Zweigeteiltes Humboldt Forum - Eintritt neben freiem Zutritt

Von Von Gerd Roth, dpa

dpa Berlin. Es ist ein teures Prestigeobjekt deutscher Kulturpolitik. Doch hinter der umstrittenen Barockfassade des Berliner Humboldt Forums knirscht es schon am Kassenhäuschen. Mit freiem Eintritt geht es nicht überall hin.

Zweigeteiltes Humboldt Forum - Eintritt neben freiem Zutritt

Nach der Eröffnungsphase wird es im neuen Berliner Humboldt Forum bei einer unterschiedlichen Eintrittspolitik bleiben. Foto: Fabian Sommer/dpa

Nach der Eröffnungsphase wird es im neuen Berliner Humboldt Forum bei einer unterschiedlichen Eintrittspolitik bleiben. Während weite Teile des riesigen Museums- und Ausstellungszentrums frei zugänglich bleiben, müssen Besucher für den Berliner Teil Eintritt bezahlen.

Das machten die Verantwortlichen von Bund und Land deutlich. Das 677 Millionen Euro teure Zentrum für Kultur, Kunst und Wissenschaft nutzen zwei Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Das coronabedingt bisher nur digital zugängliche riesige Gebäude steckt hinter der viel kritisierten rekonstruierten Fassade des Hohenzollernschlosses.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters setzt auf die Anziehungskraft des neuen Forums. „Dieses große Gebäude im Herzen der deutschen Hauptstadt soll viele unterschiedliche Besuchergruppen ansprechen“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Deshalb haben wir für die Dauerausstellung auch den freien Eintritt erkämpft.“ Das Humboldt Forum solle ein Aufenthaltsort werden, der die Stadt in ihrer alten Mitte wieder erfahrbar mache. Der Bund will für die Dauerausstellung als Pilotprojekt drei Jahre lang keinen Eintritt verlangen.

Der von Berlin verantwortete Teil des Humboldt Forums umfasst weite Teile des ersten Stockwerkes im riesigen Bau. Die dort im Januar geplante Teileröffnung ist coronabedingt verschoben. Wenn es soweit ist, wird auch dieser Teil zunächst umsonst zugänglich sein. „Wir machen das für 100 Tage, als Eröffnungsangebot“, sagte Berlins Kultursenator Klaus Lederer der dpa. Anschließend geht es in zwei Eintrittswelten. „Ausstellungen des Bundes werden kostenfrei sein, unsere wird Geld kosten.“

Der Linke-Politiker sieht darin kein Problem. „Erstens werden das moderate Eintrittspreise sein und zweitens bekommen diejenigen, die hingehen, wirklich etwas geboten.“ Er halte es so: „Wenn es sich jemand leisten kann, dann ist es völlig okay und völlig legitim, einen Beitrag zu leisten. Für die anderen haben wir sehr weite Ausnahmeregeln“, sagte er mit Blick auf Ermäßigungen etwa für Schüler oder Rentner.

Für Lederer geht es auch um die Frage von Zugänglichkeit. „Wenn man verschiedene gesellschaftliche Gruppen tatsächlich erreichen will, dann sind die Eintrittshürden nicht der einzige, aber ein relevanter Faktor, wenn sich Menschen entscheiden, ob sie Kulturangebote wahrnehmen oder nicht.“ Er sei ein großer Fan davon, auch generell über Eintrittsfreiheit und niedrige Barrieren bei Kultureinrichtungen nachzudenken. „Mit sozialer Staffelung käme man schon mal einen ganz großen Schritt weiter.“

Gleichzeitig verwies der Kultursenator auf erhebliche Kosten. „Viele unserer Museen sind auch durch die Kürzungen der Nullerjahre und die schwierige Haushaltssituation nicht mit all den Ressourcen ausgestattet, die sie unbedingt brauchen, um eine zeitgemäße, gute Museumsarbeit leisten zu können. Für mich hat Vorrang, erst einmal dieses Problem zu lösen, bevor wir über generelle Eintrittsfreiheit nachdenken.“

Lederer sieht andere Prioritäten. „Bei Outreach-Angeboten, Ankaufsetats für die Sammlungen, Programmmitteln für Ausstellungen, Digitalisierung, Barrierefreiheit ist noch so viel zu tun“, sagte er. „Bevor man Geschenke verteilt, die allen gleichermaßen zugute kommen, also auch denen, die es sich leisten können, finde ich, muss man erst einmal darüber reden, wie wir diese Defizite abgebaut kriegen.“ Berlin sei da in den vergangenen Jahren gut vorangekommen. „Aber wir wissen nicht, was jetzt mit der Pandemie noch auf uns zukommt.“

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