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Boulevard

Sibel Kekilli: #MeToo-Debatte war lange überfällig

Leute

Sonntag, 4. Februar 2018 - 13:11 Uhr

von Interview: Aleksandra Bakmaz, dpa

dpa München. Schauspielerin Sibel Kekilli gilt als selbstbestimmte Powerfrau - und das nicht nur vor der Kamera. Privat setzt sie sich für die Rechte des weiblichen Geschlechts ein und sagt: Die #MeToo-Debatte war schon lange überfällig.

Sibel Kekilli bei der Verleihung des Glamour-Beauty-Awards "Glammy 2018". Foto: Ursula Düren

Klare Meinung, selbstbewusster Stil: Das sind Markenzeichen von Schauspielerin Sibel Kekilli. Doch genau mit diesen eckt die Hamburgerin mit türkischen Wurzeln auch an. Vor allem in sozialen Netzwerken hat sie immer wieder mit Anfeindungen zu kämpfen. Verbiegen lässt sie die 37-Jährige trotzdem nicht.

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Im Gegenteil: Seit Jahren kämpft Kekilli für die Rechte von Frauen. Auch weil es das weibliche Geschlecht immer noch schwer hat, wie sie der Deutschen Presse-Agentur in München erzählt. Bei der „Glammy“-Verleihung der Frauenzeitschrift „Glamour“ in München wurde sie für ihren Einsatz geehrt.

Frage: Sie wurden auch schon mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr Engagement für Frauenrechte ausgezeichnet. Was bedeutet ihnen solche Auszeichnungen?

Antwort: Das Besondere für mich daran ist, dass ich damit nicht als Schauspielerin ausgezeichnet werde, sondern als Mensch. Das bedeutet mir viel, ich fühle mich geehrt und freue mich sehr darüber.

Frage: Würden sie sich denn auch als Feministin oder Aktivistin bezeichnen?

Antwort: Ich versuche mit meiner Reichweite einfach, Frauen und Mädchen zu helfen. Mich selbst als Aktivistin zu beschreiben, finde ich schwierig. Auch das Wort Feministin ist nicht ganz einfach. Da denkt man vielleicht gleich „Männerhasserin“, obwohl das überhaupt nicht stimmt. Ich versuche einfach etwas zu ändern, etwas zu bewirken.

Frage: Was gab den Anstoß für ihr Engagement für Frauen und Mädchen?

Antwort: Ich mache das schon seit 14 Jahren, aber es war mir schon immer wichtig. Ich bin in einer Kultur aufgewachsen, in der die Frauen unterdrückt wurden und immer noch werden. Dieses Ungleichgewicht zwischen Jungs und Mädchen ist mir schon immer aufgefallen, in der Schule habe ich mir sogar gewünscht ein Junge zu sein. Ich dachte damals einfach: Ich will auch frei sein, will diese Rechte haben, will normal leben können und wertgeschätzt werden - nicht als Mensch zweiter Klasse gesehen werden.

Frage: Sie gelten als Vorbild für ein couragiertes und selbstbestimmtes Leben. Sehen sie sich selbst auch als starke Frau?

Antwort: (Pause)

Frage: Eine schwierige Frage?

Antwort: Sagen wir es mal so: Es gehört viel Kraft dazu, sich zu befreien und ein eigenständiges Leben aus so einer Kultur heraus zu führen. Das gilt auch für ein Leben als Frau im Allgemeinen, auch ohne türkische Wurzeln: So zu leben, wie man glaubt, dass das für einen richtig ist. Ich habe viele Anfeindungen deswegen aushalten müssen - und muss es immer noch - mit Drohungen, Beschimpfungen und Beleidigungen.

Frage: Starke Frauen waren es auch, die die aktuelle #MeToo-Debatte angestoßen haben. Eine der Hauptaktivistinnen trafen sie erst kürzlich bei der Internet-Konferenz DLD in München und hielten eine Laudatio auf sie. Wie stehen sie zur Diskussion um sexuelle Belästigung in der Filmbranche?

Antwort: Die #MeToo-Debatte finde ich wichtig und längst überfällig. Aber ich hoffe, dass es jetzt nicht nur bei den schwarzen Kleidern bei den Golden Globes oder bei den weißen Rosen bei den Grammys bleibt. Ich hoffe, dass da viel mehr passiert. Ich verstehe Menschen einfach nicht, die sagen: „Ja warum haben die Frauen denn so lange geschwiegen?“ Die können sich einfach nicht in solche Situationen hinein versetzen, dass sich Frauen schuldig gefühlt hatten und den Mut nicht gehabt haben, darüber zu reden. Diese Menschen haben einfach keine Empathie für solche Opfer.

Frage: Auch im Fall Dieter Wedel melden sich jetzt Frauen nach Jahrzehnten zu Wort.

Antwort: Es ist schwierig, dazu etwas zu sagen. Zu mir war er immer total korrekt.

Frage: Andere Kollegen wie Til Schweiger und Simon Verhoeven haben sich schon an der Diskussion über sexuelle Übergriffe in der Filmbranche beteiligt. Wie stehen sie dazu?

Antwort: Ich finde es toll, dass die Menschen darüber reden und nicht so tun, als wäre nichts. Letztens hatte ich eine Diskussion mit einem Kollegen, der einen anzüglichen Witz über eine Kollegin gemacht hat, die aber damit angefangen hatte. Die Produzentin sagte nur „Vorsicht“ zu ihm. Das zeigt, wie schwierig die Situation gerade ist. Man muss sich fragen, wo sind die Grenzen? Ein Klaps zum Beispiel ist immer eine Grenzüberschreitung.

Frage: Hatten sie auch schon Erlebnisse in diese Richtung als Schauspielerin?

Antwort: Nicht nur als Schauspielerin. Und ja, immer wieder. Da denkt man, was ist das jetzt? Je älter ich werde, desto mehr kenne ich meine Grenzen. Ich muss manchmal auch lernen, sofort zu reagieren. Dann gilt man aber als Frau wieder schwierig - wenn man sagt, bis hier hin und nicht weiter. Aber das ist mir egal.

Zur Person: Sibel Kekilli (37) kam in Heilbronn zur Welt, ihre Eltern stammen aus der Türkei. Ihr Spielfilmdebüt gab sie 2004 in Fatih Akins preisgekröntem Filmdrama „Gegen die Wand“. Jahrelang war sie auch als Ermittlerin Sarah Brandt im Kieler „Tatort“ zu sehen. International kennt man Kekilli vor allem als Shae aus der Fantasyserie „Game of Thrones“, in der sie vier Staffeln lang dabei war. Als Botschafterin der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes ist sie seit 2004 aktiv.


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