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Boulevard

Terry Allen: Großes Spätwerk eines genialen Erzählers

Musik

Donnerstag, 30. Januar 2020 - 15:09 Uhr

von Von Walter Willems, dpa

dpa Berlin. Er ist ein feiner Beobachter, der Songs von zeitloser Schönheit schreibt: „Just Like Moby Dick“ heißt das neue Album von Multitalent Terry Allen.

Skurrile Charaktere, makabre Geschichten: Terry Allen. Foto: Barbara FG/dpa

Schon das Cover ist emblematisch: Das Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert zeigt eine vom Sturm zerfetzte Fregatte, die trotz gebrochener Masten in voller Fahrt durch eine tosende See pflügt.

Dass Terry Allen - inzwischen 76 Jahre alt - für sein neues Album dieses Bild zusammen mit dem Titel „Just Like Moby Dick“ gewählt hat, ist wohl als trotziges Statement gemeint: immer weiter, wie knüppeldick es auch kommen mag.

In den 45 Jahren seit 1975 hat Allen - der nicht nur Musiker ist, sondern auch Schriftsteller, Maler, Bildhauer und Regisseur - nur etwa ein Dutzend Studioalben veröffentlicht. Trotz des spärlichen Outputs gilt er als Ikone, die - einer größeren Öffentlichkeit weitgehend verborgen - von Musikerkollegen wie David Byrne verehrt wird. Cracker, Little Feat und Singer-Songwriter wie Guy Clark und Lucinda Williams haben seine Stücke gecovert. Sein 1979 erschienenes Album „Lubbock (On Everything)“ gilt als Vorläufer des Alternative Country.

Nun, sieben Jahre nach dem Vorgänger „Bottom of the World“, veröffentlicht Allen mit „Just Like Moby Dick“ sein 13. Studioalbum. In den zwölf Stücken wimmelt es vor skurrilen Charakteren und makabren Geschichten, stets geht es um Tod und Verlust. Der Zauberer Houdini, der vergeblich Kontakt zum Jenseits sucht, die blutrünstige „Pirate Jenny“, inspiriert von Bertolt Brechts Seeräuber-Jenny, ein unglückseliger Zirkus, der nichtsahnend in einer Stadt voller Vampire gastiert. In der American Childhood-Trilogie nimmt Allen mit bitterem Humor sein Heimatland aufs Korn.

Wie er seinen Charakteren mit nur wenigen Zeilen Leben einhaucht, zeugt von einem großen Erzähler. Zwischendurch rücken die Erzählungen vom Skurrilen ab und wenden sich einer wehmütigen Lebensschau zu. „Memories linger but they don't last / Some days just come too fast / So hard... they break... like glass“, singt er im Duett mit der genialen Gesangspartnerin Shannon McNally in „All These Blues Go Walking By“.

Musikalisch pendeln Allen und seine Panhandle Mystery Band mit fast ausschließlich akustischen Instrumenten stilsicher zwischen Folk, Blues, Swing und Country, wobei vor allem Slide- und Dobro-Spieler Lloyd Maines feine Akzente setzt. Exquisit in Szene gesetzt wird das mit viel Gespür für das jeweilige Thema von Produzent Charlie Sexton, der - neben etlichen Soloprojekten - seit vielen Jahren in Bob Dylans Band Gitarre spielt.

Ganz persönlich wird das Album am Ende. „Every time the phone rings / Seems some friend is gone / Lost from the world / To ashes, dust and songs“, singt Allen, bevor er den trotzigen Refrain „Sailin' On Through“ anstimmt. Immer weiter - „just like Moby Dick“. Ein großes Spätwerk eines genialen Erzählers.

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