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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 27. März 2018: Edgar Selge

Medien

Dienstag, 27. März 2018 - 00:11 Uhr

von Von Georg Etscheit, dpa

dpa Stuttgart/München. Als TV-Kommissar Jürgen Tauber wurde Edgar Selge zu einem der bekanntesten deutschen Fernsehgesichter. Doch er ist viel mehr als ein Serienstar.

Als Kommissar Jürgen Tauber im „Polizeiruf 110“ wurde Edgar Selge Kult. Foto: Tobias Hase

Es ist ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. In seinem umstrittenen Roman „Unterwerfung“ zeichnet der französische Autor Michel Houellebecq das Bild eines von Islamisten beherrschten Frankreichs im Jahr 2022 und spielt ebenso virtuos wie beklemmend mit den Ängsten vieler Menschen in Europa. 

Angst vor Masseneinwanderung und Überfremdung, aber auch vor einer rechten Gegenbewegung. Das Buch wird gerade vom Rundfunk Berlin-Brandenburg verfilmt, mit Edgar Selge in der Hauptrolle des Literaturwissenschaftlers François.

Eine Paraderolle für Selge, der heute 70 Jahre alt wird. Der asketisch wirkende Mime mit der hohen Stirnglatze hat den François schon einmal verkörpert, in einem dreistündigen Monolog am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Dafür wurde er 2016 von der Zeitschrift „Theater heute“ zum „Schauspieler des Jahres“ gewählt und erhielt obendrein den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“. Zwei von zahlreichen Auszeichnungen, die er im Verlauf seiner nun schon mehr als 40 Jahre währenden Karriere eingeheimst hat.

Selge ist ein Stiller, ein Grübler mit Untiefen, ein Tiefschürfer, kein Selbstdarsteller. Einem breiten Publikum bekannt wurde er als einarmiger Fernsehkommissar Jürgen Tauber im „Polizeiruf 110“. Den verkörperte er so überzeugend, dass er noch nach seinem Abschied von dieser Rolle auf der Straße von Leuten angesprochen wurde, die sich darüber freuten, dass er zwei Arme habe, wie er einmal dem „Playboy“ erzählte. Mit seinem asketischen Äußeren mache er „bei aller Lässigkeit eine sehr elegante Figur“, befand das Männermagazin. 

Die Schauspielerei war Selge, Sohn eines Gefängnisdirektors im westfälischen Herford, nicht in die Wiege gelegt. Nach einem Philosophie- und Klavierstudium gelang ihm der Sprung an die renommierte Otto-Falckenberg-Schule in München, die deutsche Theater-Talentschmiede schlechthin.

Sein erstes Engagement führte ihn 1975 ans Berliner Schillertheater, anschließend arbeitete er fast 20 Jahre an den Münchner Kammerspielen unter Regie-Legenden wie Dieter Dorn, Franz Xaver Kroetz, Thomas Langhoff und George Tabori, spielte am Wiener Burgtheater, am Münchner Resi, am Züricher Schauspielhaus und bei den Salzburger Festspielen. Aktuell steht er zusammen mit seiner Frau Franziska Walser, Tochter des Schriftsteller-Granden Martin Walser, beim Schauspiel Stuttgart unter Vertrag. Die beiden hatten sich schon während des Schauspielstudiums kennen und lieben gelernt.

Parallel zu seiner Theaterkarriere begann Selge seine Laufbahn als TV- und Filmdarsteller, war regelmäßiger Gast in Krimiserien wie „Tatort“, „Der Alte“ oder „Derrick“, spielte in Helmut Dietls „Rossini“ und in der Verfilmung von Charlotte Roches Roman „Feuchtgebiete“. Als Tauber im „Polizeiruf“ wurde er Kult und eines der bekanntesten TV-Gesichter der Republik, machte damit jedoch nach 20 Episoden Schluss: „Je mehr ich mit dieser Rolle in der Öffentlichkeit identifiziert wurde, desto wichtiger war es aufzuhören“, bekannte er einmal.

Selge ist ein ausgeprägter Familienmensch. Regie in „Unterwerfung“ führt Titus Selge, Edgars Neffe. In einem Berliner „Tatort“ verkörperte er 2013 einen Entführer; dessen Sohn im Film war sein eigener: Jakob Walser. Und natürlich steht er regelmäßig mit seiner Frau Franziska auf der Bühne. „Ich denke, unser Glücksrezept ist, dass wir gerne miteinander spielen. In jeder Hinsicht. Sowohl im Beruf als auch im Leben“, sagte er in einem Interview mit der „Münchner Abendzeitung“. Dass die beiden großen Darsteller bei gemeinsamen Drehs in getrennten Hotelzimmern schlafen, auch das gehört offenbar ebenfalls dazu.

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