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Boulevard

Zauberhaft spröde: Christian Petzolds neuer Film „Undine“

Film

Montag, 29. Juni 2020 - 11:03 Uhr

von Von Julia Kilian, dpa

dpa Berlin. Mit seinem neuen Film zieht Christian Petzold unter Wasser: Er erzählt die moderne Form eines Nixenmärchens zwischen Berliner Plattenbauten und westdeutschen Bahnstationen.

Ihr Element ist das Wasser: Paula Beer als Undine. Foto: -/Piffl Medien/dpa

Die Zusammenarbeit mit Regisseur Christian Petzold scheint Schauspielerinnen Erfolg zu bringen. In seinem neuen Film „Undine“ spielt Paula Beer eine mysteriöse Historikerin, die sich in einen Industrietaucher verliebt.

Angelehnt ist die Geschichte an einen alten Mythos. Und auf der diesjährigen Berlinale wurde Beer dafür als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Die Auszeichnung ging damit erstmals seit 13 Jahren wieder an eine deutsche Schauspielerin. Zuletzt hatte das Nina Hoss geschafft - mit ihrer Rolle im Drama „Yella“. Ebenfalls ein Film von Petzold.

In seinen Projekten lässt der 59-Jährige oft verschwimmen, was noch Wirklichkeit und was schon Traum ist. So ist es auch im Liebesfilm „Undine“. Beer spielt die gleichnamige Hauptfigur, die in einer Berliner Senatsverwaltung arbeitet. Mit Bluse und Bleistiftrock erklärt sie Touristen historische Stadtmodelle.

In der ersten Szene trifft sie ihren Freund in einem Café. Dass der sich gerade von ihr trennt, wird nicht ausgesprochen, sondern hinter knappen Dialogen versteckt. „Du musst doch was geahnt haben“, sagt Johannes. „Du kannst nicht gehen“, sagt Undine entschlossen. „Wenn du mich verlässt, dann muss ich dich töten. Das weißt du doch.“

Die Todesdrohung stammt aus einem romantischen Nixen-Mythos: Männer können die schöne Undine aus einem Waldsee rufen, wenn sie sich nicht geliebt fühlen. Dann schenkt sie ihnen Liebe. Sollten die Männer sie aber betrügen, muss Undine ihnen das Leben nehmen und zurück ins Wasser steigen. Soweit die Erzählung.

Petzold allerdings nimmt das Ganze etwas auseinander, denn die Undine will für ihr Leben etwas anderes. Sie lernt den Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) kennen, deren Verbindung besiegelt wird, als ein Aquarium platzt. Es sind Szenen wie diese - durchkomponiert, unwirklich -, die den Film sehenswert machen.

Gezeigt wird eine Frau, die sich gegen ihre Bestimmung stellt, aber ob das auch gelingt? Petzolds Film ist ruhig erzählt, mit Unterwasseraufnahmen und Bahnfahrten, mit langen Einstellungen und teils spröden Sätzen. Das Ganze gibt dem Film etwas Besonderes, aber man muss sich darauf einlassen.

Auf der Berlinale vermissten manche die gesellschaftliche Tiefe, die Petzold mit seinen Filmen oft schafft. Nebenher erzählt er etwa vom Zusammenleben und den Machtstrukturen in unserer Gesellschaft. In „Undine“ kann man auf einer zweiten Ebene über Zeit und Geschichte, über Wiederholung und Neues nachdenken, etwa wenn Undine von der Rekonstruktion des alten Stadtschlosses spricht.

Mit an Träume erinnernden Bildern und knappen Dialogen erzählt Petzold vor allem von der Schwierigkeit zu erkennen, wann eine Liebe wirklich tief und rein ist. Man muss diese konstruierten Augenblicke mögen. Etwa, wenn Undine mit ihrem neuen Liebhaber durch Berlin läuft und dabei den alten mit seiner Neuen sieht. In diesem Moment, behauptet Christoph später, sei Undines Herz stehengeblieben.

Undine, Deutschland/Frankreich 2020, 90 Min., FSK ab 12, von Christian Petzold, mit Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree

© dpa-infocom, dpa:200625-99-557776/5

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