Sandra Hüller zeigt Mut zum Risiko

Von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Jetzt singt sie auch noch: Mit diesem ironischen Ausruf muss Sandra Hüller nun ebenfalls rechnen. Die Schauspielerin setzt sich auf ihrem Minialbum-Debüt allerdings klar von den Musik-affinen Kollegen ab.

Sandra Hüller zeigt Mut zum Risiko

„Be Your Own Prince“: Ungewöhnliche Klänge von Sandra Hüller. Foto: Christoph Soeder/dpa

Tom Schilling tut es, Jasmin Tabatabai auch (gerade erst wieder sehr erfolgreich mit dem Soloalbum „Jagd auf Rehe“), Anna Loos und Matthias Schweighöfer sowieso. Zu den immer zahlreicheren deutschen Schauspielern, die neben Theater und Film ihr Talent als Musiker beweisen (wollen), gesellt sich nun Sandra Hüller.

Die vielfach ausgezeichnete Theater- und Kino-Darstellerin aus Leipzig (42, „Toni Erdmann“) belässt es als Sängerin zwar erstmal bei einem Minialbum. Die sieben Stücke von „Be Your Own Prince“ - eingespielt mit dem Berliner Musiker und Produzenten Daniel Freitag - sind allerdings stilistisch gewagter angelegt als alles, was man von ihren Schauspielerkollegen bisher gehört hat.

Zwischen Indie-Elektropop, angeschrägten Kunstliedern und eher atmosphärischen Soundskizzen bewegt sich Hüller, die bei Bedarf auf eine klare, durchaus kräftige Stimme zurückgreifen kann. Schon der Opener „Dear Sailor“ besteht aus kaum mehr als gehauchtem Gesang, Akustikgitarre, etwas Synthie-Experiment - und Rauschen. „My Love (Last Breath)“ mit wildem Getröte klingt fast noch avantgardistischer. Und auch danach bleibt es unberechenbar.

Den Deutschpop der Marke Schweighöfer oder jazzige Chansons im Stil von Schilling und Tabatabai wird man hier also nicht finden - schon allein weil Hüller durchgehend Englisch singt. Auf den Fortgang ihrer Musikerkarriere darf man gleichwohl gespannt sein - immerhin hat sie mit „Be Your Own Prince“ zum Start etwas riskiert. Und warum sollte diese brillante Schauspielerin nicht als deutsche Songwriter-Version von Coco Rosie oder The xx Erfolg haben?

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