Boulevard

Sophie Marceau begeistert in „Alles ist gutgegangen“

Film

Montag, 11. April 2022 - 13:04 Uhr

von Von Peter Claus, dpa

dpa Berlin. Mit 13 wurde Sophie Marceau als quirliges Girlie in der Komödie „La Boum - Die Fete“ zum Star. Das war vor 42 Jahren. Inzwischen ist sie zu einer großen Charakterdarstellerin gereift.

Eine schwierige Beziehung: Emmanuèle (Sophie Marceau) und ihr Vater André (André Dussolier). Foto: WildBunch/dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass Sophie Marceau (55) ihre Stärke als Interpretin einer komplizierten Persönlichkeit beweist.

Als solche war sie beispielsweise auch 1999 in „James Bond 007 - Die Welt ist nicht genug“ zu erleben. Doch in François Ozons Drama „Alles ist gutgegangen“ erreicht sie eine seltene Tiefe. Damit prägt sie den Film entscheidend.

Sophie Marceau spielt die Erfolgsfrau Emmanuèle. Privat und beruflich auf glücklichen Wegen, hat sie ihr Leben perfekt im Griff. Der inzwischen hochbetagte Vater (André Dussollier) war ihr stets ein strenger Begleiter. Er hat sie oft gefördert, aber dabei immer zu viel gefordert. Entsprechend kühl ist die Beziehung.

Doch als er nach einem Schlaganfall seinem Leben selbst ein Ende setzen möchte, bittet er die Tochter um Unterstützung. Sie sagt ja. Und ahnt nicht, was damit auf sie zukommt.

Emotionale Sprengkraft

Drehbuchautor und Regisseur François Ozon („Acht Frauen“, „Frantz“), dessen jüngster Film „Peter von Kant“ die diesjährige Berlinale eröffnet hat, beleuchtet das schwierige Thema der Sterbehilfe in erstaunlich leichtem Ton. Als Vorlage diente der autobiografische Roman gleichen Titels von Emmanuèle Bernheim. Das Buch setzt auf eine klinisch anmutende Sprache, auf Nüchternheit. Ozon baut auf die emotionale Sprengkraft der Story.

Dass die Geschichte bei allem Auf und Nieder der Gefühle nicht in Kitsch abgleitet, ist vor allem der Kunst Sophie Marceaus zu danken. Mit leisen Tönen und feiner Mimik lässt sie stets das Doppeldeutige und Hintergründige von Situationen und Empfindungen aufleuchten. Selbst da, wo etwas vordergründig psychologisiert wird, gibt sie der Figur eine große Nachdenklichkeit und starke Eigenständigkeit - und damit Glaubwürdigkeit.

Insbesondere in den Szenen mit André Dussollier („Drei Männer und ein Baby“, „Die Schöne und das Biest“) strahlt Sophie Marceau eine bezwingende Intensität aus. Mit einer sensiblen Balance von Humor und Tragik zeichnet sie das reife Porträt einer Frau, die aus ihrer bürgerlichen Komfortzone gerissen wird und schwere, tatsächlich schicksalsschwere Entscheidungen treffen muss.

Bei aller Schauspielkunst triumphiert dabei durchweg die jederzeit spürbare Bodenständigkeit von Sophie Marceau. Sie macht den Film zum Ereignis.

Alles ist gutgegangen, Frankreich 2022, 114 Minuten, FSK 12, von François Ozon, mit Sophie Marceau, André Dussollier, Géraldine Pailhas, Hanna Schygulla, Charlotte Rampling

© dpa-infocom, dpa:220407-99-829647/4

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