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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 3. März 2018: Gudrun Pausewang

Literatur

Samstag, 3. März 2018 - 00:11 Uhr

von Von Jörn Perske, dpa

dpa Bamberg. „Die Wolke“ - ihr Erfolgsroman aus dem Jahr 1987 über die Gefahren der Kernenergie - erlebte nach dem Reaktorunglück 2011 in Fukushima eine Renaissance. Gudrun Pausewang wurde wieder zur gefragten Gesprächspartnerin. Nun wird die ausgezeichnete Schriftstellerin 90.

Anwältin für Frieden und Umweltschutz - Gudrun Pausewang wird 90. Foto: Arne Dedert

Sie ist eine leidenschaftliche Verfechterin für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz. In ihrem bekanntesten Roman, „Die Wolke“, schrieb Gudrun Pausewang über die Folgen eines fiktiven Atomreaktorunfalls.

Das 1987 - ein Jahr nach der Tschernobyl-Katastrophe - erschienene Jugendbuch wurde ein Riesenerfolg und avancierte zur Lektüre in vielen Schulen. Mehr als 1,5 Millionen Mal wurde es laut Pausewang verkauft und in 16 Sprachen übersetzt. Heute wird die Schriftstellerin 90 Jahre alt.

35 Jahre lebte Pausewang im osthessischen Schlitz, wo sie einen Großteil ihrer Bücher verfasste. Seit einem Sturz vor rund zwei Jahren wohnt Pausewang nun in der Nähe ihres Sohnes, in einem Seniorenheim bei Bamberg in Bayern. Auf ihren 90. Geburtstag freut sich die Jubilarin schon. „Ich feiere mit vielen alten Freunden aus nah und fern. Ich freue mich, sie wiederzusehen.“

Mittlerweile schreibt die Autorin aus Altersgründen nicht mehr. „Mein Erinnerungsvermögen nimmt ab. Ich traue mich nicht mehr“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Das wird sie wohl nicht kalt gelassen haben. Denn 2013 sagte sie in einem Interview der dpa: „Die Schriftstellerei ist kein Job, sondern Leidenschaft.“ Aber immerhin könne sie noch Brieffreundschaften pflegen.

Die Schriftstellerin blickt auf ein eindrucksvolles Gesamtwerk zurück. Sie schrieb nach eigenen Angaben mehr als 100 Bücher. 4,8 Millionen Exemplare seien bisher verkauft worden. Welches besonders prägend war? „Alle meine Bücher sind mir wichtig, weil sie zeigen, wie das Leben wirklich ist. Und weil sie zeigen, wie man sich den Menschen anpasst - oder auch seinen eigenen Weg geht.“ In ihrem letzten Buch („So war es, als ich klein war“, 2016) hielt sie ihre Kindheitserinnerungen fest.

Pausewang hat zahlreiche Preise bekommen. Eine besondere Ehre: Bei der Frankfurter Buchmesse erhielt sie 2017 den mit 12.000 Euro dotierten Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Lebenswerk. Gewürdigt wurde damit ihr vielfältiges und politisches Schaffen. Sie habe unzählige junge Leser darin bestärkt, aktiv die Zukunft mitzugestalten, so die Jury.

Die Geschäftsführerin des Arbeitskreises für Jugendliteratur, Doris Breitmoser, sagte der dpa zu Pausewang: „Dank ihres vielseitigen, literarisch überzeugenden und kontinuierlichen Schaffens ist Pausewang unbenommen eine der ganz großen Jugendbuchautorinnen hierzulande.“ Ihre Bücher verkauften sich auch nach Jahren noch gut.

Das Buch „Die Wolke“, das vor den Gefahren der Atomenergie warnt und 2006 fürs Kino verfilmt wurde, traf damals den Nerv der Zeit. 1988 wurde Pausewang mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 wurde das Thema wieder aktuell. Und Pausewang war wieder eine gefragte Gesprächspartnerin.

Das geplante Ende der Atomenergie ist zwar in Deutschland mittlerweile besiegelt. Aber glücklich und zufrieden ist sie dennoch nicht. Pausewang kritisierte die heutige Generation für ihre Gleichgültigkeit. Die Gesellschaft interessiere sich viel zu wenig für die Umwelt- und Klimaprobleme. „Man kann nur staunen, wie wenig Widerstand da geleistet wird. Es geht doch vor allem um das Wohl unserer Nachkommen.“

Neben „Die Wolke“ verfasste Pausewang noch so bekannte Titel wie „Die Not der Familie Caldera“ und „Die letzten Kinder von Schewenborn“. Nach Fukushima schrieb sie „Noch lange danach“. In den ersten Jahren ihres schriftstellerischen Schaffens beschäftigte sie sich mit Literatur für Erwachsene. Den Großteil ihrer Bücher richtete sie allerdings an Kinder und Jugendliche.

Für die jungen Leser seien Pausewangs Bücher nicht immer leichte Kost, findet Daniel Schnock von der Stiftung Lesen (Mainz). Pausewang stehe auch für Romane, „die mit aktuellen Themen und oft brutalen Szenarien Kindern und Jugendlichen viel zumuten“. Dabei habe die Autorin immer die Perspektive ihrer jungen Leser eingenommen und Probleme unverfälscht und direkt geschildert.

Einige Themen waren für Pausewang, die einige Jahre in Südamerika als Deutsch-Lehrerin unterrichtete, prägend: „Krieg und Frieden“, „die Armut in Südamerika“, „Schutz der Umwelt“ und „Nie mehr Nationalsozialismus“. Über die NS-Epoche sagte sie: „Ich bin noch Zeitzeuge. Mein Vater war ein überzeugter Nazi und ich wurde zum kleinen Nazi erzogen.“

Pausewang verfasste aber auch gern Heiteres. In ihrer Hochzeit, den 1980 und 1990er Jahren, habe sich Pausewang nach Schnocks Einschätzung bewusst „von dem leichten, oft märchenhaften Stil, der Magie, dem Humor und der Abenteuerlust anderer zeitgenössischer Autoren abgegrenzt. „Obwohl ihre Bücher von ernsten Themen dominiert sind und beständig eine gewisse Melancholie mitschwingt, findet sich darin ein spezieller Witz, der immer wieder aufblitzt“, sagte er.

Ihre Manuskripte tippte sie auf einem in die Jahre gekommenen PC. Sie wurden dann aber nicht etwa zum Verlag gemailt, sondern ausgedruckt und auf Diskette gespeichert per Post verschickt. „Ich bin technisch nicht begabt und leiste es mir, auf diesem Gebiet altmodisch zu sein“, beschrieb sie mal ihre Arbeitsweise. Pausewang befürchtet, dass Lesen beim Konkurrenzkampf der Medien als immer unwichtiger empfunden wird. Sie appelliert: „Literatur erlaubt es dem Menschen mehr als alle anderen Medien, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.“

Pausewang bekam als Kind einen prägenden Zugang zu Büchern. Aufgewachsen in kargen Verhältnissen als Ältestes von sechs Kindern im böhmischen Dorf Mladkov (Wichstadtl) lernte sie die Welt nur über Bücher kennen. „Aber ich wusste schnell, dass nicht alle Probleme in einem Happy End aufgehen, dass nicht immer Gut gewinnt und Böse verliert.“ Sie fühlte sich als junge Leserin nicht ernst genommen. Und wollte es später selbst besser machen. „Ich wollte früh Geschichten-Erfinderin werden.“

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