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In- und Ausland

Bleimunition von Jägern vergiftet gefährdete Geier in Afrika

Wissenschaft

Sonntag, 18. März 2018 - 14:01 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Johannesburg. Trophäenjäger in Afrika schießen gerne Elefanten und andere Wildtiere. Oft nutzen sie dabei bleihaltige Munition. Wenn Geier dann die Kadaver fressen, ist einer Studie zufolge ihr Leben in Gefahr.

Geier beim Fressen. Mit Blei angereicherte Munition von Jägern gefährdet den Bestand an Weißrückengeiern. Foto: Raptors Botswana

Mit Blei angereicherte Munition von Jägern hat in Botsuana vermutlich zu Vergiftungen bei gefährdeten Weißrückengeiern geführt.

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Das Blut von einem Drittel der gut 560 untersuchten Geier aus verschiedenen Landesteilen weise einen erhöhten Bleigehalt auf, wie Forscher der Universität Kapstadt nach einer entsprechende Studie im Magazin „Science of the Total Environment“ berichten. Weißrückengeier (Gyps africanus) sind seit 2016 auf der Roten Liste gefährdeter Arten als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Den Forschern zufolge gelangt das gefährliche Blei „höchstwahrscheinlich“ in den Blutkreislauf der Raubvögel, wenn diese von Jägern angeschossenes oder erlegtes Aaß fressen. Während der Jagdsaison und in der Nähe von Jagdgebieten seien bei Geiern in den vier Jahren des Untersuchungszeitraums besonders hohe Bleiwerte festgestellt worden. Die Munition sei daher die „einzig logische Erklärung“ für die Bleivergiftungen, schrieb die Leitautorin der Studie, Beckie Garbett. Wenn ein Tier mit Bleimunition getroffen wird, können sich deren Fragmente demnach im ganzen Körper verteilen. Wildreservate, die Trophäenjagd erlauben, lassen die Kadaver oft für die Geier liegen.

„Wir waren alle schockiert, festzustellen, wie weit verbreitet Bleivergiftungen waren ... und wie klar diese erhöhen Werte mit der Jagd in Verbindung stehen“, erklärte Arjun Amar, ein Professor für Vogelkunde (Ornithologie) von der Universität Kapstadt. Bleivergiftungen seien nicht der wichtigste Grund für die Abnahme der Geierbestände, sie seien aber eine leicht zu behebende Ursache. Die mit der Studie verbundene Artenschutzorganisation Raptors Botswana fordert deshalb ein umgehendes Verbot bleihaltiger Jagdmunition.

Weltweit soll es Schätzungen zufolge noch etwa 270 000 der Geier geben. Die Geier haben einen weiten Aktionsradius, der sie auch immer wieder jenseits der Grenzen von Nationalparks führt. Dort können sie sich leicht tödliche Vergiftungen zuziehen, etwa beim Fressen von Vieh, das mit Pestiziden belastet ist oder das mit Medikamenten wie dem Schmerzmittel Diclofenac behandelt wurde. Es kommt aber auch immer wieder zu gezielten Vergiftungen von Geiern, etwa durch ansässige Bauern oder durch Kriminelle, die ihre Körperteile für den Einsatz in der traditionellen Medizin verkaufen.

Ende Februar etwa waren in Mosambik knapp 90 Geier vergiftet worden. Wilderer hatten Gift in einem getöteten Elefanten versteckt. Sie vergiften die Vögel manchmal, weil diese über Kadavern kreisen und damit Nationalparkwächter auf ihre Fährte locken. Bisweilen vergiften Wilderer auch Elefanten, etwa mit Zyanid. Die Kadaver sind dann auch für Geier tödlich.

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