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In- und Ausland

Angst der Unternehmen vor No-Deal-Brexit wächst

EU

Montag, 29. Juli 2019 - 17:12 Uhr

von Von Silvia Kusidlo und Andreas Hoenig, dpa

dpa London/Berlin. Schon Ende Oktober will der britische Premier Boris Johnson sein Land aus der EU führen - „komme, was wolle“. Wegen des Brexit-Wirrwarrs fürchten Firmen Einbußen - und manche Politiker gar eine Katastrophe.

Das Brexit-Wandbild des Streetart-Künstlers Banksy. Schon Ende Oktober will Boris Johnson sein Land aus der EU führen. Foto: Gareth Fuller/PA Wire

Deutsche und britische Unternehmen fürchten sich zunehmend vor den schweren Folgen eines drohenden Brexits ohne Abkommen. Nach Angaben des britischen Industrieverbandes CBI sind weder Großbritannien noch die EU ausreichend auf einen ungeregelten Austritt vorbereitet.

Weitere Firmen drohten mit einem Rückzug aus dem Vereinigten Königreich. Europas größter Billig-Flieger Ryanair macht auch das Brexit-Wirrwarr für Einbußen verantwortlich.

Der neue Premierminister Boris Johnson will sein Land am 31. Oktober aus der EU führen - notfalls auch ohne Deal. Er will das zwischen seiner Vorgängerin Theresa May und Brüssel vereinbarte Abkommen nachverhandeln. Das lehnt die Europäische Union aber strikt ab. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon warnte am Montag Johnson davor, das ganze Land in eine „Katastrophe“ zu treiben.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hält angesichts der Brexit-Unsicherheit einen Einbruch der deutschen Exporte nach Großbritannien für möglich. DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Ein No-Deal-Szenario wäre die schlechteste Option für die deutsche Wirtschaft. Belastend wären vor allem hohe Zölle. Großbritannien hat als Handelspartner für die deutschen Unternehmen bereits deutlich an Bedeutung verloren.“

Der DIHK erwartet, dass das deutsch-britische Handelsvolumen weiter sinkt. „Wir halten im Gesamtjahr einen Rückgang der deutschen Exporte nach Großbritannien von sogar bis zu zehn Prozent für möglich“, sagte Schweitzer. Von Januar bis Mai hatten deutsche Firmen Waren im Wert von rund 35 Milliarden Euro nach Großbritannien geliefert. Das waren 2,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Importe aus Großbritannien sanken noch deutlich stärker.

„Die Unsicherheit der Unternehmen ist größer geworden“, berichtete Ulrich Hoppe von der deutsch-britischen Industrie- und Handelskammer (IHK) in London. „Es kommen jetzt vermehrt Anfragen von deutschen Unternehmen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur.

Bei einem EU-Austritt ohne Abkommen rechnen Experten unter anderem mit langen Wartezeiten an Grenzen, Lieferengpässen etwa für Medikamente, Obst und Gemüse sowie Mangel an Lagerkapazitäten.

„Unklare Empfehlungen, Zeitpläne, Kosten und die Komplexität“ des Brexits behinderten die Vorbereitungen vieler britischer Firmen auf einen möglichen No Deal, teilte der Verband CBI (Confederation of British Industry) mit. Viele größere Unternehmen, etwa im Finanzwesen, haben demnach Pläne - doch seien kleinere Firmen weniger gut vorbereitet. Der Verband hatte mindestens 50 Wirtschaftsvereinigungen und Tausende von Unternehmen um Empfehlungen für den Bericht zum Brexit gebeten.

„Die EU bleibt noch hinter Großbritannien in den Bemühungen zurück, die schlimmsten Effekte eines No-Deal-Szenarios zu verhindern“, heißt es weiter. Spätestens bis Mitte August müsse die Regierung alle Empfehlungen für Firmen auf den Tisch legen, forderte der Verband.

Der Chef des französischen Peugeot-Herstellers PSA, Carlos Tavares, drohte mit harten Konsequenzen für ein britisches Werk. Er wolle zwar das Astra-Nachfolgemodell für die Konzernmarken Opel und Vauxhall in der Fabrik Ellesmere Port bauen, aber bei schlechten Rahmenbedingungen werde er es nicht machen, sagte Tavares der britschen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ vom Montag. „Wir haben eine Alternative für Ellesmere Port.“ Das Unternehmen müsse wissen, was im Oktober passiere, etwa bei den Zöllen, forderte Tavares.

Der Brexit-Wirrwarr und ein harter Preiskampf in Deutschland haben auch Europas größtem Billigflieger Ryanair im ersten Geschäftsquartal einen Gewinneinbruch eingebrockt. In den Monaten April bis Juni verdiente das irische Unternehmen 243 Millionen Euro und damit 21 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie es in Dublin mitteilte.

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