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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 26. September: Peter Turrini

Leute

Donnerstag, 26. September 2019 - 00:07 Uhr

von Von Fabian Nitschmann, dpa

dpa Wien. Die rechtskonservative Regierung in Österreich war ihm ein Graus und auch sonst fand Peter Turrini in der Gesellschaft viel zu kritisieren. Das Ergebnis sind zahlreiche bedeutende Bühnenstücke, noch immer werden es mehr. Nun wird Turrini 75 Jahre alt.

Der österreichische Autor Peter Turrini wird 75 Jahre alt. Foto: Norbert Försterling

Peter Turrini muss seine Meinung sagen. „Offensichtlich halte ich die Welt nicht aus, ohne sie in Theaterfantasien zu verwandeln“, sagte der Schriftsteller einmal. Seine Kritik an Gesellschaft und Politik äußerte er dann in der Regel drastisch, deutlich, unüberhörbar.

„Zu viel verschluckte Luft schadet der Demokratie“, erklärte er vor rund einem Jahr bei seiner bis dato letzten großen, öffentlichen Rede. Am Donnerstag (26. September) wird Turrini 75 Jahre alt - und hat noch immer neue Ideen für die Bühne.

Denn sein „theatralischer Fieberkopf“ funktioniere weiterhin bestens, teilte er der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seinem Geburtstag mit. „Im April nächsten Jahres gibt es eine Uraufführung im Theater in der Josefstadt mit dem Titel "Gemeinsam ist Alzheimer schöner" und für das Gärtnerplatztheater in München habe ich ein Libretto geschrieben“, berichtete der Schriftsteller.

„Er ist ein Vollbut-Schriftsteller, der wahrscheinlich bis zum Umfallen ein literarisches Projekt im Kopf haben wird“, sagt auch Christine Rigler. Sie hat pünktlich zum 75. des Dramatikers eine neue Biografie über ihn veröffentlicht und verwaltet zudem seinen Vorlass. „Er schreibt wie ein Wilder.“ Seine Stoffe habe sich Turrini immer aus der Gesellschaft geholt. „Die gesellschaftliche Relevanz ist für ihn wesentlich“, glaubt Rigler.

Während sich Turrini früher in regelmäßigen Abständen zur politischen und gesellschaftlichen Lage äußerte, lebt er inzwischen etwas zurückgezogen. Zum 100. Republikjubiläum in Österreich ergriff er zuletzt öffentlich das Wort - und nahm sich dabei die ÖVP-FPÖ-Regierung von Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ordentlich zur Brust. „Diese Regierung nimmt den Schwächeren und gibt den Reicheren“, konstatierte Turrini - und legte noch einen drauf: „Diese Regierung ist politisch fantasielos und frei von Moral.“

Mit seinen klaren Worten mischt der Sohn eines italienischen Kunsttischlers und eines steirischen Kindermädchens bereits seit mehr als vier Jahrzehnten die Kulturszene des deutschsprachigen Raums auf. Ohne diplomatische Umschweife machte er von Beginn seiner Karriere an auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam. In „Rozznjogd“, das ihm 1971 zum Durchbruch verhalf, ließ er zwei Stadtmenschen auf eine Müllhalde fliehen. Das Paar befreit sich von allen gesellschaftlichen Zwängen und wird zum Opfer von Rattenjägern.

Mit dem Passionsspiel „Tod und Teufel“ erzürnte Turrini das christlich-konservative Bürgertum, in seiner Rede Ende 2018 richtete er vor allem den Blick auf die Arbeiterklasse, die seiner Ansicht nach von der inzwischen gestürzten Regierung verachtet wurde. Im Laufe der Jahre habe er große Neugier auf die Geschichten, auf die Selbstdarstellung der Menschen entwickelt, sagte Turrini einmal.

Seine Kindheit sei derweil von „Karambolagen“ geprägt gewesen, bekannte Turrini einmal in einem Interview. Sein erstes Geld verdiente er später als Holzfäller und Stahlarbeiter, Werbetexter, Barmann und Hotelmanager. „1967 ergriff Turrini die Flucht aus dem werktätigen Dasein und machte sich auf den Weg in die berüchtigte Hippiekolonie in Lindos auf der griechischen Insel Rhodos“, heißt es in Riglers Biografie. Dort, so schreibt es die Biografin, sei das Stück „Rozznjogd“ entstanden.

In der Folge schrieb Turrini mehr als 30 bedeutende Bühnenwerke, wagte sich aber auch an Stoffe fürs Fernsehen und löste mit den Serien „Alpensaga“ (1974-1979) und „Arbeitersage“ (1984-1990) lebhafte Debatten aus. „Ich glaube, dass er sicher einer der bedeutendsten österreichischen Dramatiker seiner Generation ist - und das auch bleiben wird“, sagt Rigler. Anlässlich des Geburtstags wird der ORF am 23. September das vielgelobte Filmporträt „Peter Turrini - Eine komische Katastrophe“ im Fernsehen zeigen. Bereits die Ankündigung dazu bringt auf den Punkt, wie Turrini in seiner Heimat gesehen wird: „Auch wenn er dies womöglich in Bescheidenheit abwehren würde: er ist eine moralische Instanz der Nation.“

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