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Belarus feiert weltweit einzige Militärparade zum Kriegsende

Feiertage

Samstag, 9. Mai 2020 - 13:31 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Moskau/Minsk. Die Ex-Sowjetrepublik Belarus (Weißrussland) hat trotz der Corona-Pandemie als einziges Land weltweit eine riesige Militärparade zum 75. Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus gefeiert.

Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko (M) salutiert, während er die Militärparade in Minsk verfolgt. Foto: Sergei Gapon/Pool AFP/AP/dpa

„Der Feiertag ist uns heilig“, sagte Präsident Alexander Lukaschenko in Minsk. Er wandte sich in seiner Rede auch an Kritiker der Parade in Zeiten des Coronavirus. „Wir können nicht anders“, betonte er. Belarus sei das den Opfern des Zweiten Weltkrieges schuldig. „Sie alle wollten leben, aber starben, damit wir leben“, sagte Lukaschenko.

„Das ist keine Demonstration der Stärke, sondern ein Gedenken an die heroische Geschichte“, betonte der autoritär regierende Staatschef in Paradeuniform. Belarus gehörte zu jenen Ländern, die am meisten unter der Nazi-Herrschaft zu leiden hatten. In der Hauptstadt Minsk marschierten Tausende Soldaten ohne Virenschutz dicht an dicht durch das Zentrum, wie das Staatsfernsehen Belarus24.ru im Internet zeigte.

Auch der berühmte sowjetische Weltkriegs-Panzer T-34 fuhr durch die Stadt - neben anderem schweren Kriegsgerät, darunter moderne Raketen. Am Himmel flogen Hubschrauber und Kampfflugzeuge. Auf einer festlich geschmückten Tribüne saßen auch die mit Weltkriegsorden dekorierten Veteranen und ihre Angehörigen. Die wenigsten trugen Mund- und Nasenschutz gegen das auch in Belarus grassierende Virus.

Tausende Zuschauer, darunter Kinder und ältere Menschen, verfolgten bei sonnigem Wetter und Orchestermusik die Parade vom Straßenrand aus. Neben Freude über den historischen Sieg gab es auch Tränen der Trauer um die Opfer. Den ganzen Tag waren in dem Land festliche Massenveranstaltungen geplant - trotz Warnungen auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer Ausbreitung des Virus.

Insgesamt geht das Leben in dem Land zwischen dem EU-Mitglied Polen und Russland im Grunde weiter wie gewohnt. Lukaschenko hatte die Einschränkungen in anderen Ländern immer wieder als Panikmache bezeichnet. Sein Land komme gut zurecht mit der Versorgung von Kranken. Belarus lasse sich nicht unterkriegen, hatte er betont.

In Moskau war indessen die Militärparade auf dem Roten Platz wegen des Virus abgesagt worden. Russlands Präsident Wladimir Putin erinnerte zum 75. Jahrestag des sowjetischen Sieges an die großen Verdienste der Roten Armee. „Sie haben das Vaterland gerettet, das Leben der künftigen Generationen geschützt. Sie haben Europa befreit und die Welt beschützt“, sagte der Kremlchef am Samstag an der Ewigen Flamme im Alexandergarten in Moskau.

Die Zeremonie wurde im Fernsehen übertragen; in der russischen Hauptstadt gelten wegen der Corona-Pandemie strenge Ausgangssperren. Die Parade in Minsk hatte die russische Regierung als unvernünftig in diesen Zeiten kritisiert.

Der Präsident sagte bei leichtem Regen, dass die Opfer niemals vergessen würden und die Siegesparade nachgeholt werde. „Wir verbeugen uns vor der Generation der großen Sieger“, sagte er. Russland sei unbesiegbar.

Während der Zeremonie gab es auch eine Schweigeminute. In Moskau wurde es totenstill. Putin legte zunächst einen Strauß Roter Rosen am Grab des Unbekannten Soldaten nieder, anschließend rote Nelken an den Gedenksteinen der Heldenstädte der Sowjetunion.

Trotz des Regens gab es in Moskau eine Flugshow der russischen Luftstreitkräfte. Solche Flugparaden gab es in mehreren russischen Städten. Für den Abend ist auch Feuerwerk angekündigt. Gefeiert wird in Russland später als in Deutschland, weil die Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 zu einer Uhrzeit erfolgte, als in Moskau schon der 9. Mai angebrochen war. Zum Tag der Befreiung am Freitag in Deutschland hatte Putin in einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel an das für Russen und Deutsche historische Ereignis erinnert.

Wladimir Putin geht mit roten Nelken zum Grab des unbekannten Soldaten in Moskau. Foto: Alexei Druzhinin/Pool Sputnik Kremlin/dpa

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