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Boulevard

Regisseur J.A. Bayona über Stil, Dramaturgie und Blut

Film

Mittwoch, 6. Juni 2018 - 12:51 Uhr

von Interview: Philip Dethlefs, dpa

dpa London. 25 Jahre nach „Jurassic Park“ setzt der spanische Regisseur J.A. Bayona in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ auf eine umgekehrte Dramaturgie: erst Bombast, dann Spannung. Das letzte Wort bei allen kreativen Fragen hatte laut Bayona aber Steven Spielberg.

J.A. Bayona wollte mal einen großen Unterhaltungsfilm drehen. Foto: Susanna Saez/EFE

Mit dem Horrorfilm „Das Waisenhaus“ macht sich J.A. Bayona als Regisseur einen Namen. Das Dinosaurier-Spektakel „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ ist der erste Hollywood-Blockbuster des Spaniers.

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Im dpa-Interview spricht Bayona über kreatives Teamwork, Stilfragen und sein Vorbild Steven Spielberg. Und er reagiert auf die Kritik, sein Film sei besonders brutal geraten.

Frage: Wie schwer war es für Sie, in ein bestehendes Franchise wie „Jurassic Park“ einzusteigen?

Antwort: Ich glaube, die größte Herausforderung ist es immer, einen eigenen Dreh zu finden. Das ist schon der fünfte „Jurassic Park“-Film und der zweite „Jurassic World“-Film. Aber Colin Trevorrow (Regisseur von „Jurassic World“ und Drehbuchautor von „Jurassic World: Das gefallene Königreich“) hat mir sehr früh eine Story geschickt, die ich spannend fand. Dass wir die Insel nach der ersten Hälfte des Films zerstören, ist wie ein Statement: Vergesst die Vergangenheit, lasst uns in die Zukunft schauen. Die Zukunft ist wirklich aufregend.

Frage: In der Mitte des Films wird es so bombastisch, dass man das Gefühl hat, am Ende eines großen Blockbusters angelangt zu sein. War das nicht ein bisschen gewagt?

Antwort: Ja, das stimmt. Ich glaube, unser Film beginnt, wo alle anderen Blockbuster aufhören. Aber ich glaube, das macht den Film so besonders. Wir liefern am Ende der ersten Hälfte alles, was die Leute von so einem Film erwarten: Es gibt ein riesiges Feuerwerk, so viele Dinosaurier haben sie noch nie in einer Szene gesehen. Doch wenn das vorbei ist, dann kann man es auch nicht mehr toppen. Also baut man die Spannung anders auf. Und das finde ich sehr interessant.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Colin Trevorrow, der beim ersten Film Regie geführt hat? Ich kann mir vorstellen, dass man da auch mal aneinander gerät wegen kreativer Differenzen ...

Antwort: Wir haben die ganze Zeit sehr eng zusammengearbeitet. Mir hat seine Geschichte sofort gefallen. Wir haben viele Ideen gemeinsam entwickelt und uns die ganze Zeit sehr gut verstanden. Kreative Differenzen gab es nicht. Das liegt auch daran, dass alle Filme von Steven Spielberg betreut werden. Er hat das letzte Wort bei allen Entscheidungen. Das Ganze ist eine Kollaboration verschiedener Filmemacher, nicht nur mit Colin, sondern auch mit Steven und Frank Marshall, einem unserer Produzenten, der auch selbst Regisseur ist.

Frage: „Jurassic World“ ist großes Unterhaltungskino. Wie wohl fühlen Sie sich in diesem Genre? Schließlich kommen Sie aus einer anderen Richtung.

Antwort: Ich komme aus einer ganz anderen Richtung. Die Filme, die ich vorher gemacht habe, waren eher Dramen, intensive Dramen. Aber genau deshalb wollte ich mal einen großen Unterhaltungsfilm machen, und es hat mir großen Spaß gemacht. Ich bin mit Steven Spielbergs Filmen aufgewachsen und hatte einfach Lust, so einen Film zu machen.

Frage: Gerade in der zweiten Hälfte von „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ fühlt man sich stilistisch sehr an Ihren Film „Das Waisenhaus“ erinnert ...

Antwort: Journalisten sprechen viel über den Stil. Aber Stil ist etwas, was natürlich einfließen muss. Man setzt sich ja nicht hin und sagt: Hier muss ich jetzt meinen Stil reinbringen. Für mich geht es darum, meinem Instinkt zu vertrauen und am Set zu entscheiden, dass die Kamera an einer bestimmten Position stehen muss und nicht woanders, den Fokus auf den Schauspieler zu legen statt aufs Licht. Dabei lässt man unbewusst seinen Stil einfließen. Dasselbe Drehbuch hätte Steven Spielberg sicher ganz anders verfilmt.

Frage: In dem Film geht es um eine fast schon philosophische Frage. Wenn man die letzten Dinosaurier vor dem Aussterben retten sollte, dadurch aber die Menschheit in ernsthafte Gefahr bringt, wie würden Sie entscheiden?

Antwort: Oh, das ist eine sehr spannende Frage, aber die würde ich lieber nicht beantworten. Denn für mich sollte ein Film seinem Publikum Spielraum für Interpretationen geben. Wenn ich ihnen sage, was ich machen würde, dann beeinflusse ich ihre Interpretation der Geschichte.

Frage: Nach der Premiere in Spanien gab es Stimmen, die sagten, der Film sei besonders brutal.

Antwort: Der Film hat die Freigabe „PG-13“ (in den USA ab 13 freigegeben). Und das wird von einer unabhängigen Kommission bestimmt, die sagt, wann es zu viel wird. Denken Sie an den ersten „Jurassic Park“ und die Szene, in der der T-Rex die Kinder im Auto attackiert. Das war ziemlich brutal. Aber die Leute, besonders Kinder, lieben den Film. Natürlich versucht man ein bisschen die Grenzen auszutesten, gerade mit der Freigabe. Aber da mussten wir nichts mehr rauskürzen. Es gibt trotzdem Grenzen: Wir dürfen kein menschliches Blut in einer brutalen Szene zeigen. Es gibt einen Moment, in dem der Indoraptor einem der Charaktere einen Arm abbeißt. Doch man sieht kein Blut in der Szene. Deshalb war die Szene möglich.

ZUR PERSON: J.A. Bayona wurde 1975 als Juan Antonio García Bayona in Barcelona geboren. Seinen ersten großen Erfolg als Regisseur feierte er mit dem spanischen Horrorfilm „Das Waisenhaus“ (2007). Er führte außerdem Regie beim Katastrophen-Drama „The Impossible“ (2012) und dem Fantasy-Film „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (2016).

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