Boulevard

Songs mit Soul-Folk-Schimmer: Bedouine

Musik

Donnerstag, 3. August 2017 - 12:02 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Bedouine, die Wandernde, hat eine junge Singer-Songwriterin mit armenischen Wurzeln ihr erstes größeres Projekt genannt. Aznivs Soul-Folk-Lieder sind schon erstaunlich reif, und dann ist da auch noch ein Top-Produzent im Hintergrund.

Azniv Korkejian alias Bedouine ist angekommen. Foto: Polly Antonia Barrowman

Geboren in der zurzeit in Trümmern liegenden syrischen Stadt Aleppo als Tochter armenischer Eltern. Eine Kindheit in Saudi-Arabien. Eine Jugend in den USA. Doch jetzt ist Azniv Korkejian alias Bedouine endlich angekommen.

Mit ihrem Debüt „Bedouine“ (Spacebomb/Caroline) legt die Sängerin „eines der charmantesten Alben des Jahres“ vor, wie die Musikkritikerin des britischen „Guardian“ zu Recht schreibt. Dafür verantwortlich ist zunächst einmal Korkejian selbst, mit ihrer ruhigen, unangestrengten Stimme und ihren zehn ebenso entspannten Liedern. Aber im Hintergrund des Bedouine-Projekts zieht ein Mann die Fäden, der sich längst unter den prägenden Klangdesignern der US-Popmusik einreiht: Matthew E. White.

Mit seinem Spacebomb-Kollektiv aus Richmond/Virginia, den subtilen Streicher- und Bläser-Arrangements seiner kongenialen Studioband um Trey Pollard, liefert White die Basis für ein Album, das mit liebenswerter Sanftheit und melodischer Rafinesse verzaubert. Das Pendel schlägt mal Richtung Gitarren-Folk aus („Nice And Quiet“, „Solitary Daughter“), mal Richtung Country-Pop der Neil-Young-Schule („One Of These Days“, „Skyline“), mal Richtung Westcoast-Sound („Mind's Eye“). Und stets liegt über allem ein zarter Südstaaten-Soul-Schimmer, wie man ihn von den erlesenen White-Produktionen der vergangenen Jahre gut kennt.

Die Höhepunkte ihres zugleich angenehm reduzierten wie üppig-gehaltvollen Debütalbums hat Bedouine ziemlich am Schluss platziert: das an Joni Mitchell gemahnende, herzzerreißend schöne „You Kill Me“ und „Heart Take A Flight“, wo Korkejian wie eine weibliche Version des legendären Britfolk-Barden Nick Drake - und damit recht ähnlich wie ihre englische Zeitgenossin Laura Marling - klingt. Hier kündigt sich eine große Singer-Songwriterin an.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.