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BGH urteilt über Schmerzensgeld für gelähmten Mountainbiker

Prozesse

Donnerstag, 23. April 2020 - 05:30 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Karlsruhe. Ein über einen Feldweg gespannter Stacheldraht wird für einen Radfahrer zur tückischen Falle. Vor Gericht streitet der vom Hals abwärts gelähmte Mann um Schmerzensgeld. Wer trägt die Verantwortung?

Der Bundesgerichtshof urteilt über einen schlimmem Mountainbike-Unfall. Foto: Uli Deck/dpa

Eine Absperrung aus Stacheldraht wird einem Mountainbike-Fahrer 2012 zum Verhängnis - heute hofft der vom Hals abwärts gelähmte Mann auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe. Er streitet in letzter Instanz um eine hohe Summe Schmerzensgeld.

Außerdem geht es um lebenslange Kosten. Der 1976 geborene Marineoffizier war auf einer Radtour ins Hamburger Umland in einen Feldweg eingebogen. Dieser war nach ungefähr 50 Metern mit gespanntem Stacheldraht für Autos gesperrt. Der Kläger bemerkte das Hindernis zu spät und stürzte beim Bremsen kopfüber in die Absperrung. Gefunden wurde er erst zwei Stunden später.

Der Mann hat die Gemeinde Braak, wo der Unfall passiert ist, und die beiden für das Gebiet zuständigen Jagdpächter verklagt und will mindestens 500.000 Euro. Auch die Bundesrepublik als Dienstherr des Mannes erhebt Forderungen, sie verlangt noch einmal rund 580.000 Euro.

Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht war davon ausgegangen, dass Gemeinde und Pächter Pflichten verletzt haben - sie hätten mit Radfahrern rechnen müssen. Trotzdem sprachen die Richter dem Mann 2017 nur 25 Prozent der geforderten Summe zu. Er sei zu schnell gefahren und habe sein Rad nicht richtig beherrscht.

Die BGH-Richter haben in der Verhandlung im Januar bereits deutlich gemacht, dass es bei diesem Urteil nicht bleiben wird. Der Senatsvorsitzende sprach von einem „völlig ungewöhnlichen und gefährlichen Hindernis“. Der Kläger könne höchstens zu 25 Prozent mitverantwortlich gemacht werden. Damit stünden ihm und der Bundesrepublik mindestens 75 Prozent ihrer Forderungen zu.

Der Kläger, der heute in Rostock lebt, hatte sich einen Halswirbel gebrochen und muss rund um die Uhr von einem Assistententeam betreut werden. „Doch das hält mich nicht davon ab, selbstbestimmt mein Leben zu leben“, schreibt er auf seiner Internetseite. Er engagiert sich für karitative Projekte und hat in seinem Elektrorollstuhl schon mehrere Reisen nach Russland unternommen. (Az. III ZR 250/17 u.a.)

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