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Boulevard

Promi-Geburtstag vom 4. März 2018: F.W. Bernstein

Literatur

Sonntag, 4. März 2018 - 00:11 Uhr

von Von Thomas Maier, dpa

dpa Frankfurt/Berlin. Ohne den Humor der „Neuen Frankfurter Schule“ würde Deutschland heute anders aussehen. Einer ihrer führenden Figuren war selbst Lehrer und wurde sogar Professor für Komische Kunst. Jetzt wird F.W. Bernstein 80 Jahre alt.

F.W. Bernstein wird 80. Foto: Jan Woitas

Mit seinen Reimen und Cartoons hat er den Humor ins muffige Nachkriegsdeutschland gebracht. F.W. Bernstein gehört als Zeichner und Lyriker zur seltenen Spezies der Universaltalente.

Mit seinen Weggefährten Robert Gernhardt und F. K. Waechter hat er in Frankfurt Mitte der 60er Jahre eine legendäre Kolumne in der Satirezeitschrift „pardon“ bestritten - und einer Generation eine neue Form von Witz, Nonsens und Ironie beigebracht. Heute wird der Schwabe, der mit bürgerlichem Namen Fritz Weigle heißt und seit langem in Berlin lebt, 80 Jahre alt.

In Göppingen geboren und aufgewachsen, studierte Bernstein an der Kunstakademie in Stuttgart und der Hochschule der Künste in Berlin. 1964 wurde er „pardon“-Redakteur und kultivierte dort im „Welt im Spiegel“ (WimS) den Nonsens in Wort und Bild - mit dem Untertitel „Unabhängige Zeitung für eine sauberere Welt“. Mit Gernhardt und Waechter begründete er die „Neue Frankfurter Schule“, wie sich die Komiker-Avantgarde in Anlehnung an die alte Frankfurter Schule der Philosophie-Päpste um Adorno und Horkheimer nannte.

Bernstein, der ein kaum übersehbares zeichnerisches Werk geschaffen hat, ist vor allem mit seinen „Wimmelbildern“ bekannt geworden. Mit einem Zweizeiler wurde er auch geistiger Vater des Elchs. Der Spruch „Die schärfsten Kritiker der Elche/waren früher selber welche“ ist Kult. Der Elch - das Wappentier der „Neuen Frankfurter Schule“ - steht heute als Skulptur vor dem Caricatura-Museum in Frankfurt.

„Aus dem Humor, der darin besteht, dass man trotzdem lacht, und dem Lachen, das im Halse stecken bleiben soll, wurde eine mehrschichtige Form von Unsinn“, hat es dialektisch treffend im vergangenen Jahr in der „FAZ“ Bernd Eilert formuliert, der als Autor auch zur „Neuen Frankfurter Schule“ gehört. Oder um es mit einem weiteren Reim von Bernstein zu sagen: „Der letzte Sinn - da geht er hin. Sinnverlust ist Lustgewinn.“

Als parodistischer Verse-Schmied greift Bernstein auf ein großes Repertoire zu - vom Zweizeiler bis zu den von den großen deutschen Klassikern beeinflussten Balladen. Er hat immer Wert darauf gelegt, dass sich Gedichte reimen. Mit seinem Freund Gernhardt, der heute zu den bedeutendsten Autoren der Nachkriegszeit gezählt wird, widmete er sich besonders dem Sonett.

Vor einem Jahr hat Bernstein nochmals einen neuen Band mit „Frischen Gedichten“ im Verlag Antje Kunstmann vorgelegt. Als einziger der Künstlergruppe hat er es zu professoralen Würden geschafft. Der studierte Lehrer wurde 1984 in Berlin auf die bis dahin einzige Professor für Komische Kunst und Bildgeschichte berufen.

Als Pädagoge hat sich Bernstein auch immer bemüht, die Cartoon-Kunst und Grafik öffentlich zu fördern. In Kassel gehörte er zu den Gründern des Vereins Caricatura, der sich seit 1984 um die Satire mit vielen Ausstellungen verdient gemacht. Das vor zehn Jahren eröffnete Frankfurter Caricatura-Museum besitzt in seiner Sammlung mehr als 3000 Arbeiten von Bernstein.

Nach dem Tod von Waechter (2005) und Gernhardt (2006) ist der stets bescheiden auftretende F.W. Bernstein der letzte Überlebende des „WimS“-Dreigestirns. Am 14. März - zehn Tage nach seinem Geburtstag - erhält er in Hanau den Ludwig-Emil-Grimm-Preis.

Die Auszeichnung, die mit einer Ausstellung von Bernsteins Werken auf Schloss Philippsruhe verknüpft ist, erinnert an den kleinen Bruder der aus Hanau stammenden Märchensammler. Der jüngste der Grimms war im 19. Jahrhundert ein bedeutender Zeichner und Karikaturist.

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