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Sie nannten ihn „Mighty Mouse“: Kevin Keegan wird 70

Fußball

Sonntag, 14. Februar 2021 - 00:15 Uhr

von Von Philip Dethlefs, dpa

dpa London. Die Beatles hatten es vorgemacht. Ende der 70er Jahre ging der englische Stürmer Kevin Keegan vom FC Liverpool nach Hamburg. Nach schwierigem Start führte er den HSV zur Meisterschaft, wurde zur Vereinsikone und war sogar kurzzeitig als Popstar erfolgreich.

Kevin Keegan 1979 im Trikot des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV. Foto: picture alliance / dpa

Viele deutsche Männer, die heute um die 40 sind, haben ihren Vornamen vielleicht auch ihm zu verdanken. Kevin Keegan wurde beim Hamburger SV Ende der 70er Jahre zum Fan-Liebling.

Mit den Hanseaten gewann der englische Fußball-Nationalspieler 1979 die deutsche Meisterschaft. Am Sonntag (14. Februar) wird der Stürmer, der wegen seiner Größe von 1,70 Metern den Spitznamen „Mighty Mouse“ trug, 70 Jahre alt. Mittlerweile hat er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Sechs Jahre hatte der Junge aus Armthorpe für den FC Liverpool gespielt, bevor es ihn nach Hamburg zog. Mit den Reds hatte er dreimal die Meisterschaft gewonnen, dazu den FA Cup, den Europapokal der Landesmeister und zweimal den UEFA-Cup. „In Liverpool hatte ich alles erreicht“, erzählte Keegan später einmal im „Guardian“. „Ich wollte eine neue Herausforderung, und Deutschland war eine.“

Für die damalige Rekordsumme von 2,3 Millionen Mark wechselte er vom Mersey an die Elbe. „Nach Deutschland zu gehen, das war hart“, sagte er. Denn der Erwartungsdruck war hoch für den teuren Superstar. Und mit seinen neuen Teamkollegen musste er erst zusammenfinden. „Am Anfang hat es nicht gepasst“, sagte Ex-HSV-Star Felix Magath der dpa. „Kevin war einen ganz anderen Rhythmus gewohnt. Er war erfolgsorientierter. Wir aber hatten unseren Stiefel gespielt.“

Keegans erste Saison drohte zum Fiasko zu werden. Ausgerechnet sein Ex-Club Liverpool überrollte den HSV im europäischen Supercup zu Hause im Volksparkstadion mit 7:1. In der Bundesliga landeten die Rothosen schließlich nur auf einem enttäuschenden zehnten Platz. Keegan wurde dennoch nach der Saison als Europas „Fußballer des Jahres“ geehrt wurde. Als einziger Brite - es waren insgesamt nur sechs - gelang ihm das sogar zweimal.

Die Startprobleme in Hamburg waren bald überwunden. Menschlich, weil „Mighty Mouse“ mit seiner sympathischen und zugänglichen Art Kollegen und Fans für sich einnahm. Sportlich verhalf Joseph Kevin Keegan - wie er mit vollständigem Namen heißt - den Hanseaten unter Kulttrainer Branco Zebec in der Bundesliga-Saison 1978/79 mit 17 Toren zum großen Triumph, der deutschen Meisterschaft.

Im selben Sommer gelang Keegan noch ein ganz anderer, ungewöhnlicher Erfolg. Der Engländer mit der modischen Lockenmähne schaffte es als Popstar in die Hitparade. Seine Single „Head Over Heels In Love“ landete auf Platz zehn. Chris Norman und Pete Spencer von der Band Smokie hatten das Lied für ihn geschrieben und produziert.

Als es Keegan 1980 zurück auf die Insel zog, trauerten HSV-Fans ihrem Idol noch lange nach. Beim FC Southampton und bei Newcastle United jubelten sie fortan über die Tore von „King Kev“. Später heuerte er als Coach bei Newcastle an. Er verhalf dem damaligen Zweitligisten zum Aufstieg und war auch in der Premier League erfolgreich. Bitter: In der Saison 1995-96 verpassten die Magpies die Meisterschaft als Tabellenzweiter hinter Manchester United, nachdem Keegans Mannschaft einen Zwölf-Punkte-Vorsprung vom Januar verspielt hatte.

Auch den damaligen Drittligisten FC Fulham und Manchester City in der 2. Liga führte Keegan jeweils zum Aufstieg. Doch seine kurze Zeit als Englands Nationaltrainer von Februar 1999 bis Oktober 2000 war nicht von Erfolg gekrönt. Bei der Europameisterschaft scheiterten die Three Lions schon in der Vorrunde. In der WM-Qualifikation verlor Keegans Team das letzte Spiel im alten Wembley-Stadion gegen Deutschland mit 0:1 - und der Coach trat kurz nach dem Abpfiff zurück.

Der stets authentische Keegan, bekannt und berüchtigt für seine direkte Art und manchmal sehr klaren Worte, machte auch bei sich keine Ausnahme. „Ich war wahrscheinlich länger im Amt, als ich erwarten konnte“, räumte er nach dem Spiel vor TV-Kameras ein. „Aber ich war eben nicht gut genug. Und das akzeptiere ich.“

© dpa-infocom, dpa:210209-99-368958/3

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