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Soloalbum und Buch: Doppelter Aufschlag von Jeff Tweedy

Musik

Dienstag, 27. Oktober 2020 - 06:12 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Ein Soloalbum und eine Buchveröffentlichung: Jeff Tweedy von der US-Folkrockband Wilco begeistert seine Fans das zweite Mal nach 2018 mit neuem Material zum parallelen Hören und Lesen.

Jeff Tweedy sieht auch in finsteren Zeiten das Licht. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Dieser Künstler gehört zu den Fleißigsten in der US-Rockszene - und zu den vielseitigsten. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit erweist sich Jeff Tweedy (53) nicht nur als einer der stärksten amerikanischen Singer-Songwriter, sondern auch als erstaunlicher Schriftsteller.

Nach dem 2019 erschienenen Album „Ode To Joy“ mit seiner Band Wilco sind es nun eine Soloplatte und ein weiteres Buch, mit denen er zu überzeugen weiß. Dabei spiegeln die elf Lieder von „Love Is The King“ Tweedys knorrig-freundliche Persönlichkeit ebenso wie die knapp 180 Seiten des autobiografisch angehauchten „How To Write One Song“.

Ähnlich verwöhnt wurden die Fans schon 2018, als Soloalbum und Memoiren einen perfekten Zweiklang ergaben. Tweedy zeigt sich sowohl in Liedern als auch in Lebenserinnerungen und Gedanken über Musik als stets authentischer, oft auch sympathisch verletzlicher Autor.

„Love Is The King“ entstand während des Corona-Lockdowns im Chicagoer Wilco-Studio zusammen mit den Söhnen Spencer und Sam. Das Ergebnis lässt sich nun eher mit den reduzierten Solo-Vorgängern „Warm“ und „Warmer“ vergleichen als mit den epischen Band-Werken „Yankee Hotel Foxtrot“ (2002), „Sky Blue Sky“ (2007) und „The Whole Love“ (2011).

Gleichwohl enthält auch diese zunächst so bescheiden klingende Folk- und Countryrock-Scheibe einige besonders schöne Tweedy-Momente: das nachdenkliche „Troubled“, die Ballade „Bad Day Lately“, „Even I Can See“ als bewegende Liebeserklärung an seine Ehefrau Sue, aber auch „Guess Again“ und der hoffnungsvolle Titelsong.

Denn dass die Liebe das Höchste ist („Love Is The King“) - darauf beharrt Tweedy trotz aller Verzweiflung über die Präsidentschaft von Donald Trump. „Ich habe versucht, nicht zu viel Zorn zu empfinden“, sagte er dem Magazin „Esquire“ - obwohl es schwerfalle. Es sei nun mal „eine traurige Tatsache, dass viele Leute etwas Monströses stärken und unterstützen. Doch sie sind nicht alle Monster.“

Und wie geht es mit seinem wichtigsten Projekt Wilco weiter? Die sechsköpfige Virtuosentruppe habe bereits „etwa ein Drittel oder ein Viertel eines Albums“ fertig, so Tweedy. „Im Idealfall kommt nächstes Jahr eine Platte heraus.“ Wie schon erwähnt: ein fleißiger Mann.

© dpa-infocom, dpa:201020-99-07434/3

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