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Bischöfe streiten über Reformen - Frauen machen Druck

Kirche

Dienstag, 22. September 2020 - 18:11 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Fulda. Erstmals seit Jahrzehnten steckt die katholische Kirche in Deutschland mitten in einem Reformprozess. Doch nicht alle tragen diesen Synodalen Weg mit. Zu Beginn des Bischofstreffens in Fulda gehen die Meinungen weit auseinander.

Ein Plakat der Giordano-Bruno-Stiftung mit der Aufschrift "DAS ist die Katholische Kirche: Missbrauch vertuschen. Entschädigungen auf die lange Bank schieben. Aber Milliarden bunkern !" steht am Rande der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz auf dem Platz vor dem Dom. Foto: Arne Dedert/dpa

Zu Beginn der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda hat sich deren Vorsitzender Georg Bätzing zu dem Reformprozess des Synodalen Wegs bekannt.

„Der Synodale Weg geht gut voran“, betonte Bätzing am Dienstag zum Auftakt der dreitägigen Beratungen. Mit Blick auf konservative Kritiker des auch vom Vatikan misstrauisch beäugten Reformkurses stellte der Limburger Bischof klar: „Wir sind Kirche im Kontext der katholischen Weltkirche und werden das bleiben. Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche dort abzuspalten.“

Der Vorwurf, der Synodale Weg berge die Gefahr einer Abspaltung der deutschen Katholiken von der Weltkirche, war wiederholt von dem konservativen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erhoben worden. Noch in der vergangenen Woche hatte Woelki gesagt, es wäre schlimm, wenn dadurch „so etwas wie eine deutsche Nationalkirche entstehen“ würde. 

Bätzing sagte, die Bischöfe wollten sich bis Donnerstag möglichst auf konkrete Anerkennungszahlungen für Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker einigen. „Es geht uns um ein einheitliches System“, betonte er. „Wir wollen, dass jede Betroffene, jeder Betroffene einen Zugang dazu hat. Wir wollen, dass ein unabhängiges Gremium entscheidet - auch über die Höhe der Leistungen, die gezahlt werden.“ Dabei werde man sich an gerichtlichen Urteilen zu Schmerzensgeldern orientieren.

Parallel zu den Beratungen der Bischöfe wollen von Missbrauch Betroffene in den kommenden Tagen in Fulda zum Austausch und zur Vernetzung zusammentreffen. Die Initiative „Eckiger Tisch“ hat für diesen Mittwoch zu einem Pressegespräch in Fulda eingeladen. Bereits am Dienstag machte die Giordano-Bruno-Stiftung mit einer Aktion auf das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche aufmerksam. Auf einem Plakat vor dem Fuldaer Dom war zu lesen: „DAS ist die Katholische Kirche: Missbrauch vertuschen. Entschädigungen auf die lange Bank schieben. Aber Milliarden bunkern!“

Wichtigstes Thema der Herbstvollversammlung der Bischöfe ist der Reformprozess. Die Meinungen unter den Bischöfen gehen hier weit auseinander. Zudem stehen sie unter starkem Druck von außen: Der Vatikan will, dass möglichst gar nichts verändert wird, die große Mehrheit der Gläubigen erwartet aber Veränderungen, insbesondere ein Ende der strukturellen Diskriminierung der Frauen.

So forderte die Vizepräsidentin des Zentralrats der deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Lücking-Michel, am Dienstag im SWR vollen Zugang von Frauen zu allen Ämtern. „Es geht um eine gleichberechtigte Zugangsmöglichkeit aller Getauften und Gefirmten zu allen Ämtern, die die katholische Kirche zu bieten hat“, sagte die CDU-Politikerin. „Es geht nicht darum, den Frauen netterweise noch etwas entgegenzukommen und ihnen so ein paar Brosamen vom Tisch des Herrn zukommen zu lassen, sondern es geht darum, endlich anzuerkennen, dass Frauen gleichberechtigte und gleichwertige Mitglieder unserer Kirche sind, mit allen Rechten und Pflichten wie andere auch.“

Ähnlich äußerte sich Angelika Fromm von der Aktion „Lila Stola“, einer Arbeitsgruppe der Reformbewegung „Wir sind Kirche“: „Wir fordern den Zugang zu allen Ämtern. Das ist eine Vision, bei der bleiben wir auch“, sagte Fromm. Mit dem Synodalen Weg habe die katholische Kirche in Deutschland eine weltweite Vorreiterrolle eingenommen, der sie gerecht werden müsse.

Bätzing sagte, er schätze die Frauen, die in Fulda protestieren wollten, und suche das Gespräch mit ihnen. Mit Blick auf die Frauenfrage verspüre er Druck - „auf der anderen Seite sage ich mir: Wir können nur tun, was wir tun können“, so der Bischof von Limburg. Von konservativen Bischöfen war die Gleichstellungsbewegung Maria 2.0 scharf kritisiert worden.

Grundsätzlich gehe es bei dem Reformprozess darum, „Kirche zu verändern, sie so zu gestalten, dass sie den Menschen den Weg zum Evangelium öffnet“, sagte Bätzing. „Wir wollen Blockaden, die es da gibt, aus dem Wege räumen, damit die Evangelisierung – das ist unser Grundauftrag als Kirche – eine Chance hat im Kontext einer säkularen Welt, in der wir uns gesellschaftlich bewegen.“

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte der Deutschen Presse-Agentur, „der römische Druck ist enorm“. Schüller sagte: „Rom ist erkennbar nervös und schickt den Kölner Kardinal Woelki und den Regensburger Bischof Voderholzer vor, die allen zarten Pflänzchen von Reformen kategorisch den Riegel vorschieben.“ Dabei sei es so, dass sich der allergrößte Teil der deutschen Katholikinnen und Katholiken sowieso nicht für den Synodalen Weg interessiere, weil faktisch niemand mehr mit Reformschritten rechne. „Die Menschen sind schon viel zu lange von ihrer Kirche enttäuscht worden“, sagte Schüller.

Die Bewegung „Wir sind Kirche“ hält deshalb auch den weiteren Fortgang des Reformprozesses für entscheidend für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. „Wir können nur appellieren an die Bischöfe, diesen Weg weiterzugehen, alles andere würde in die Bedeutungslosigkeit führen“, sagte der Sprecher der Reformbewegung, Christian Weisner, in Fulda.

© dpa-infocom, dpa:200922-99-667073/2

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