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Urban Village erzählen vom Kultur-Schmelztiegel Soweto

Musik

Mittwoch, 27. Januar 2021 - 09:02 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Soweto als „urbanes Dorf“ mit verschiedensten Kulturen, die sich nach der Apartheid zu einer neuen Kultur verbunden haben: Davon erzählt eindrücklich und melodisch das erste Album der Band Urban Village.

Zwischen Tradition und Moderne: Urban Village. Foto: Justice Mukheli/dpa

Ein exotischer Zauber ist sofort da. Der Sound einer Mbira, des südafrikanischen Xylophons oder Lamellophons, weckt im Kopf romantische Landschaftsbilder, wenig später kommen weiche Männerstimmen hinzu und entführen endgültig in ein warmes Traumland.

Willkommen im Opener des Debütalbums „Udondolo“ (No Format/Idol/Indigo) von Urban Village aus Soweto bei Johannesburg. Mit Afrobeat, Worldmusic-Pop und etwas Jazz kreieren die Musiker nicht nur eine verführerische Klangmixtur, sondern zugleich eine einladende Basis, um von den Alltagserfahrungen schwarzer Südafrikaner zu erzählen.

Ins Township Soweto wurden während der menschenverachtenden rassistischen Apartheid-Ära Menschen aus verschiedenen Provinzen zum Arbeiten verbracht. Sie lebten dort als urbanes Proletariat in strikter Trennung von den weißen Vorstädten der Metropole. Und viele nahmen Teile ihrer sehr unterschiedlichen Kulturen mit in die Stadt, die sich zu einem neuen „urbanen Dorf“ mit einer einzigartigen Kultur entwickelte - daher der Bandname Urban Village.

Drei der vier Musiker sind laut Label „zu einer Zeit geboren, als die Apartheid in ihren letzten Zügen lag“. So tauchten Tubatsi Mpho Moloi (Gesang, Flöte), Lerato Lichaba (Gitarre) und Xolani Mtshali (Schlagzeug) als Heranwachsende tief in die damals weltweit angesagte Dance-Musik ein, „auch weil sie ihnen weit entfernt von der harten südafrikanischen Geschichte erschien und eine Möglichkeit bot, in eine andere Haut, eine andere Identität zu schlüpfen“.

Erst später lernte Lichaba in seinem Wohnviertel die Musik älterer Zulu-Künstler kennen, die eine ganz andere Geschichte Südafrikas zu erzählen schien. Die Stücke auf dem Album funktionieren nun als Hybrid aus südafrikanischer Tradition in den formidablen Lead- und Chorgesängen sowie moderner, mitreißend groovender Rhythmik.

Und politisch sind diese Lieder natürlich sowieso: Der Text von „Dindi“, das man sich auch gut auf Paul Simons Crossover-Geniestreich „Graceland“ hätte vorstellen können, appelliert an schwarzes Selbstbewusstsein und den Stolz über die eigene Hautfarbe. Der Songtitel „Sakhisizwe“ bedeutet ungefähr „eine Nation aufbauen“. Und gegen fremdenfeindliche Angriffe wendet sich „Inkani“.

Mit „Umhlaba Wonke“, einem Duett von Band-Frontmann Tubatsi Mpho Moloi und der südafrikanischen Sängerin Mskai, klingt ein beseeltes, berührendes Album aus. Fazit: Das Urban-Village-Debüt „Udondolo“ wirkt wohltuend auf Herz und Hirn des Hörers.

© dpa-infocom, dpa:210126-99-178917/4

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