In- und Ausland

Bundestag soll Aus des Kükentötens ab 2022 beschließen

Agrar

Donnerstag, 20. Mai 2021 - 10:13 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Millionen männliche Küken werden jährlich kurz nach dem Schlüpfen getötet, weil sie sich nicht vermarkten lassen. Tierschützer fordern seit Jahren ein Ende der umstrittenen Praxis. Jetzt entscheidet das Parlament.

In Deutschland werden jährlich mehr als 40 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen routinemäßig getötet, weil sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht soll ab Anfang 2022 in Deutschland verboten sein. Das sehen Gesetzespläne von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) vor, die der Bundestag nach jahrelangem Ringen am Donnerstagabend beschließen soll.

Stattdessen sollen dann Verfahren auf breiter Front einsetzbar sein, um das Geschlecht im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen. Ab Anfang 2024 sollen dafür nur noch Methoden erlaubt sein, die frühzeitiger beim Brüten der Eier funktionieren. Das soll Schmerzen für den Embryo vermeiden.

Klöckner sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Verbot sei ein Meilenstein für den Tierschutz. „Damit sind wir weltweit Vorreiter.“ Um das Kükentöten jetzt rechtssicher verbieten zu können, seien Millionenbeträge in Spitzenforschung investiert worden. Brütereien stünden dadurch nun Alternativen zur Verfügung. „Damit zeigen wir, dass Tierschutz und Wirtschaftlichkeit zusammengeht“, betonte die Ministerin. „Wir lagern Tierschutzfragen nicht einfach ins Ausland aus, sondern bieten hier in Deutschland eine Lösung an. Dieses Modell wollen wir zum Exportschlager machen.“

In Deutschland werden jährlich mehr als 40 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen routinemäßig getötet, weil sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen. Teils ist von „Schreddern“ die Rede, die Tiere werden meist aber mit Gas getötet. Das Bundesverwaltungsgericht hatte 2019 entschieden, dass Tierschutzbelange schwerer wiegen als wirtschaftliche Interessen und erklärte die Praxis nur noch für eine Übergangszeit für zulässig.

Der Tierschutzbund forderte zuletzt, das „lange überfällige Ende“ des Kükentötens nicht noch aufzuweichen, sondern endlich festzuschreiben. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag steht ein Aus bis 2019. Ein echtes Mehr an Tierschutz könnten nur die Abkehr von der Hochleistungszucht und die Förderung von Zweinutzungshühnern bringen, erläuterte der Verband - dabei sollen weibliche Küken Eier legen, männlichen Küken werden zur Mast aufgezogen.

Der FDP-Agrarpolitiker Gero Hocker warnte vor einem nationalen Alleingang. „Zukünftig werden noch mehr Produkte aus dem Ausland in unseren Regalen landen. Einfluss auf die Produktionsbedingungen wie das Tierwohl verlieren wir dann immer mehr.“ Nötig sei ein EU-weites Verbot des Kükentötens.

© dpa-infocom, dpa:210520-99-671967/2

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