte Ausflugslokal „Zum Fischmeister„ gehört. Doch wenn überhaupt trägt der Film nur autobiografische Züge. Es sei nicht die eigene Familiengeschichte, stellte er zum Kinostart klar. „Aber das Material, bei dem ich mich bedienen hab können, kommt natürlich aus dem Raum, den ich kenne, in dem ich aufgewachsen bin.“

Mit 13 kam er einige Zeit in ein katholisches Internat im schwäbischen Donauwörth. Später besuchte er eine Hotelfachschule und trat als Laiendarsteller bei einem Bauerntheater am Starnberger See auf. Anfang der 1970er Jahre schaffte er es an die renommierte Münchner Otto-Falckenberg-Schule für Schauspiel. Danach spielte er an vielen großen Bühnen in Hamburg, Berlin, Wien und an den Münchner Kammerspielen, wo er sich 2005 mit einem Brief verabschiedete. „Ich habe keine Lust mehr auf das, worauf ich 30 Jahre Lust hatte, in einem Stück eine Rolle spielen“, schrieb er damals.

Eine Entscheidung, von der er aber wieder abrückte. So stand er 2006 bereits wieder auf der Berliner Schaubühne, mit dem Stück „Holzschlachten. Ein Stück Arbeit“, in dem er Interviews des KZ-Arztes Hans Münch und Monologe des Autors Florian List verarbeitete. Doch Bierbichler machte mit seinem Brief klar, dass er selbst entschied über seine Laufbahn, auch weil er durch das Familienerbe finanziell unabhängig war. „Das war immer mein Rückhalt. Ich habe viele Sachen nicht machen müssen, nur um Geld zu verdienen“, erklärt er. „Ich war nicht gezwungen, auf dem Rummelplatz der medialen Unterhaltung die geistigen Peepshows zu bedienen. Das Glück haben viele andere nicht.“

Wichtig und prägend waren für ihn seine Arbeiten mit dem Dramatiker und Künstler Herbert Achternbusch. Viele Projekte für Theater und Film entstanden, darunter „Bierkampf“ oder „Heilt Hitler“. Für das Kino arbeitete er mit Regisseuren wie Werner Herzog („Herz aus Glas“), Caroline Link („Im Winter ein Jahr“), Hans Steinbichler („Winterreise“) oder Michael Haneke („Das weiße Band“) zusammen.

Auch für das Fernsehen drehte Bierbichler, etwa den ZDF-Sechsteiler „Verbrechen“ nach dem Bestseller des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach. Eine wirklich gute Meinung hat er jedoch nicht über dieses Medium. Als „Verdummungsfabrik“ verdammte er es mal in einem Interview. „Unterhaltung in einer Zeit, in der der Klimawandel das Ende der menschlichen Existenz bedeuten kann, ist Prüderie. Man kleistert dem Publikum mit Unterhaltungszeug Augen und Hirne zu, damit es nicht sieht, was es ununterbrochen anschauen müsste. Und das Publikum ist meist auch noch froh drum“, formulierte er es kürzlich. „Prüde ist, wer die Wahrheit nicht will. Mediale Unterhaltung ist organisiertes Verdrängen der Wirklichkeit.“

Zufrieden, so scheint es, ist Bierbichler vor allem in der Einsamkeit der Natur, etwa wenn er Holz aus dem eigenen Wald hackt. „Ich möchte noch einmal mit mir allein ich selbst sein und das geht - wie der Klang schon andeutet, nur allein“, sagte er mal in einem Filmporträt des Bayerischen Rundfunks. Und doch: Die völlige Einsamkeit muss es nicht sein. Heimat sei für ihn etwas, „wo ich mit Leuten bin, mit denen ich mich einigermaßen aufgehoben fühle“.

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