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Boulevard

Songwriter-Pop mit Arabesken: Taminos Debüt „Amir“

Musik

Donnerstag, 25. Oktober 2018 - 06:11 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Seit der phänomenale Sänger Jeff Buckley vor 21 Jahren ums Leben kam, ist die Pop-Welt auf der Suche nach dem „neuen Jeff Buckley“. Mit Tamino tritt nun ein weiterer Bewerber ins Rampenlicht - mit tatsächlich toller Stimme und exotischem Hintergrund.

Tamino hat ein starkes Debüt-Album vorgelegt. Foto: Ramy Moharam Fouad

Die Vorschusslorbeeren sind enorm: Dieser Tamino sei „ein Ausnahmetalent“, ein Stimmwunder, gesegnet mit einem „oktavenübergreifenden Falsett“. Spätestens wenn dann noch der Name Jeff Buckley als Reverenz fällt, wird man hellhörig.

Denn Jeff Buckley (1966-1997), ein kühner Vokalakrobat und fabelhafter Songwriter wie schon sein Vater Tim Buckley (1947-1975), wurde mit dem Debüt „Grace“ (1994) quasi zum Synonym eines jugendlich hochbegabten Pop-Helden, der dann viel zu kurz lebte. Unter nie ganz geklärten Umständen ertrank er vor 21 Jahren in Memphis/Tennessee. Dem „Rolling Stone“ gilt Jeff Buckley heute als einer der besten Sänger aller Zeiten.

Schweres Gepäck also für einen wie Tamino, der die Bürde des „neuen Jeff Buckley“ allerdings auch nicht als erster junger Pop-Künstler zu tragen hat. Auf seinem Debütalbum „Amir“ (Communion/Caroline) beweist der 22-jährige Belgier mit ägyptischen und libanesischen Wurzeln in jedem Fall, dass all die Schwärmerei nicht von ungefähr kommt.

Denn singen kann der junge Mann nun wirklich, seine Stimme trägt von einem fast femininen, kristallklaren Falsett im Opener „Habibi“ bis zu einem an französische Chanson-Interpreten erinnernden, reifen Bariton („Indigo Night“, übrigens mit Colin Greenwood von Radiohead am Bass). Gelegentlich überreizt Tamino seine Kunst, und man wünscht ihm etwas mehr Gelassenheit (oder weniger Druck, gleich zu Beginn alles aus sich herauszuholen).

„Amir“ ist, jenseits aller Lobeshymnen auf Taminos Qualitäten als Sänger, eine sehr exotische, melancholische und zutiefst romantische Balladen-Platte. Der biografische Hintergrund des Multiinstrumentalisten (Gitarre, Klavier, Synthesizer, Bass, Oud) schlägt sich in vielen arabesken und nahöstlichen Klangfarben spannend nieder - und doch bleibt dies ein lupenreines Pop-Album.

Bei einigen Liedern wird Tamino von einem Kollektiv namens Nagham Zikrayat begleitet - Musiker aus dem Mittleren Osten, darunter Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien. Sie erzeugen - etwa in „So It Goes“ - eine Atmosphäre, die „Amir“ zwischen den Welten tänzeln lässt. Eine schöne, warme Verbindung in dieser von immer neuen Mauern und hartherzigen Trennungen geprägten Zeit.

Tamino ist der Enkel des ägyptischen Sängers Moharam Fouad, der als „Voice of the Nile“ bekannt wurde. Die Gitarre des Großvaters spielt der Antwerpener angeblich bis heute. Mit seinem englischsprachigen Debüt hat Tamino nun eine vielversprechende Visitenkarte abgeliefert. Auch ohne hoch gegriffene Vergleiche: „Amir“ ist ein starkes Album zwischen Ambient-Folk, Singer-Songwriter-Pop und orientalischer World Music.

Konzerte: 5.12. Köln, Club Volta; 6.12. Berlin, Quasimodo

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