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Boulevard

Rau und erdig: Debüt von Mattiel

Musik

Montag, 23. Juli 2018 - 06:11 Uhr

von Von Wolfgang Marx, dpa

dpa Berlin. Mattiel Brown wuchs auf dem Land mit der Musik der 60er Jahre auf - in dem Jahrzehnt sind auch die Songs ihres Debütalbums verwurzelt. Ihr Sound? Viele Ecken und Kanten.

Mattiel Brown mag einen rauen Sound. Foto: Heavenly Recordings/[PIAS] Cooperative

Mattiel Brown ist zwischen Pferden, Hühnern und einem Gemüsegarten auf einer Farm in Georgia aufgewachsen. Ihre musikalische Sozialisation erfuhr sie durch die recht überschaubare Plattensammlung ihrer Mutter: Donovan, Joan Baez und Peter, Paul und Mary - die 60er.

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Die Singer-Songwriter-Folk-Wurzeln schwingen ganz tief im Untergrund noch ein wenig mit, aber mit ruraler Country-Seeligkeit haben die Songs von Mattiels selbstbetiteltem Debütalbum auf keinen Fall etwas zu tun. Erdig sind sie, rau und schmutzig - mitreißend, packend und kraftvoll.

Der Schmirgel-Blues von Jack White und die Strokes klingen an, kernige Ausflüge zum Punk, Soul und die Girlgroup-Power der 60er Jahre geben dem Album einen krachig-eleganten Retro-Touch, der sich aber niemals in Nostalgie verliert, sondern im Hier und Jetzt verankert ist.

Dabei klingt die Stimme von Mattiel Brown, als sei sie in dem Opener „Whites of Their Eyes“ durch ein altes Röhrenradio gejagt worden, während kraftvolle Drums den Rhythmus-Teppich knüpfen, über dem die Gitarre tanzt.

Randy Michael und Jonah Swilley, umtriebige Multiinstrumentalisten, Songwriter und Produzenten aus der Atlanta-Szene, wo Mattiel Brown inzwischen gelandet ist, sind maßgeblich für den abgespeckten Sound verantwortlich, der den rauen Charme von Live-Aufnahmen hat. Und ein Song wie „Send It Over“ ist gar so sparsam und zurückhaltend instrumentiert, dass einen die ganze kraftvolle Wucht der Sängerin wie ein Keulenschlag trifft.

Mit Lalala, feinem Bläsersatz und Orgelsound ist „Baby Brother“ ein feiner Ausflug in der 60er-Soul, „Cass Tech“ lässt Erinnerungen an Nancy Sinatra oder auch Françoise Hardy wach werden und bei „Just A Name“ darf die Seele weinen.

Wen es in diesem sonnigen Sommer zur Abwechslung auch mal in einen schwitzigen Club zieht, kann sich vorher mit Mattiel zusätzlich warm machen. Und immer wieder beschleicht einen das Gefühl, dass die 12 Songs auch perfekt zu einem Quentin-Tarantino-Film passen würden.

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