Boulevard

Sprechgesang & Glitzer-Grooves: „Point“ von Yello

Musik

Sonntag, 30. August 2020 - 11:43 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Einfach unverwechselbar: Seinem Trademark-Sound bleibt das Schweizer Elektropop-Duo Yello auch mit „Point“ treu. Wieder funktioniert die altbewährte Arbeitsteilung zwischen Dieter Meier und Boris Blank.

Dieter Meier (l) und Boris Blank sind das Schweizer Elektropop-Duo Yello (undatierte Aufnahme). Foto: Benjamin Staffe/Universal Music/dpa

Berufspokerspieler, Konzeptkünstler, Unternehmer, Rinderzüchter, Winzer, Schriftsteller - und natürlich Musiker: Die Liste der Talente und Broterwerbe von Dieter Meier ist lang.

Mit dem neuen Album seines seit rund 40 Jahren bestehenden Elektropop-Duos Yello setzt der stets elegant gekleidete Schweizer Lebenskünstler mit dem markanten Schnauzer und der väterlichen Baritonstimme eine schillernde Karriere fort.

Zusammen mit dem musikalischen Dauerpartner Boris Blank (68) liefert Meier (75) auf dem 14. Yello-Album gewohnt eingängige Melodien, luftige Grooves, humorvolle, teils dadaistische Texte und typisch sonoren Sprechgesang ab. „Point“ bringt - ganz im Sinne des Albumtitels - den Sound dieser eidgenössischen Musik-Institution auf den Punkt. Vom Opener „Waba Duba“ bis zum abschließenden „Siren Singing“ tänzeln Meier/Blank trotz ihres längst reiferen Alters lässig durch glitzernde Klangwelten zwischen Pop, Jazz und Latin.

Dass Yello mit ihrem immer noch ziemlich einmaligen Sound keineswegs „von gestern“ sind, bewiesen sie zuletzt vor vier Jahren auf dem Album „Toy“. Es eroberte wie der Vorgänger „Touch Yello“ (2009) in der Schweiz Platz 1 der Charts. In Deutschland kam das Duo auf Rang 2 - der größte Erfolg seit den 80er/90er Jahren, als Yello mit wegweisenden Videos, Hits wie „The Race“ oder „The Rhythm Divine“ sowie den Alben „Stella“ und „Baby“ Top-Ten-Erfolge feierten.

„Point“ unterstreicht nun den Status der beiden Schweizer Musiker als freundlich-verspielte Avantgardisten. „Ich bin ein Sound-Maler, der immerzu in seinem Atelier arbeitet“, sagt Blank. Meier bestätigt: „Wenn Boris in seiner Musik versunken ist, ist er wie ein Kind im Sandhaufen. Ich habe ein Dutzend Tricks entwickelt, wie ich dann das Studio betreten kann, ohne ihn zu Tode zu erschrecken.“ Er selbst schreibt derweil kongeniale Textzeilen, die sich wie englischsprachige Pendants zu den deutschen Pop-Pionieren Kraftwerk, NEU! oder Can lesen lassen. Und fertig ist ein weiterer Yello-Hit.

© dpa-infocom, dpa:200830-99-362265/2

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