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Agrarminister: Keine Einigung bei Umgang mit Brachflächen

Agrar

Freitag, 1. April 2022 - 19:23 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Magdeburg/Berlin. Geht es nach unions- und SPD-geführten Ländern, sollten brachliegende Agrarflächen zeitweise auch für den Anbau für Lebensmittel freigeben werden. Doch die grünen Ressortchefs im Bund und in den Ländern sehen das anders.

Cem Özdemir lehnt eine temporäre Freigabe von Brachflächen für den Lebensmittel-Anbau ab. Foto: Fabian Sommer/dpa

Die Agrarminister von Bund und Ländern haben sich nach langen Beratungen nicht über eine gemeinsame Linie im Umgang mit sogenannten ökologischen Vorrangflächen einigen können.

Ein gemeinsames Ergebnis gebe es nicht, hieß es nach der Frühjahrstagung der Agrarministerkonferenz (AMK) unter dem Vorsitz von Sachsen-Anhalt. Das Thema sei kontrovers diskutiert worden.

Die unionsgeführten und SPD-geführten Länder haben sich dafür ausgesprochen, die Brachflächen temporär auch für den Anbau für Lebensmittel freizugeben. Die EU-Kommission hatte vergangene Woche angesichts drohender Nahrungsmittelengpässe den Weg für eine zeitweise Bewirtschaftung frei gemacht.

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) und die Grünen-Agrarminister der Länder lehnen dies ab. Sie sehen darin ein Ausspielen der Krisen gegeneinander. Sie wollen auf den Flächen lediglich den Anbau von Futtermitteln erlauben. Am kommenden Freitag soll im Bundesrat eine finale Entscheidung getroffen werden. Diese werde sich die Bundesregierung zeitnah anschauen und bewerten, sagte Özdemir.

Özdemir lehnt ein Abrücken von mehr Klima- und Umweltschutz in der Landwirtschaft wegen der Folgen des Ukraine-Krieges ab. Man müsse allen Krisen gerecht werden, sagte er nach der Konferenz mit seinen Länderkollegen. Die Klimakrise und das Artensterben gingen weiter und bedrohten die Grundlage der Landwirtschaft und damit am Ende auch die Ernährungssicherheit. Wie Özdemir mitteilte, will Deutschland bis zu 200 Millionen Euro zusätzlich für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen bereitstellen.

Der Minister bekräftigte, dass in diesem Jahr ausnahmsweise Gras und Pflanzen von bestimmten „ökologischen Vorrangflächen“ als Futter genutzt werden dürfen. Er wandte sich aber gegen weitergehende Forderungen, auf Brachflächen wieder alles machen zu können. Das zusätzliche Ertragspotenzial läge Berechnungen zufolge dort nur bei 0,6 Millionen Tonnen bei einer Getreideernte von 45 Millionen Tonnen.

Mit Blick auf steigende Lebensmittelpreise und höhere Energiekosten für die Bauern verwies Özdemir auf die beiden von der Ampel-Koalition auf den Weg gebrachten Entlastungspakete. Er betonte, es gebe keinen Anlass für Hamsterkäufe. Mit dem Einkauf haushaltsüblicher Mengen könne man einen Beitrag dazu leisten, dass Preissteigerungen nicht darüber zustande kämen.

Der Minister erläuterte, Preistreiber seien vor allem Energiekosten. „Es ist nicht das Mehl, das bei Brot vor allem den Preis ausmacht.“ Generell gelte indes: Keine Maßnahme der Bundesregierung könne den Krieg und seine Folgen ungeschehen machen.

Özdemir forderte außerdem: „Wir müssen die Lebensmittelverschwendung dringend stoppen.“ Es stehe zugleich eine Debatte dazu an, wie die Biomasse genutzt werden solle.

© dpa-infocom, dpa:220401-99-763115/4

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