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Boulevard

„Thelma“ entfesselt das Grauen - in sich selbst

Film

Montag, 19. März 2018 - 11:52 Uhr

von Von Theresa Münch, dpa

dpa Oslo. Pass auf, was du dir wünschst, sagt man. Für die junge Studentin Thelma gilt das besonders. In ihr schlummert eine grausame Macht, geweckt von der Liebe.

Thelma (Eili Harboe) entdeckt das düstere Geheimnis ihrer Familie. Foto: Koch Films

In der norwegischen Winter-Einsamkeit richtet ein Vater das Gewehr auf seine kleine Tochter. Schnitt. Was danach passiert, muss man sich denken. Denn die erste Szene im norwegischen Psycho-Thriller „Thelma“ wird nie so richtig zu Ende erzählt.

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Auch andere Fragen trägt man fast bis zum Ende mit sich: Was muss passiert sein, damit es so weit kam? Und wer oder was ist hier das Böse?

„Thelma“, der jüngste Film des norwegischen Regisseurs Joachim Trier („Oslo, 31. August“), ist eine Mischung aus Mystery und Horror, aber auch romantisches Liebesdrama und ein Werk über das Heranwachsen. Es ist die zermürbende und zugleich kraftvolle Geschichte der jungen Studentin Thelma, wunderbar verletzlich und doch zäh porträtiert von der norwegischen Schauspielerin Eili Harboe.

Thelma ist gerade zum Studium nach Oslo gezogen, raus aus dem konservativ christlichen Elternhaus, das sie mit seinen Regeln fast erstickte. Zum ersten Mal zwanglos, zum ersten Mal Partys, Alkohol, Freunde. Doch auch rätselhafte Epilepsie-artige Anfälle - ausgelöst, das wird bald klar, durch die Nähe zu Kommilitonin Anja.

Thelma und Anja verlieben sich, was die streng religiös erzogene Studentin - von Schuldgefühlen und Scham zerfressen - emotional aufwühlt. Dann ist Anja plötzlich verschwunden und Thelma muss sich fragen: Ist das meine Schuld? Die junge Frau entdeckt das düstere Geheimnis ihrer Familie. Und eine furchterregende, zerstörerische Macht, die in ihrem Inneren wohnt. Diese Gabe hat Thelma unbewusst unterdrückt, seit sie durch ihre konservative Erziehung gelernt hat, ihre Gefühle zu unterdrücken. Doch die Liebe setzt sie wieder frei.

Regisseur Trier stellt allerdings gar nicht diese übernatürliche Kraft in den Mittelpunkt seines ruhig erzählten Films. Es geht darum, was diese Macht mit der Person macht, die sie besitzt. Für Thelma ist sie schierer Terror, etwas Unbegreifliches, das ihre Welt erschüttert und sie von allen isoliert - gerade in einer Zeit, in der die junge Frau nichts lieber möchte, als dazuzugehören. Plötzlich aber muss sie sich fragen, was eigentlich Realität ist und ob Zufälle und Begegnungen nicht einfach deshalb passieren, weil sie sie sich tief in ihrem Inneren wünscht.

Trier erzählt diese aufwühlende Geschichte still, vor Bildern weiter norwegischer Winterlandschaften. Da beobachtet man Fische unter dem Eis eines gefrorenen Sees umherhuschen - kurz darauf sieht man die harmlos-romantische Szene mit ganz anderen Augen. „Thelma“ ist eben kein Film in Schwarz und Weiß, sondern in unterschiedlichsten Grautönen. Die schüchterne Thelma ist zugleich ein Teenager, der erwachsen wird, ein unglückliches Opfer übernatürlicher Kräfte, doch auch ein unnachgiebiges Monster. Eine einfache Moral gibt es nicht.

- Thelma, Norwegen/Frankreich/Dänemark/Schweden 2017, 116 Min., FSK ab 12, von Joachim Trier, mit Eili Harboe, Kaya Wilkins, Henrik Rafaelsen, Ellen Dorrit Petersen.

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