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Ausgangsverbot in türkischen Städten - Trump zuversichtlich

Gesundheit

Samstag, 11. April 2020 - 05:19 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Istanbul. Am späten Abend wird in der Türkei für das Wochenende ein Ausgangsverbot in 31 Städten angekündigt. Italien verlängert seine Ausgangsbeschränkungen bis Anfang Mai. Die USA befinden sich in der bislang schwierigsten Phase der Epidemie.

Nach der Ankündigung versuchen Menschen Lebensmittel einzukaufen. Foto: AP/dpa

Die türkische Regierung hat wegen der Corona-Krise für dieses Wochenende kurzfristig Ausgangsbeschränkungen in 31 Städten verhängt.

Das betrifft auch die größte Stadt des Landes, die Millionenmetropole Istanbul, wie Provinz-Gouverneur Ali Yerlikaya in einem Tweet bestätigte. Details und Ausnahmen zu dem Ausgangsverbot sickerten erst nach und nach durch.

Einem Tweet des türkischen Innenministeriums zufolge sind auch die Hauptstadt Ankara sowie die Großstädte Izmir und Antalya betroffen. Das Verbot sollte demnach von Mitternacht in der Nacht zum Samstag bis Mitternacht in der Nacht zum Montag gelten. Weil die Maßnahme nur mit knapp zwei Stunden Vorlauf verkündet wurde, setzten in Istanbul sofort Panikkäufe ein. In Supermärkten, vor Bäckereien und den typischen kleinen Nachbarschaftsläden bildeten sich Schlangen.

Der Oppositionsbürgermeister von Istanbul, Ekrem Imamoglu, kritisierte die kurzfristig kommunizierte Maßnahme. Innenminister Süleyman Soylu rief der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge zur Ruhe auf. Es gebe keinen Grund für Panikkäufe, unter anderem würden am Samstag die Bäckereien geöffnet sein, die ihre Waren dann ausliefern dürften. Anadolu zufolge sollen auch Kliniken, Apotheken und Institutionen, die bestimmte öffentliche Dienstleistungen anbieten, offen bleiben.

Die Türkei hat bisher rund 47.000 Infektionsfälle gemeldet. Die Zahl der Todesopfer hatte am Freitag die 1000 überschritten. Für Menschen ab 65 Jahre, chronisch Kranke und Unter-20-Jährige galten bereits Ausgehverbote. Schulen und Universitäten, Cafés und Bars wurden schon geschlossen, gemeinsame Gebete in Moscheen verboten.

Italiens Regierung verlängert indes die strikten Ausgangsbeschränkungen für die 60 Millionen Bürger bis zum 3. Mai. Das sagte Regierungschef Giuseppe Conte am Freitagabend in Rom. Die Maßnahmen gelten seit dem 10. März und waren bislang bis zum Ostermontag angeordnet. In Italien dürfen die Menschen derzeit nur ausnahmsweise das Haus verlassen, etwa wenn sie zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen müssen. Auch ein Großteil der Unternehmen ist seit Wochen geschlossen. Die Wirtschaft des hoch verschuldeten Landes fürchtet deswegen eine heftige Rezession.

Zugleich kündigte Conte an, dass nach Ostern, ab 14. April, einige wenige Läden zusätzlich aufmachen dürften, etwa Buch- und Schreibwaren-Geschäfte sowie der Handel mit Babykleidung. Italien gehört weltweit zu den am heftigsten von der Corona-Pandemie getroffenen Staaten. Zwar hat sich die Ansteckungswelle zuletzt verlangsamt. Trotzdem meldete der Zivilschutz 570 neue Todesfälle binnen 24 Stunden. Insgesamt starben dort 18 849 Infizierte seit dem Beginn der Coronavirus-Welle im Februar.

Als erstes Land Lateinamerikas hat Brasilien unterdessen mehr als 1000 Todesfälle durch das Coronavirus bestätigt. Nach den jüngsten Zahlen des Gesundheitsministeriums lag die Zahl der Gestorbenen inzwischen bei 1056. Fast 20.000 Infektionen wurden demnach inzwischen registriert.

Am 26. Februar war in Brasilien als erstem Land Süd- und Lateinamerikas ein Mensch positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden. Der rechte Präsident Jair Bolsonaro geriet in den vergangenen Wochen immer wieder in die Schlagzeilen, weil er die Gefährlichkeit des Virus herunterspielte.

In den USA starben innerhalb von 24 Stunden erstmals mehr als 2000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Die Universität Johns Hopkins in Baltimore verzeichnete zwischen Donnerstag- und Freitagabend (Ortszeit) 2108 Tote. Dabei handelt es sich um den höchsten Anstieg an verzeichneten Toten binnen eines Tages in einem Land seit Beginn der globalen Pandemie.

Berechnungen hatten für die USA vorhergesagt, dass die Krise Mitte April mit Blick auf die Todeszahlen ihren Höhepunkt erreichen könnte und pro Tag mehr als 2000 Menschen nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 sterben könnten.

US-Präsident Donald Trump hatte die Amerikaner zuletzt mehrfach darauf eingeschworen, dass schwere Tage auf das Land zukämen. Anders als noch vor wenigen Wochen zeigt sich Trump mittlerweile besonnener, was Prognosen darüber angeht, wann das Land zur Normalität zurückkehren könnte. Am Freitag kündigte er an, voraussichtlich am Dienstag ein Expertengremium vorzustellen, das ihn in dieser Frage beraten soll. „Das ist mit Abstand die größte Entscheidung meines Lebens“, sagte Trump. „Ich möchte geleitet werden“, sagte Trump, der sich sonst gerne als Macher darstellt.

Trotz der weiterhin vielen Toten pro Tag gibt die Lage im Bundesstaat New York Anlass für vorsichtige Hoffnung. Gouverneur Andrew Cuomo warnte angesichts der leichten Stabilisierung allerdings vor neuen Infektionswellen. „Ich will keine zweite Welle, ich will keine dritte Welle“, sagte Cuomo am Freitag. Deswegen müsse die Wiedereröffnung der Gesellschaft, für die er noch kein Startdatum nannte, graduell und sehr vorsichtig geschehen.

Die Infektionskurve scheint laut Cuomo auf einem deutlich niedrigeren Niveau zu bleiben als in Rechenmodellen zunächst befürchtet. Gleiches gilt für Prognosen USA-weit: Trump äußerte sich erneut zuversichtlich, dass die Zahl der Toten durch die Pandemie in den USA am Ende deutlich niedriger ausfallen könnte als zunächst angenommen. Der Präsident hatte das Land auf 100.000 Corona-Tote eingestimmt und betont, dies wäre noch ein Erfolg. Andere Prognosen lägen weit höher.

Bis Freitagabend (Ortszeit) waren nach Angaben der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität in den USA knapp 18 600 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen lag demnach bei fast einer halben Million.

Weltweit sind nach Angaben der US-Experten bereits mehr als 100.000 Menschen an den Folgen der Corona-Pandemie gestorben. Die Zahl der weltweit nachgewiesenen Infektionsfälle lag demnach bei knapp 1,7 Millionen. In den USA wurden in absoluten Zahlen bislang die meisten Infektionen gemeldet, gefolgt von Spanien und Italien.

Die Webseite der Johns-Hopkins-Universität wird häufiger aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand bestätigter Infektionen als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der US-Gesundheitsbehörde CDC.

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