Auf Überlebenskampf umstellen: Lufthansa zieht Bilanz

dpa Frankfurt/Main. Die Pandemie des neuartigen Coronavirus hat den Luftverkehr weltweit hart getroffen. Die Lufthansa muss von ihrem Expansionskurs auf den reinen Überlebenskampf umstellen.

Auf Überlebenskampf umstellen: Lufthansa zieht Bilanz

Schon 2019 ist das operative Ergebnis des Dax-Konzerns nach vorläufigen Zahlen um fast 29 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro eingebrochen. Foto: Arne Dedert/dpa

In der wohl tiefsten Krise der jüngeren Luftfahrtgeschichte zieht die Lufthansa heute Bilanz.

Europas umsatzstärkster Luftverkehrskonzern spürt wie seine Konkurrenten die von dem neuartigen Coronavirus ausgelösten Turbulenzen überdeutlich, wenn nur noch jeder zehnte Interkontinentalflug und jede fünfte Europaverbindung stattfinden kann. In das bereits von Preisschlacht und Gewinnwarnung geprägte Jahr 2019 dürften sich die Aktionäre des Dax-Konzerns noch einmal zurücksehnen.

Wie lange die Krise noch anhält und welche Rettungsmaßnahmen zu ergreifen sind, dürften die drängendsten Fragen an Vorstandschef Carsten Spohr sein. Die zunächst auf 30 Tage begrenzte Einreisesperre für Nicht-EU-Ausländer in das Schengengebiet hat die Aussichten nach dem US-Einreisestopp noch einmal eingetrübt.

Neben den umfangreichen Streichungen im Flugplan und den temporären Schließungen der Konzerntöchter Brussels und Austrian Airlines will der Konzern für tausende Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen, um von den weiterlaufenden Fixkosten herunterzukommen. Entsprechende Verhandlungen mit Belegschaftsvertretern und Arbeitsagentur liefen in dieser Woche auf Hochtouren. Auch über Staatshilfen unterhalb der Schwelle von Beteiligungen will der Konzern mit den Regierungen in seinem Kernmarkt sprechen.

Bis dahin versucht der Vorstand, das Geld zusammenzuhalten. Die Aktionäre sollen auf ihre Dividende für 2019 verzichten, und das Unternehmen hat sich auch neue Kredite in Höhe von 600 Millionen Euro gesichert. Damit verfüge der Konzern über flüssige Mittel von rund 4,3 Milliarden Euro, hieß es. Hinzu kämen ungenutzte Kreditlinien von rund 800 Millionen Euro.

Für eine kleine Sonderkonjunktur in der Krise sorgt die so genannte Luftbrücke der Bundesregierung, die Lufthansa, Condor und Tuifly Rückholaufträge in Höhe von rund 50 Millionen Euro erteilt hat.

Keine Kurzarbeit ist bei der Frachttochter Lufthansa Cargo geplant, für die in den kommenden Wochen ein schnell anziehendes Geschäft erwartet wird. Wegen der zahlreich abgesagten Passagierflüge fehlen allerdings große Kapazitäten, so dass Lufthansa darüber nachdenkt, ihre Passagier-Jumbos vom Typ Boeing 747 auf Frachtreise zu schicken.

Schon 2019 ist das operative Ergebnis des Dax-Konzerns nach vorläufigen Zahlen um fast 29 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro (bereinigtes Ebit) eingebrochen. Damit erreichte die Lufthansa gerade noch ihre eigene Prognose, die sie bereits im vergangenen Juni auf 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro gekappt hatte.