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Boulevard

Zeitlose Americana-Sounds aus Deutschland

Musik

Mittwoch, 20. Dezember 2017 - 18:01 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Folkrock mit Americana-Touch muss nicht aus den USA kommen. Das beweisen erneut die norddeutschen Bands Someday Jacob und Torpus & The Art Directors. In ihren Songs scheint viel kalifornische Sonne.

Someday Jacob haben sonnige Melodien im Gepäck. Foto:  Caspar Sessler

Sowas muss man sich erstmal trauen als Band aus der regenreichen norddeutschen Tiefebene. Lieder wie „Slow Down“, „Your Medicine“ oder „Better Than This“ von SOMEDAY JACOB sind purer Westcoastpop-Romantizismus, mit allem Drum und Dran.

Will heißen: Sonnige Melodien mit Melancholie-Sprengseln wie bei den Eagles, Jackson Browne oder Fleetwood Mac, himmelhohe Gesangsharmonien wie bei Crosby, Stills & Nash. Und ein Bandsound im so nostalgischen wie zeitlosen Gewand der mittleren 70er, als der amerikanische und speziell der kalifornische Folkrock in höchster Blüte stand.

Wie Someday Jacob, das Bremer Quartett um den Musikjournalisten, Singer-Songwriter und Gitarristen Jörn Schlüter, auf „Everybody Knows Something Good“ (Haldern Pop Recordings/Rough Trade) diese Mixtur bereits ein drittes Mal hinkriegt, ist schon staunenswert. Dass Schlüter beim deutschen „Rolling Stone“ mit viel ähnlich gearteter, im besten Sinne traditionsverhafteter US-Rockmusik von heute (Midlake, Dawes, Fleet Foces, Jonathan Wilson) in Berührung kommt, dürfte für die Erschaffung seiner ultra-harmonischen Klangbilder nicht von Nachteil sein.

Auch das Nachfolgealbum von „It Might Take A While“ (2015) ist wieder üppig und formvollendet produziert, teilweise mit zarten Streichersätzen wie in der Ballade „Man Without A Cause“. Zudem sind viele Tasteninstrumente zu hören, die den Sound aber nicht aufblähen, sondern eher verfeinern, etwa im an Josh Rouse (wo steckt der eigentlich?) erinnernden „Can You Feel Me“.

Gemischt hat in Nashville/Tennessee der renommierte Ryan Hewitt (Johnny Cash, Avett Brothers, Angus & Julia Stone), also ein Mann, der sich mit solchen Liedern auskennt. Someday Jacob legen mit dem optimistisch betitelten „Everybody Knows Something Good“ im tiefsten Winter ein irgendwie spätsommerlich klingendes Poprock-Album vor, zu dem man sich als deutsche Band - wie oben erwähnt - erstmal trauen muss, auf das man dann aber stolz sein darf.

Bei ihrer Deutschland-Tournee im Februar/März teilen sich Someday Jacob die Bühnen hin und wieder mit einer Band, deren Name noch etwas rätselhäfter ist: TORPUS & THE ART DIRECTORS. Das passt, denn auch diese - ebenfalls aus Norddeutschland stammende - Truppe ist seit Mitte Dezember mit ihrem dritten Album draußen. Und sie klingt so amerikanisch, dass man von den gemeinsamen Konzerten Folkrock- und Westcoast-Glücksgefühle erwarten sollte.

„We Both Need To Accept That I Have Changed“ (Grand Hotel van Cleef) heißt der Nachfolger von „The Dawn Chorus“ (2015), mit dem Bandleader Sönke Torpus und seine Freunde erstmals größer auf sich aufmerksam machten. Nach der „herrlich naiven Narrenfreiheit“ (Label-Info) des Debüts und der Weiterentwicklung auf dem zweiten Album biegt die Band nun in die Phase der Reife und Konsolidierung ein.

Torpus & The Art Directors (zu denen mit Jenny Apelmo auch eine weibliche Mitstreiterin gehört) klingen insgesamt etwas weniger bittersüß und gravitätisch als Someday Jacob, dafür erdiger und rustikaler als die Kollegen. Feine Songs voller satter Gitarren und starker Vokalarrangements werden aber auch hier geboten.

Das von Torpus selbstproduzierte Album wurde erneut in dem alten Schulgebäude in Nordfriesland aufgenommen, wo auch schon der sehr gelungene Vorgänger entstand. Für den abschließenden, bewusst rauen Mix sorgte der langjährige Wegbegleiter Simon Frontzek. Das Ergebnis ist eine Platte, die man respektvoll als „deutsche Americana“ bezeichnen kann. Folkrock muss also nicht aus den USA oder Kanada kommen, um gut und authentisch zu klingen.

Konzerte Someday Jacob 2018: 15.02. Hamburg, Kuukun, 16.02. Haldern, Pop Bar, 19.02. Reutlingen, FranzK, 20.02. Wiesbaden, Schlachthof, 21.02. Nürnberg, Club Stereo, 22.02. Hannover, Lux, 23.02. Berlin, Privatclub, 24.02. Bremen, Tower, 27.02. Mannheim, Kulturbrücken Jungbusch, 28.02. Stuttgart, Café Galao, 01.03. Köln, Yard Club, 02.03. Oberhausen, Druckluft

Konzerte Torpus & The Art Directors 2018: 01.02. Lübeck, Blauer Engel, 02.02. Bordersholm, Savoy, 03.02. Münster, Gleis 22, 04.02. Langenberg, KGB, 06.02. Nürnberg, Club Stereo, 07.02. Leipzig, Werk 2, 08.02. Dresden, Ostpol, 09.02. Berlin, Badehaus, 10.02. Hannover, Lux, 14.02. Oberhausen, Druckluft, 15.02. München, Ampere, 16.02. Konstanz, Kulturladen, 17.02. Freiburg, White Rabbit, 19.02. Reutlingen, FranzK, 20.02. Wiesbaden, Schlachthof, 21.01. Köln, Artheater, 22.02. Bremen, Tower, 23.02. Hamburg, Knust, 24.02. Husum, Speicher

Folkrock made in Nordfriesland: Torpus & The Art Directors. Foto: Björn Weinbrandt

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