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Boulevard

St. Vincent wird wieder „ein bisschen größer“

Musik

Donnerstag, 26. Oktober 2017 - 16:17 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Erneut dürften ihr hohe Ränge in den Kritiker-Jahreslisten sicher sein. Doch Annie Clark alias St. Vincent will mit ihrem neuen Album mehr: „Masseduction“ zielt auch auf den Dancefloor und die Pop-Charts.

Höchst angesagt: die US-Artpop-Musikerin St. Vincent. Foto: Nedda Afsari

Der „Rolling Stone“ nannte sie kürzlich „die weibliche Bowie“ - eine der höchsten Respektsbezeugungen, die es knapp zwei Jahre nach dem Tod des Popgenies geben kann. Die Rede ist von St. Vincent, der höchst angesagten US-Artpop-Musikerin.

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Und es scheint ja durchaus etwas dran zu sein an dem Vergleich. Denn Annie Clark - so heißt St. Vincent mit bürgerlichem Namen - hat ebenfalls etwas von einem Chamäleon, sowohl mit ihren ständig wechselnden Looks und Outfits als auch mit ihrer Genregrenzen ignorierenden Musik. Sie arbeitet - wie einst Bowie - immer mit innovativen Produzenten und interessanten Musiker zusammen (beispielsweise David Byrne für das tolle Bläser-Pop-Album „Love This Giant“ von 2012). Sie ist Multi-Instrumentalistin wie der Brite. Und sie hat Erfolg weitgehend ohne Anbiederung an Trends.

„Masseduction“ (Caroline/Universal), das sechstes Studioalbum in zehn Jahren, soll nun mit Major-Label im Rücken den ganz großen Durchbruch bringen, nachdem St. Vincent bisher vor allem die Kritiker-Charts dominiert hatte. Mit einem gerade in Harvey-Weinstein-Zeiten provozierenden, recht expliziten Album-Artwork geht die 35-Jährige dafür allerdings nicht den leichtesten Weg - sie hätte auch ihr derzeit von einer Pagenkopffrisur gerahmtes, kluges, unangreifbares Gesicht aufs Cover nehmen können.

Die Musik von St. Vincent ist nun zugänglicher als etwa auf dem hochgelobten, gleichwohl einigermaßen sperrigen Vorgänger „St. Vincent“ (2014) - aber doch beileibe keine glatte Radiokost.

Zwar zielen manche Tracks vor allem zu Beginn des Albums sehr beatlastig auf den Dancefloor (etwa im Opener „Hang On Me“, in „Pills“ oder dem Titelsong) - grobe Richtung: Roisin Murphy oder Goldfrapp. „Sugarboy“ klingt gar wie eine der Seventies-Disco-Granaten von Giorgio Moroder. Keyboardsounds drängen Clarks typische E-Gitarre in den Hintergrund, und die Songs sind gerade in Balladenform („Happy Birthday, Johnny“, „New York“, „Smoking Section“) mit feinen Piano- und Streicherarrangements weniger kühl-intellektuell als gewohnt.

Aber insgesamt kommt „Masseduction“ doch immer noch wie ein ziemlich oberschlaues Pop-Patchwork daher, dessen Entschlüsselung Zeit in Anspruch nimmt. Was die Texte betrifft, ist St. Vincent sowieso eine der herausragenden Songautorinnen ihrer Zeit, da muss man in den aktuellen Lyrics gar nicht erst nach versteckten Hinweisen auf ihre Beziehung zum Supermodel Cara Delevingne oder zu anderen persönlichen Befindlichkeiten suchen.

„Ich bin in der seltenen Position, dass jede Platte, die ich gemacht habe, ein bisschen größer wurde als die davor“, sagte Clark jüngst dem „Rolling Stone“. „Nichts ging von null auf hundert, aber ich habe langsam immer mehr Leute erreicht.“ Dieses behutsame, aber stetige Wachstum in puncto Anerkennung und Erfolg wird St. Vincent mit „Masseduction“ sicher fortsetzen. In den USA (Rang 10 der Albumcharts) und Großbritannien (Rang 6) hat sie bereits ihre bislang höchsten Platzierungen verzeichnet.

Internet: http://ilovestvincent.com/ 

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